iHaveCNit: The Salesman (2017)
Bei der diesjährigen Oscarverleihung gab es für mich in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nur einen Favoriten: „Toni Erdmann“. Aber bereits im Vorfeld wurde auch aus politischen Gründen durch den aktuell per Dekret verabschiedeten Einreisebann aus 6 islamischen Ländern der iranische Film „The Salesman“ hoch gehandelt. Der Regisseur Asghar Farhadi durfte nicht einreisen. Da ich die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences als sehr liberal und unrepublikanisch einschätze, wollte man zum einen ein aktuelles Statement setzen, aber nachdem ich mir den Film angesehen habe, muss ich zu dem Schluss kommen, dass mir „Toni Erdmann“ besser gefällt, aber ich kann auch verstehen, dass die Academy als Film genau diesen Film mit dem Preis gewürdigt hat.
Emad und Rana sind ein Ehepaar. Er ist Lehrer und beide sind gerade dabei mit einer Theatergruppe das Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ zu proben. Beide müssen aus ihrer Einsturz gefährdeten Wohnung ausziehen und finden schnell eine neue Wohnung. Relativ schnell jedoch kommt es zu einem Verbrechen an Rana und die dunkle Vergangenheit der Vormieterin kommt ans Tageslicht. Rana und Emad müssen nun darum kämpfen, dass ihre Beziehung nicht an diesem Verbrechen zerbricht.
Der Film seziert förmlich „Tod eines Handlungsreisenden“. Emad nutzt das Buch und eine Verfilmung für seinen Unterricht. Er und Rana proben das Stück in einer Theatergruppe und der komplette Film nutzt Elemente aus „Tod eines Handlungsreisenden“, um seine Geschichte aufzubauen und zu erzählen. Dazu gesellt sich ein Beziehungsdrama mit entsprechendem Tiefgang für seine sehr ambivalenten Hauptcharaktere Emad und Rana. Emotionen werden hier auf diverse Art und Weise transportiert, aber stets ruhig, zurückhaltend und stets respektvoll im Umgang mit der sonst manchmal in anderen Filmen zu plump und plakativ erzählten Rape-And-Revenge-Geschichte. Ich kann es wie gesagt verstehen, warum die Academy neben ihrer meiner Einschätzung nach liberalen und anti-republikanischen Einstellung den Film gewürdigt hat. Das liegt hier im Detail seiner Vorlage und die Tatsache, dass wir es hier mit einer Theatergruppe zu tun haben, die den darstellerischen Künsten frönen, sehen sich die Filmschaffenden der Academy in ihrem Tun und Handeln bestätigt. Mich hat er weniger gekriegt als zum Beispiel sein Konkurrent Toni Erdmann und auch der dänische Film „Unter dem Sand“.
„The Salesman“ - My First Look – 8/10 Punkte.