Review

Während Leihmutterschaft in Deutschland seit den frühen Neunzigern verboten ist, ist sie in weiten Teilen der USA erlaubt, was nicht selten zu ethischen und rechtlichen Auseinandersetzungen führt. Der Thriller von Regisseur Jon Cassar veranschaulicht, wohin der anberaumte Kinderhandel führen kann.

John und Laura (Morris Chestnut und Regina Hall) besitzen ein stattliches Häuschen, sind erfolgreich im Beruf, doch nach drei Fehlgeburten kann Laura keine Kinder mehr bekommen.
Sie entschließen sich für eine Leihmutter in Form von Anna (Jaz Sinclair), welche allerdings von ihrem Freund geprügelt wird. Kurzerhand kann Anna ins Gästehaus einziehen, doch mit der Zeit entwickelt sie eine gefährliche Obsession für den werdenden Vater…

Da lassen die Genreverwandte der Achtziger und Neunziger schön grüßen, allen voran Filme wie „Eine verhängnisvolle Affäre“, „Die Hand an der Wiege“ oder auch „The Evil Mother“.
Es benötigt eine überschaubare Figurenkonstellation mit sozialen Differenzen, mindestens einen unberechenbaren Charakter und auf der Gegenseite jemanden, der zum Finale aktiv wird. Ein solches Konstrukt beinhaltet in der Regel selten Überraschungen und auch im vorliegenden Fall gestaltet sich der Verlauf recht konventionell und vorhersehbar, mit dem unwesentlichen Unterschied, dass die Protagonisten Afroamerikaner sind.

Was einerseits recht altbacken rüberkommt, birgt andererseits eine angenehm ruhige Erzählweise, welche keinen aufgesetzten Horror oder inszenatorischen Firlefanz benötigt.
Und aufgrund der starken darstellerischen Leistung von Sinclair steigert sich das Grauen langsam aber stetig. Aus einem anfangs bezaubernd schüchternen Lächeln und dem eher harmlosen Auskosten der Wohlstandsumgebung wird mit der Zeit ein unberechenbarer Mitbewohner, der versucht die Eheleute gegeneinander auszuspielen und auch im beruflichen Umfeld indirekten Einfluss ausübt. Dabei steht stets die Frage im Raum, wo die Grenzen liegen und was werdende Eltern bereit sind, für ein Kind zu opfern, denn rein rechtlich ist die Gebärende auch die Mutter und könnte jederzeit mit dem Kind verschwinden.

Leider wird das dramaturgische Potential zu wenig ausgeschöpft, was der von zahlreichen Klischees begleitete Showdown deutlich untermauert. Überraschungen oder Wendungen sucht man vergebens, wobei selbst die eigentlich schon obligate letzte böse Einstellung fehlt.
Zudem stellen sich innerhalb der Laufzeit von 106 Minuten immer mal wieder kleine Durchhänger ein, in einigen Phasen kommt die Handlung eher schleppend voran.
Insofern bietet der Streifen keinerlei Innovationen für Genrefans, er ist zwar routiniert in Szene gesetzt und darstellerisch auf solidem Niveau, inhaltlich bietet er jedoch nichts, was nicht bereits vor Jahrzehnten etwas spannender umgesetzt wurde.
5 von 10

Details
Ähnliche Filme