Review

kurz angerissen*

"Paterson", ein Film über einen poetisch veranlagten Busfahrer namens Paterson in der amerikanischen Stadt Paterson, macht von außen betrachtet womöglich den Anschein eines hochtrabenden Kunstfilms. Sein Trick ist es aber, genau das nicht zu sein. Es steckt nicht mehr Tiefsinn in der gezeigten Arbeitswoche oder der Art ihrer Präsentation als im Leben selbst; Routinen und Muster, wohin das Auge blickt, sich wiederholende Abläufe, die immerzu versprechen, spektakulär gebrochen zu werden; dies ist doch schließlich ein Film, da müssen doch Dinge passieren. Aber nichts dergleichen geschieht. Jim Jarmusch beobachtet einfach nur die Oberfläche der Existenz, lässt die künstliche Dramaturgie fast aller anderen Filme im Nichts verschwinden und setzt so die vielen kleinen Wirbel in den Vordergrund, die man beobachten kann, wenn man sich einfach mal auf das ungefilterte Hier und Jetzt konzentriert.

Der leeren Abläufe wegen ist "Paterson" aber noch längst kein leerer Film. Jarmusch gelingt es durch seine Beobachtungsgabe, soziale Muster auf den Punkt wiederzugeben, ohne dazu besondere Akzente setzen zu müssen. Alleine zwischen dem Busfahrer und seiner Ehefrau entfaltet sich eine wunderschöne Beschreibung verdrehter Harmonie, die zwischen introvertierten und extrovertierten Menschen entstehen kann, sowie der Zwänge und Macken, die mit beneidenswerter gegenseitiger Rücksichtnahme aufgefangen werden. Stundenlang könnte man Adam Driver und Golshifteh Farahani dabei zuhören, wie sie sich über kleine Ereignisse in ihrem Leben unterhalten, Tiefe und Substanz völlig in die Gestik verlagernd. Das Haushalten und Ausleben persönlicher Freiräume wird zum Strategiespiel zwischen Anforderungen des Berufs und Bedürfnissen des Partners.

Und so nimmt langsam auch der Film die Gestalt dessen an, was er so meisterlich zu beschreiben weiß. Nach dem metaphysisch angehauchten "Only Lovers Left Alive" ist "Paterson" wieder ein Jarmusch der 90er Jahre, in seinen Zwischenepisoden wie damals "Night On Earth" oder "Mystery Train" interessiert an Zufallsbegegnungen, aber diesmal fast noch mehr an der Rückkehr des Bekannten in Form von Gewohnheiten und gesellschaftlichen Regeln. Keine Elfenbeintürme, nur einfache Paar- und Kreuzreime, verfasst in einer universellen Sprache, die vom Kind bis zum Poeten überall verstanden wird.

*weitere Informationen: siehe Profil

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