Ein Dorf in Südkorea: Polizist Jong-Goo (Do-Won Kwak) wird zu einem Tatort gerufen, bei dem ein offensichtlicher verwirrter, blut- und dreckbesudelter Mann aus dem Dorf ein Ehepaar abgeschlachtet hat. Wenig spät gibt es weitere verstörende Vorfälle und trotz des zunächst geäußerten Verdachts, dass bewusstseinserweiternte Pilze zuvor von den Tatverdächtigen verzehrt worden sein sollen, gibt es immer mehr Gerüchte, dass diese Vorfälle mit dem Auftauchen eines schweigsamen Japaners (Jun Kunimura) zu tun haben, der in den Wäldern haust und zum Beispiel beim Fressen eines Hirschkadavers beobachtet wurde. Als schließlich auch noch Jong-Goos Tochter Hyo-Jin sich immer aggressiver verhält, reift in ihm der Verdacht, dass der Japaner das Dorf verfluchen und alle umbringen will…
Gott, was ein unfassbarer Film. 2,5 Stunden lang, ein Opus des Wahns, der Angst, des (Aber)Glaubens, der Wut und Fassungslosigkeit. Wie ein Hochzeit aus Ost und West, Katholizismus, Schamanenglauben im Shintoismus… dabei unglaublich intensiv und spannend.
Was wie ein stimmungsvoller Krimi mit etwas Humor anfängt, steigert sich immer mehr in den Wahnsinn eines Vaters, der versucht zu verstehen, warum ausgerechnet seine Tochter Opfer eines Dämons werden konnte. Und dabei wird wieder mal klar, wie nah fortgeschrittene Zivilisation und atavistischer Aberglauben zusammenhängen…schließlich wird ohne mit der Wimper zu zucken ein Schamane für den Exorzismus engagiert, nachdem niemand im örtlichen Hospital helfen kann. Und wirkt Jong-Goo am Anfang noch wie tapsiger, fast lustiger Bär, so wandelt er sich im Lauf des Films zu einem Berserker, der versucht, dem Wahnsinn Herr zu werden und dabei mit den Wölfen heult. Und er nimmt viele religiöse Erklärungen erst einmal hin, einfach, weil er wissen will, was mit ihr los ist – egal, aus welcher Religion es stammt.
Südkorea ist das Land Ostasiens mit den meisten Christen, aber immer noch gibt es große Bereiche auf dem Land, wo der alte, von Geistern geprägte Glauben noch sehr lebendig ist. Und das der Bedrohliche ausgerechnet Japaner ist, fügt dem Ganzen noch eine historische Prise hinzu, ist das Verhältnis zwischen beiden Ländern immer noch von der oftmals besonders für Korea traumatischen Geschichte geprägt. Korea war 35 Jahre von Japan besetzt und sie haben dort wirklich gewütet.
Man muss diese Art von Melange mögen, sonst ist man vermutlich, zumal bei der stolzen Laufzeit, entweder genervt oder gelangweilt. Ich fand diese nonchalante Art, Spiritualismus und Krimistory ganz ernsthaft zu mischen, höchst gelungen und passend. Ich würde dem Film sogar fast die volle Punktzahl geben, aber es bleiben am Ende dann doch einige wichtige Fragen offen oder zumindest zu vage, aber insgesamt hat Regisseur Hong-jin Na (The Yellow Sea, The Chaser) wieder einen herausragenden Beitrag des koreanischen Kinos zum Genrefilm beigetragen, der die Grenzen des klassischen Genrefilms dabei souverän und dreist überschreitet und mitunter Aspekte eines wahren Glaubensdramas skizziert.
8,5/10.