Review

Anno '95 erreichte ein Film die deutschen Kinos, auf den ein Heer von Fans schon Jahre gewartet hatt. Die Hollywoodumsetzung des Videospiels "Street Fighter II". Columbia hatte die Rechte an dem Stoff erworben, um die legendären Charaktere, mit denen sich die Videospieler der Welt schon seit Jahren durch die Straßen prügelten, auf Zelluloid zu bannen. De Souza erhielt mit diesem Streifen seine erste Chance als Regisseur und machte sich sofort an die Arbeit. Die Besetzung erfolgte passend und so kommen die meisten der Kämpfer ihren Pixelvorbildern wirklich sehr nah. Damit man auch einen zugkräftigen Namen vorweisen konnte, engagierte man außerdem noch Martial Arts-Ikone Jean Claude van Damme für die Rolle des Guile. Dummerweise verfügte jedoch außer dem Belgier die gesamte Belegschaft über null Kampfsportexpertise und dementsprechend ungelenkt wirken die wenigen Kämpfe auch. Da half es auch nicht mehr viel, dass man den Schauspielern einen zwei Wochen Crashkurs mit Benny "the Jet" Urquidez verabreichte. Die Akteure mußten sich in dieser Hinsicht aber ohnehin nicht überanstrengen, sind doch Kämpfe Mann gegen Mann (was man eigentlich von diesem Film erwarten würde) hier absolute Mangelware und wenn sie dann doch einmal vorkommen, kurz, dilletantisch choreographiert und schlicht gesagt langweilig. Was dem Drehbuchschreiber außerdem durch den Kopf gegangen ist, als er dieses windschiefe Etwas von Storygerüst hingerotzt hat entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen, (Ich hoffe angesichts des Ergebnises mal, es war ein 45er Kaliber-Bullet) denn so gut wie keiner der Fighter entspricht hier storytechnisch der Spielvorlage. Nun, wollen wir trotzdem kurz auf den Plot eingehen: Der finstere General Bison hat sich eine Privatarmee aus dem Boden gestampft und mal eben das fiktive Land Shadaloo besetzt. Von seiner dortigen Urwaldbbasis plant er nun zusammen mit seinen Vasallen die globale Machtübernahme. Dem können die "Allierten Nationen" natürlich nicht tatenlos zusehen und so entsenden sie ein Batallion unter dem Kommando des eisenfreßenden Col. Guile, der dem Größenwahnsinnigen den Gar ausmachen soll. Dieser schaart rasch noch weitere Kämpfer (unter Anderem Chun Li, Honda, Ryu & Ken) um sich und braust mit einer Stealthbootrotte den Fluß hinunter, um den Finsterling in seinem Schlupfwinkel zu stellen. - Ja, klingt nicht gut, schaut sich auch noch schlechter an. Zu der unrühmlichen Stealthbootgeschichte kam es nebenbei erwähnt aufgrund schlechter Planung des Filmteams. Denn die thailändischen Behörden untersagten das Abfilmen des geplanten Kampfhubschraubershowdowns und so mußte man einfach auf die Schnelle improvisieren. Denn für einen erneuten Antrag an die Obrigkeit blieb keine Zeit. Aus Kostengründen hatte man "Muscles from Bruxxels" van Damme nämlich nur für einen lausigen Monat verdingt.


Fazit:
Fulminante Fights bleiben komplett aus, nach den bekannten Special Moves sucht man nahezu vergebens und die Storyline spottet jeder Beschreibung. Wenn sich die Filmhelden in der letzten Szene oberpeinlich und unsinnig zusammenhanglos in die Siegesposen ihrer Pixelpendants werfen (wahrscheinlich in einem letzten verzweifelten Versuch ein bißchen Bezug zum Spiel zu gewinnen) ist man froh dieses unmotivierte Trauerspiel hinter sich zu haben. SF-Fans sollten sich lieber an die Anime-Versionen halten. - Würde der Film nicht den Titel tragen, den er nuneinmal hat, wäre es ein kurzweiliger, wenn auch hohler B-Movie mit knappem Budget. Als "Street Fighter"-Verfilmung ist er hingegen nur enttäuschend.

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