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„Versuch ja nicht, diese Komödie weiterzuspielen!“

Italo-Regisseur Guido Zurlis („Zorro – Der Mann mit der Peitsche“) „Der Würger kommt auf leisen Socken“, 1971 in deutsch-italienischer Koproduktion entstanden, ist eine ungewöhnliche schwarzhumorige Horrorkomödie. Metzger Otto (Victor Buono, „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“) wurde just aus der Klapsmühle entlassen, in die er seinerzeit eingewiesen wurde, nachdem er einer Dame an die Gurgel ging. Nun hat er schriftlich, dass er geheilt ist, und geht wieder seinem erlernten Beruf nach – immerhin ist er der beste Metzger von ganz Wien! Als er seine permanent an ihm herumnörgelnde, herrische Frau jedoch im Affekt erwürgt, weiß er zunächst nicht, wohin mit der Leiche, bis ihm die Idee kommt, sie kurzerhand ebenfalls durch den Fleischwolf zu drehen...

Zurlis Film wirkt in seinen klar als solche erkennbaren Kulissen und seinem eigenwilligen Humor vielmehr wie ein abgefilmtes Lustspiel denn herkömmlicher Genrebeitrag. Makaber und überraschenderweise tatsächlich durch und durch österreichisch erscheint der im Wien des Jahres 1930 angesiedelte Film, der mit Hauptdarsteller Victor Buono steht und fällt. Mit der Verarbeitung des Motivs der unfreiwillig zu Kannibalen werdenden Bevölkerung, vermutlich inspiriert von wahren Ereignissen um derangierte Mitmenschen wie Ed Gein oder auch Fritz Haarmann, um auf dem Kontinent zu bleiben, war „Der Würger...“ noch früher dran als „The Texas Chainsaw Massacre“ und Konsorten, lässt sich aber nicht wirklich mit diesen Filmen vergleichen. Emotionale Tragik und Drama wurden ausgespart zugunsten einer trotz des beachtlichen Körperumfangs Ottos leichtfüßigen, trashigen Groteske, die konsequent auf nicht vollends überzogenen, sondern häufig eher etwas leiseren, karikierenden Humor setzt. Der Ekel spielt sich dabei ausschließlich im Kopf des Publikums ab, denn obgleich Ottos Würgemorde in Großaufnahme gezeigt werden, wird die anschließende Verarbeitung nach allen Regeln der Fleischerzunft lediglich angedeutet, ohne dass ein Tropfen Blut fließt.

Stattdessen wird man mit der fast schon tragikomischen Person Ottos vertraut, der eine Nachbarin voyeuristisch beobachtet, ins Visier der Polizei gerät, die ihm aber nichts nachweisen kann – und viel Lob für seine wohlschmeckenden Würste mit Geheimzutat erntet. Er ist einer dieser großen, dicken, kauzigen, grobschlächtigen dabei aber auf ihre eigene Weise liebenswerten und bauernschlauen Typen, wie sie ein jeder schon mal irgendwo kennengelernt hat. Der US-Amerikaner Buono passt so perfekt in die Rolle, dass er 100%ig authentisch wirkt, als wäre er tatsächlich Österreicher. Alle anderen Schauspieler verblassen neben der Präsenz dieses Mannes, wenn auch US-Amerikaner Brad Harris („SS Hell Camp“) als sensationslüsterner, eifriger Journalist der unfähigen und unwilligen Polizei die Arbeit abnimmt, sich amüsante Dialoge mit selbiger liefert und unschwer erkennbar als Kontrastperson zu Otto eingeführt wird. Schließlich hegen beide auch noch Interesse an der gleichen Frau, so dass weitere Katastrophen unausweichlich scheinen.

Sonderlich komplex ist die Handlung dabei nicht und Ottos Morde lassen sich an einer Hand abzählen. Überfordert wird mit der stringenten Erzählweise, die sich mitunter etwas unglücklich bemüht, den Film auf Länge zu bringen, niemand, einzige wirkliche Überraschung ist das Ende. Zudem sorgen ein, zwei zeigefreudige Damen für einen leichten Sleaze-Anteil. Das reicht aber für dieses ebenso kuriose wie charmante Filmerlebnis, das sich mit nicht immer ganz einfach zu verstehendem Wiener Dialekt und Walzerklängen streng dem Drehort verpflichtet zeigt, dank seiner überwiegend komödiantisch klingenden Klavierklänge aber nie einen Hehl aus seiner humoristischen Ausrichtung macht. Als Horrorfilm funktioniert „Der Würger...“ demnach kaum und auch im Bereich makabrer Komödien hat mit im Laufe der Jahrzehnte viel wesentlich Spektakuläreres gesehen. Als verschrobenes kleines, gemeines Stück europäischer Filmkultur sollte er aber nicht unterschätzt werden, allein schon aufgrund seiner Alleinstellungsmerkmale, die er sich bis heute bewahrt hat. Bei zur Selbstironie fähigen Österreichern zumindest dürfte „Der Würger...“ unbedingten Kultstatus genießen. Oder um es mit Ottos Worten zu sagen: „Was ich denk, ist sowieso alles Wurscht.“

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