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In Amerika gab und gibt es merkwürdige Gesetzte, denn du darfst mal eben jemanden abknallen, wenn er ungefragt dein Grundstück betritt, doch bis 1967 war es Menschen im Bundesstaat Virginia verboten, eine mischrassige Beziehung zu führen, - willkommen in „The Land of the Free“. Beruhend auf den historischen Fall des Ehepaares Loving zeichnet Regisseur Jeff Nichols ein Drama, dem ein wenig mehr Euphorie gut getan hätte.

Richard (Joel Edgerton) und Mildred (Ruth Negga) haben beschlossen in Washington zu heiraten, da sie dies in ihrer Heimat Virginia nicht können. Kurz danach werden sie verhaftet und nur mit der Auflage freigelassen, den Bundesstaat in den nächsten 25 Jahren nicht mehr gemeinsam zu betreten. Just als die Bürgerrechtsbewegungen von sich reden machen, sehen zwei Anwälte die Chance, diese Geschichte als Präzedenzfall vorm obersten Gerichtshof anzusetzen…

Es ist die klassische Geschichte einer verbotenen Liebe, welche zunächst schlichte Ungläubigkeit entstehen lässt. Denn im Grunde ist es ja großartig, wenn sich völlig unterschiedliche Menschen finden, woraufhin wieder neue Individuen mit recht speziellen Merkmalen entstehen, wobei die Vermengung scheinbarer Kontraste besonders interessant ist.
Nichols geht das geschickt an, indem er erst gar nicht hinterfragt, warum Richard der einzige Weiße in einer Gruppe Schwarzer ist, die erst an Autos schrauben und dann ihren Fahrzeugen beim Rennen zusehen. Auch die Beziehung zwischen ihm und Mildred wird als unumgängliche Tatsache in den Raum gestellt, woraufhin die Betroffenheit hinsichtlich unfassbarer Sanktionen umso deutlicher trifft.

Die Erzählung ist zwar immer auf Augenhöhe des Paares und später ihrer drei Kinder, doch der intime Einblick hat auch gewisse Nachteile, da es extrem schwer ist, mit dem Paar einigermaßen warm zu werden. Mit Richard, als weitgehend verschlossen auftretenden Grummel ohnehin. Was komplett fehlt, ist der nach außen gerichtete Blick. Details im sozialen Umfeld, in ihren täglichen Abläufen, aber auch die Vorgänge im juristischen Umfeld bleiben nahezu außen vor. Dabei hätte man speziell beim Kampf um das Eherecht einige Emotionen schüren können.

Insofern erscheint die Erzählung einerseits deutlich zu langatmig, andererseits mangelt es an großen Gefühlen, welche die Thematik eigentlich mit sich brächte.
Toll gespielt ist er in jeder Hinsicht, inszenatorisch und vor allem in Sachen Ausstattung ist absolut nichts anzukreiden, doch obgleich der Film historisch bedeutsam ist und teilweise nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat, lässt er merkwürdig gleichgültig zurück.
Knapp
6 von 10

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