„Der gläserne Bourne"
Jason Bourne is back. 9 Jahre nach „The Bourne Ultimatum" kehrt Matt Damon zu der Rolle zurück, die ihn zum Superstar gemacht hat. Nötig war das nicht. Damon kann sich noch immer aussuchen, wann und mit wem er arbeitet. Und die Bourne-Reihe hatte mit besagtem dritten Teil einen mehr als würdigen und runden Abschluss gefunden. Möglicherweise wollten Paul Greengrass und Matt Damon den unvermeidlichen, aber eben auch missglückten Rebootversuch mit Jeremy Renner („The Bourne Legacy", 2012) nicht als Abschluss der von ihnen so geprägten Serie stehen lassen. Seinerzeit hatten sie ein weiteres Sequel mit dem durchaus schlüssigen Argument die Geschichte sei auserzählt noch abgelehnt, weshalb Renner überhaupt erst ins Spiel gekommen war. Wie man es auch dreht und wendet, beste Vorraussetzungen sind das nicht gerade für „Jason Bourne".
Die Handlung um den Amnesie-Agenten weiter zu spinnen, gelingt aber zunächst dennoch überraschend gut. Der untergetauchte Bourne wird von seiner ehemaligen Mitstreiterin Nicky Parsons (Julia Stiles) kontaktiert. Sie hat sensible Daten der CIA gehackt, die ein neues Geheimprogramm betreffen, das die Idee der totalen Überwachung auf ein neues Level der Illegalität hievt. Gleichzeitig enthalten die Dateien auch Informationen zu Bournes Vergangenheit und den Hintergründen seines „Treatstone"-Programms. CIA-Chef Dewey (Tommy Lee Jones) ist über diese Entwicklung wenig erfreut und ordnet die Liquidierung von Parsons und Bourne durch seinen Auftragskiller Assett (Vincent Cassel) an. Doch die junge Cyberabwehr-Expertin Heather Lee (Alicia Vikander) ist der Meinung, dass Bourne noch von Nutzen sein könnte ...
Damit ist die schweißtreibende Hetzjagd auf Bourne mal wieder eröffnet - und genau darin liegt das Problem. Trotz der namhaften Schauplätze (Athen, Berlin, Las Vegas), an denen erkennbar vor Ort spektakulärste Actionszenen inszeniert wurden, will sich die frühere Faszination nicht mehr so recht einstellen. Ob das Ausnutzen aufgeputschter Menschenmengen zum Untertauchen, halsbrecherische Motorradjagden inmitten einer Stadt (beide Athen), raffinierte Irreführung der verfolgenden Gegner an öffentlichen Plätzen mit allerlei technischen Gimmicks (London), unglaublich schnell geschnittene und choreographierte Faustkämpfe (Berlin), oder wahnwitzige Autoverfolgungen, die kriegsähnliche Verwüstungen hinterlassen (Las Vegas), all dies hat man in den vorangegangenen Bourne-Filmen bereits bis zur Perfektion zelebriert. Dazu kommt, dass der von Greengrass erschaffene Stil des unmittelbaren Erlebens rasantester Action - eine kongeniale Mischung aus Handkameraeinsatz und extrem schnellen Schnitten - inzwischen in gefühlt jedem zweiten Actionfilm kopiert wurde und damit gehörig an Faszination verloren hat. Zwar beweist auch der fünfte Bourne seine nach wie vor erkennbare Expertise und Dominanz auf diesem Gebiet, aber innovativ ist das natürlich längst nicht mehr.
„Jason Bourne" ist kein schlechter Film, Matt Damon noch immer blendend in Form, Alicia Vikander auch als spröde Cyber-Agentin eine Augenweide und der Bad Guy-Doppelpack Tommy Lee Jones und Vincent Cassel allein schon das Kinoticket wert. Bournes Geschichte wieder auf zu rollen bzw. weiter zu spinnen ist also durchaus ein unterhaltsames und kompetent gemachtes Filmvergnügen. Aber eben auch ein sehr redundantes und kaum anders als mit monetären Interessen erklärbares.
Optisch und inszenatorisch war alles schon mal da gewesen. Erzählerisch wirkt vieles bemüht. Die Erwähnung von Snowden ist letztlich nur ein Brisanz-Alibi und der faustische Deal des unverkennbar an Mark Zuckerberg angelehnten Aaron Kalloor (Riz Ahmed als CEO der Social Media-Plattform „Deep Dreams") wirkt ähnlich halbherzig konstruiert. Dazu kommen die bekannten Intrigen innerhalb der CIA, der Eindruck einer zumindest für die Behörden gläsernen Welt sowie Jason Bourne als einziger Fels in der unübersichtlichen und korrupten Brandung.
Natürlich wird dennoch ein weiteres Abenteuer angedeutet, dem verlorenen Sohn ein Hintertürchen geöffnet. Dann würde wieder alles bei 0 beginnen, aber zumindest ohne Amnesie. Die wäre allerdings für den Zuschauer wünschenswert, sofern er mal wieder überrascht werden möchte. Denn Jason Bourne ist trotz gleicher Initialen kein James Bond. Der kann immerhin mit Glitzer, Glanz und Glamour aufwarten. Für den mondänen Feierabendcocktail taugt Bourne aber eben leider nicht.