Review

Mit Fortsetzungen ist das so eine Sache, mal funktioniert es und mal nicht, selbst wenn man sich das gesamte Ensemble noch einmal zusammenengagiert hat. Bei "Reine Nervensache 2" hat es auch nichts genützt.
Andererseits: so mancher ist ja heute schon für ein eingespieltes Team dankbar, das sieht man selten.

Und das ist dann auch gleich die größte Bank, auf die Harold Ramis mit seinem eigenen Nachfolger setzen kann. Crystal und de Niro sind wieder vereint, der Psychiater und der Mafioso, ein eingespieltes Team.
Nur heißt der Film nun mal "Analyze That" , ergo muß hier auch irgendwer therapiert werden. Und weil wir das in Teil 1 schon beim Mafioso hatten, ist diesmal Freuds Enkel dran. Und de Niro gibt's als Sahnehäubchen obendrauf.

Nur leider hakts da auch schon bedenklich, denn wenn uns etwas an diesem Film keine Freude machen kann, dann sein absolut beliebiges Drehbuch, weitschweifig geknüpft, geschwätzig und viel zu viel wollend, wo kleine, intensive Augenblicke mehr bedeutet hätten in punkto Humor.
Aber: das hier sollte ein Brüller werden und deswegen geht der Film in die Vollen: de Niro wird im Gefängnis bedroht, er spielt verrückt, er kommt in Crystals Obhut. Der hat seinen Daddy gerade beerdigt und kann selbst nicht trauern. Dann braucht der Gauner einen Job und die alten Kumpanen zuckeln auch an ihm herum, Crystals Ehe leidet, das FBI stört und am Ende muß auch noch ein Goldraub als Höhepunkt herhalten.

Ramis weiß schlicht und ergreifend einfach nicht, was er will. Das Skript wechselt ununterbrochen die Richtung, präsentiert uns erst de Niro souverän, dann im Wahnwitzmodus, Lieder aus der "West Side Story"schmetternd, anschließend im besten Gross-Out-Style Crystals Familienleben durcheinanderbringen. Zwischendurch wird ein wenig widerwillig rumanalysiert, damit der Titel seine Berechtigung hat. Jobsuche und Mafiatätigkeit heben sich gegenseitig auf, ein großer Gegner wie Palminteri im ersten Teil fehlt.
Schließlich wird de Niro alias Vitti auch noch Berater bei einer Mafia-TV-Serie und was hätte das für magische Momente geben können, wenn ein echter Mafioso die falschen aufmischt und Spaß daran hat. Doch das Buch läßt ihn nur unter den Kulissen seine Tarnung erstellen, an der Serie verweigert er sich, zwischendurch haut er mal sinnfrei den Hauptdarsteller und ansonsten taugt nur der nervös-durchgeknallte Regisseur für ein paar standardisierte Klamaukeinlagen.

Bedenklich dabei ist, daß sich der Film schlichtweg nicht zu steigern weiß, er plätschert schön gemütlich vor sich hin, ganz auf seine Darsteller vertrauend. Und auf die Gags.
Und was soll man sagen: es gibt durchaus was zum Lachen. Vor allem, wenn Crystal auf Autopilot in punkto jüdischem Humor fährt, ist er am besten. Da fliegen die Oneliner nur so durch die Luft, vorzugsweise im ersten Drittel. Später kann man den Film am besten mit einem permanenten Grinsen durchstehen, was aber auf die Dauer auch anstrengend sein kann, weil es ermüdet.

Zum guten Schluß schließlich gingen dann völlig die Ideen aus. Da orientiert man sich an "Oceans Eleven" mit einem überflüssigen Goldraub und bastelt sich so einen faden Showdown mit einer noch mittelmäßigeren Pointe. Am Ende sind alle glücklich und wir Zuschauer könnten es auch sein, wenn der Film seinen Plot nicht mutterseelenallein in der Wüste zurücklassen würde, so daß ganze Karawanen durch seine Löcher ziehen können. Kennzeichen der Vernachlässigung sind zahlreiche Fäden, die aufgehoben und wieder fallengelassen werden, wie z.B. das Bewährungsverfahren für Vitti, die Familienverhältnisse Sobels, die Auseinandersetzungen zwischen den Familien und, wie schon erwähnt, die TV-Serie, die für einige großartige Szenen hätte sorgen können. Während de Niro und Crystal ihren Spaß haben, kommen andere zu kurz, die Auftritte von Lisa Kudrow ("Friends") hätte man sich sparen können.

Wer's gesehen hat, erkennt: das hier ist ganz unterhaltsame Videoware mit bekannten Gesichtern, hinreichend lustig für ein nettes Frühstück oder einen flips-reichen Abend, aber einen Kinobesuch ist das leider nicht so recht wert. Aber mit Ansprüchen kann man ja tief stapeln - war ja sonst nett. (5/10)

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