In Zeiten aufwendiger Animationen in 3D wirkt der klassische Zeichentrick beinahe altbacken. So wirklich flüssig wirkte das Geschehen dabei selten und wer sich an Serien wie „Heidi“, „Biene Maja“ oder auch „Wickie“ erinnert, dem werden die oftmals unbeweglichen Hintergründe noch in Erinnerung sein. Umso erstaunlicher, wie detailliert die Optik teilweise ausgefallen ist.
Ein Mann erleidet Schiffbruch und strandet auf einer einsamen Insel. Er baut sich ein Floß, doch kurz nach dem Aufbruch wird es von unten zerstört. Beim dritten Versuch entdeckt er, dass eine rote Schildkröte ihm offenbar am Verlassen der Insel hindern will. Als diese eines Tages auf der Insel aufkreuzt, dreht er den Spieß um…
Der niederländische Regisseur Michael Dudok de Wit liefert eine Parabel zum Kreislauf des Lebens, die gänzlich ohne Dialoge auskommt und sich deutlich auf die Geräusche der Natur fokussiert. Neben dem Mann, der lange Zeit auf dem Eiland verbringt, gibt es noch Vögel, einige Schildkröten und vor allem Krabben, die ab und an für leichte Situationskomik sorgen und ständige Begleiter des Inseltreibens sind. Leider geschieht hier zunächst nicht viel, bis die Schildkröte auf der Insel strandet und über Nacht eine Metamorphose zur rothaarigen Frau durchmacht.
Ab da dominiert Familienharmonie, denn schließlich kommt im Verlauf ein Sohn zur Welt und das Inselleben wird zu Friede, Freude, nur der Eierkuchen fehlt. Da herrscht ein wenig zuviel Idylle, denn trotz eines Tsunamis besinnen sich die drei Figuren auf die einfachen Dinge des Lebens und sind offenbar leicht zufrieden zu stellen. Das erinnert daran, was bestenfalls aus Adam und Eva hätte werden können.
Auf der anderen Seite entwickeln die Bilder eine beinahe meditative Wirkung. Da nicht gesprochen wird und die gelungene musikalische Untermalung nur ab und an zu hören ist, stehen die Bilder im Vordergrund, womit nicht unbedingt die beinahe strichmännchenartigen Gesichter der Figuren gemeint sind. Vielmehr sind es die Nuancen der Farbgebung, wie etwa beim Himmel oder unterschiedliche Wellengänge oder die Details hinsichtlich der Länge der Schatten. Trotz des an sich schlichten Zeichenstils fallen solche Feinheiten recht positiv ins Gewicht.
Nur leider entwickelt die Geschichte nichts Nachhaltiges. Aufgrund der Gutmenschen-Figuren zündet die emotionale Ebene nur sehr bedingt und obgleich sich der Kreis am Ende zufrieden stellend schließt, kann man als Pointe nicht allzu viel mitnehmen. Die Bilder und die fast hypnotische Wirkung sind eine Sache für sich, doch inhaltlich entstehen weder Spannung noch eine besondere Abenteuernote, so dass die kurzen 80 Minuten Laufzeit beinahe schon ein wenig zu lang anmuten.
Knapp
6 von 10