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Spätestens seitdem die Casting-Show „Germany’s Next Topmodel“ 2006 an den Start ging, hagelte es derbe Kritik am teils harschen Umgang mit den Teilnehmerinnen, aber auch die Branche selbst hatte immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Der dänische Regisseur Mads Matthiesen hat die Mechanismen der Modewelt recht genau beobachtet und daraus ein leider nicht allzu fesselndes Drama gebastelt.

Die siebzehnjährige Emma (Maria Palm) wird in Kopenhagen entdeckt und wittert ihre große Chance in der Modemetropole von Paris, wo sie allerdings das erste Shooting unter der Leitung des Fotografen Shane (Ed Skrein) versemmelt. Auf einer Privatparty trifft sie Shane erneut, wo sich die beiden näher kommen. Doch Emmas Höhenflug wird abrupt gebremst, als bei einer Feier einiges aus dem Ruder läuft…

Langanhaltender Erfolg ist nur wenigen Topmodels vergönnt und selbst eine Heidi Klum hat es nie auf die ganz großen Laufstege der Welt geschafft. Dahin möchte allerdings Emma, die beim ersten Fototermin Probleme hat, mit einem Male Model abgelichtet zu werden, was in dem Alter tatsächlich nicht untypisch ist. Auch die gerade mal zweckdienliche Bleibe, die sich Emma mit einem anderen Model teilen muss, fällt realistisch aus, ebenso der ständige Termindruck. In punkto Magerwahn hält sich der Stoff demgegenüber zurück, in einer Szene ist ein deutliches Augenzwinkern jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Als flüchtige Milieustudie fällt das Szenario also recht authentisch aus, allerdings ist die Story so dünn wie manches Laufstegmodel. Das Beziehungsdrama wird erst leidlich interessant, als Emmas Freund überraschend aus Dänemark anreist, später gerät die Erzählung zunehmend zum persönlichen Drama über ein naives Mädchen, dem schlichtweg die Erfahrungen im Leben fehlen, um in der harten Welt der Branche zu bestehen. Gleichermaßen gelingt es Emma nicht, private Probleme im Business auszublenden, woraufhin die Situation zu eskalieren droht.

Im letzten Drittel gesellen sich Elemente des Psychothrillers hinzu, es kommt etwas Gewalt ins Spiel, wogegen die letzten, eher stillen Momente einen bissigen und gleichermaßen gelungenen Abschluss bilden.
Dass Hauptdarstellerin Maria Palm im echten Leben modelt, kommt ihr natürlich entgegen, allerdings überrascht sie mit ihrem Debüt auch darstellerisch. Ed Skrein performt wie immer verlässlich, nur einigen Nebendarstellerinnen sieht man an, dass sie wenig Ahnung von der Materie haben.

Die unterkühlte Atmosphäre spiegelt recht gekonnt die Wirkung der Branche wider, die saubere Kamera, die mindestens zweckdienliche Ausstattung und der stets treffend unterlegte Score sind ebenfalls auf der Habenseite zu verbuchen. Nur leider gerät der Stoff zu selten spannend, woraus ein allenfalls durchschnittlicher Unterhaltungswert resultiert.
Die Gesellschaftskritik sitzt, die dazugehörige Geschichte ist allerdings ein uralter Hut.
5 von 10

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