Hollywoods kurzlebiger, nur wenige Jahre andauernder Modetrend Konsolenspiele für ihre Filmfabrik zu adaptieren, förderte trotz einer reichhaltigen Palette (u.a. „Super Mario Bros.“, „Double Dragon“, „Mortal Kombat“) keinen über durchschnittliches Filmvergnügen hinausgehenden Film zutage. Daran sollte auch die Umsetzung von „Street Fighter“, trotz immerhin kommerziellen Erfolgs, nichts ändern. Ausgerechnet Steven E. de Souza, der in den Achtzigern mit Drehbüchern zu „48 Hrs.“ oder „Die Hard“ das Actiongenre maßgeblich neu definierte, und bereits Anfang der Neunziger sein Pulver verschossen zu haben schien, leistet hier als Autor und Regisseur einen peinlichen Offenbarungseid.
Denn so sehr man „Street Fighter“ drehen und wenden möchte, wirklich unterhalten kann er nicht, was neben der blödsinnigen Story vor allem am albernen Grundtenor des Films liegt. Obwohl die Mannen von CAPCOM mit über die Produktion wachten, hat dieses einfallslose Gedudel auf infantilem „Teenage Mutant Ninja Turtles“ – Niveau nur wenig mit dem Game gemeinsam. Dem sich auch stets für Filme eignenden Turnier-Modus (siehe „Bloodsport“ und seine Epigonen) weicht hier ein Konflikt zwischen den Allied Nations (einer aus rechtlichen Gründen abgewandelten UN) und dem größenwahnsinnigen General Bison (in seiner letzten Rolle vor seinem Tod: Raul Julia, „The Rookie“, „The Addams Family“), der in Südostasien mitten in einem Dschungel einen Tempel zu seiner Privatfestung umgebaut hat und die Weltherrschaft an sich reißen will. Wohlwollend, überspitzt gemeinte Parallelen zum ersten Irak-Krieg sind sicher zufällig, auch weil zu Beginn Nachrichtenmaterial aus eben diesem Konflikt verwendet wurde.
Es ist jedenfalls an A.N. – Kommandant Colonel Guile (Jean-Claude Van Damme, „Double Impact“, „Hard Target“), der die Vernichtung von Bison zu einer persönlichen Sache erklärt hat, wieder für Weltfrieden zu sorgen. Parallel dazu machen die beiden findigen Waffenhändler Ken Masters (Damian Chapa, „U.S. Seals II“) und Ryu Hoshi (Byron Mann, „Belly of the Beast“, „Sniper 3“) Geschäfte mit dem Unterweltboss Victor Sagat (Wes Studi, „Dances with Wolves“, „The Last of the Mohicans“), der die Waffen an Bison weiterverschiebt. Für Guile eröffnet sich nach Verhaftung des Trios schnell eine Möglichkeit zu erfahren, wo Bisons Rückzugsort liegt...
Schrecklich viel mit der Spielvorlage hat Steven E. de Souzas einfallslos heruntergekurbelte Adaption nicht mehr gemeinsam. Mehr oder weniger sinnvoll wurden einige Charaktere des erfolgreichen Spiels „Street Fighter II“ eingebunden und sei es in unsinnigen Nebenrollen (u. a. Dhalsim als Wissenschaftler). Bei den Settings hier legte man viel Wert auf thailändische Exotik, was sich leider mit den viel zu bunten, grellen und sauberen Kostümen der Charaktere beißt.
Die Essenz des Spiels, die Kämpfe, wird hier nur selten aufgegriffen und zudem dann noch in lustlose Choreographien verpackt, so dass letztlich auch Van Damme in seiner Rolle verschenkt wird und einen dämlichen Endfight mit dem durch die Luft düsenden Bison bestreiten muss. Speziell in der letzten halben Stunde, in der Bisons HQ gestürmt wird, sich alle Game-Charaktere beteiligen dürfen und austeilen wie einstecken, gibt es zwar reichhaltiges Gekloppe, von wahrhaftig interessanten Kämpfen allerdings nichts in Sichtweite. Das Niveau verbleibt auf langweiligen Dauerschlägereien durch die einfallslose kreierten Basis-Kulissen ohne nennenswerte Moves. Die fehlenden Martial Arts – Kenntnisse der schauspielernden Belegschaft dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben, obwohl es vor den Dreharbeiten einen Crash-Kurs durch die lebende Kampfsport-Legende Benny Urquidez gab.
Bis dahin muss der Film sich aber auch schon mühen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Insider-Gags (Zangief vs. Honda kloppen sich durch das Miniaturmodell von Bisonopolis zu Godzillas Urschrei, die Erwähnung von Microsoft) halten sich in Grenzen, der Film nimmt sich meistens selbst zu ernst und zu oft verkommt das fade Skript zu einer simplen Nummernrevue. Vor allem der Subplot um Chun-Li Zang („ER“ – Doc Ming-Na), die Balrog und Honda mit sich schleppt, wurde mies mit in die Handlung integriert. Aber eine sinnvolle Geschichte hat hier ohnehin niemand erwartet.
Dafür könnten es dann eben Tempo, Witz, Action und vor allem gut choreographierte Kämpfe sein, doch selbst in dieser Hinsicht wird der Zuschauer ohne Umstände auf Diät gesetzt. Das ewige Hin und Her zwischen Guile, der seinen Tod vortäuscht und Bison, der in seiner Festung Blanka heranzüchtet, ödet bereits früh an, Plotholes mengen sich großzügig ins wackelige Plotgerüst, das Drehbuch beantwortet Fragen auf lächerlichste Weise (Guiles Begründung, warum er der richtige für den Job sei, ist die Krönung) und die Raserei mit dem Schnellboot durch vermintes Gewässer ist dann auch nur noch von schlechten CGI-Effekten und wirkungslosem Schnitt gekennzeichnet.
Fazit:
Ich habe von den weiteren Filmumsetzungen nur noch die Animeserie „Street Fighter II: V“, die vor zig Jahren mal auf VOX lief, rudimentär im Gedächtnis, kann mich aber noch erinnern, dass sie erstens besser unterhalten konnte und zweitens eher dem Geist des Spiels entsprach.
Steven E. de Souzas kläglicher Versuch hingegen, ist keine Katastrophe, aber absolut grenzwertig und weit von einem unterhaltsamen, meinetwegen auch gern trashigen Film entfernt. In „Street Fighter“ pfropfte er mal eben die bekannten Figuren der Vorlage, umsponn sie mit einer innovationslosen 08/15-Geschichte um einen bösen Diktator und seinen Widersacher und entließ sie dann noch in lahme, kindgerechte Actioneinlagen. Insbesondere Jean-Claude Van Damme ist als Zugpferd gänzlich verschenkt worden.