Seit der Doktorfisch Dorie bei den Clownfischen Nemo und Marlin lebt, hat die unter Gedächtnisschwund leidende Ozeanbewohnerin sogar vergessen, dass sie all die Jahre auf der Suche nach ihren Eltern war. Als sie sich plötzlich daran erinnert, dass sie aus Kalifornien stammt, hält sie jedoch nichts und niemand mehr davon ab, ihre Eltern zu suchen, wobei sie natürlich auf die Unterstützung ihrer neuen Familie bauen kann. Dumm nur, dass Dorie aus einem Meeresbiologischen Institut stammt, in dem der vergessliche Fisch schließlich auf sich allein gestellt verloren geht.
Das große Sequel-Fieber hat mit Pixar zunehmend auch ein Animations-Studio erfasst, dass neben der japanischen Konkurrenz von Ghibli immer für Kreativität und Herz stand, das sich, wenngleich 2006 von Disney übernommen, immer vom süßlichen Kommerz-Kitsch absetzen konnte. Hatte Pixar mit „Ratatouille“, „Die Monster AG“, „Toy Story“, „Wall-E“ oder „Oben“ mit dem alljährlichen Film fast immer ein Highlight setzen können, waren es allein die „Toy Story“-Sequels, welche die Qualität des Erstlings erreichten. „Cars 2“ und „Die Monster-Uni“ enttäuschten dagegen zuletzt und ließen mitunter befürchten, die besten Zeiten lägen hinter dem Studio. Immerhin zeigte „Alles steht Kopf“ im Vorjahr noch einmal, dass Pixar immer noch das Potential einer großen Ideenschmiede hat. Anstatt den finanziellen Erfolg und die guten Kritiken aber als Anlass zu nehmen, weiterhin auf Neues zu setzen, erscheint dieses Jahr wieder Altbewährtes und zwar ein Sequel zu „Findet Nemo“.
„Findet Dorie“ fühlt sich jedoch nicht an wie ein Sequel, wenngleich die meisten Figuren bekannt sind, es kommt einem fast wie eine Wiederholung vor. Die Handlung von „Findet Nemo“ wird nicht wirklich fortgeführt, stattdessen wird sie mit Abänderungen kopiert. Der kleine Clownfisch und sein Vater werden nicht weiterentwickelt, sondern zu überflüssigen Nebenfiguren degradiert, ohne die der Film nicht minder gut oder schlecht funktioniert hätte. Es ging dabei wohl eher um die reine Wiedererkennung. Stattdessen erzählt der Film, wie der Titel ja bereits verspricht, die Abenteuer der vergesslichen Fisch-Dame Dorie, die zusammen mit einem misslaunigen Oktopus durch ein Aquarium irrt.
Dabei ist natürlich nicht alles schlecht. Die Animation ist großartig, der Film durchaus kurzweilig. Mit den gemütlichen Seehunden, dem kurzsichtigen Walhai und dem mit seiner Umgebung verschmelzenden Oktopus haben sich die Pixar-Leute um „Wall-E“- und „Findet Nemo“-Regisseur Andrew Stanton ein paar witzige Nebenfiguren einfallen lassen und auch auf emotionaler Ebene gibt es zumindest einige wenige dieser großartigen, rührenden Pixar-Momente. Dazu gehören etwa die Rückblenden, in denen die beiden Doktorfisch-Eltern ihr vergessliches Kind mit seinen niedlichen Glubschaugen umsorgen. Sehenswert ist zudem der obligatorisch vor dem Kinofilm eingespielte Kurzfilm „Piper“, der vielleicht mehr noch als das meiste von „Findet Dorie“ in Erinnerung bleiben dürfte.
Denn dem meist etwas gehetzt und überfrachtet wirkenden Hauptfilm fehlt neben einem angenehmen Erzähl-Rhythmus ein echter roter Faden, der aus „Findet Dorie“ mehr als eine Aneinanderreihung an sich brauchbarer Einzelszenen machen würde. Dorie, Nemo und Marlin irren im Film hinter- und schließlich miteinander durch das Meeresbiologische Institut, wobei der Film insgesamt aber auf der Stelle tritt. Beim wild zusammengeschusterten Showdown, der mehr Stückwerk als Synthese ist, wird das überdeutlich. Zudem schafft es der Film schon rein inhaltlich nicht, aus dem Schatten von „Findet Nemo“ herauszutreten, ist das Thema doch noch zu präsent, die Parallelen zu offensichtlich, das Ende zu vorhersehbar.
Fazit:
„Findet Dorie“ bietet soliden Kurzweil, mehr aber auch nicht. Der Film, der bei Weitem nicht die Kreativität und inhaltliche Qualität der großen Pixar-Filme aufweist, wird nie aus dem Schatten von „Findet Nemo“ heraustreten können.
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