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Titel, Cover und eine vage Inhaltsangabe deuten auf einen weiteren Exorzismusfilm hin, doch der dritte Spielfilm von Autor und Regisseur Na Hong-jin schlägt dermaßen Haken, dass man am Ende gar nicht mehr sicher sein kann, ob nicht alles auf einer Täuschung beruht und die Erde eine Scheibe ist.

Goksung ist eine kleine Provinz, in der der trottelige Polizist Jong-gu (Do-won Kwak) mit seinem Kollegen an einem rätselhaften Mordfall arbeitet, bei dem eine komplette Familie ausgelöscht wurde. Während sich die Leute im Ort Schauergeschichten über den in den Bergen ansässigen Japaner (Jun Kunimura) erzählen, geschehen weitere Morde. Schon bald mehren sich bei Jong-gus Tochter Hyo-jin (Hwan-hee Kim) Zeichen, dass auch sie Opfer der anhaltenden Todeswelle werden könnte…

Obgleich die Stimmung oft düster ist, es zuweilen in Strömen regnet und während eines Gewitters sogar jemand vom Blitz getroffen wird, sind im ersten Drittel einige heitere Passagen auszumachen, die den vermeintlichen Helden als Tollpatsch und Angsthasen etablieren. Jong-gu kommt häufig zu spät und hat nur dämliche Ausreden parat, ist körperlich nicht gerade fit und setzt sich einige Male in die Nesseln. Umso erstaunlicher ist, dass Jong-gu zunehmend Empathie schürt, denn er blickt lange Zeit genauso wenig durch wie der Zuschauer.

Denn Hong-jin spielt relativ geschickt mit den Erwartungen, was denn nun hinter den merkwürdigen Vorkommnissen in Goksung stecken mag. Eine Parabel in Sachen Fremdenfeindlichkeit kommt ebenso in Betracht wie die übliche Besessenheit durch eine dämonische Macht und sollte Letzteres der Fall sein, stellt sich die Frage, wer oder was die Strippen zieht. Das Verwirrspiel wird bis zuletzt ausgereizt und nach einigen Wendungen wird die Auflösung nicht gerade auf dem Präsentierteller dargeboten.

Speziell das versierte Editing schafft eine teils surreale Atmosphäre, denn mitunter ist kaum auszumachen, ob es sich um reale Abläufe oder einen weiteren Albtraum handelt.
So punktet der Stoff zwar mit seiner latenten Unberechenbarkeit, doch es stellen sich der innerhalb 156 Minuten deutliche Längen ein. Viele Szenen, wie etwa die Parallelmontage von Ritualen, einschließlich eines wilden Schamanentanzes, geraten deutlich zu lang, andere hätte es gar nicht gebraucht und speziell im Mittelteil ist eine Menge Geduld vonnöten.

Dennoch kann sich das titelgebende Wehklagen sehen und hören lassen, zumal annähernd sämtliche Darsteller stark performen und nur ganz selten ein wenig Overacting auszumachen ist. Die düster gehaltenen Sets punkten auf atmosphärischer Ebene, die wenigen Gewalteinlagen kommen ohne CGI aus und storytechnisch überzeugt primär der finale Akt, der so manche Begebenheit ad absurdum führt.
Zeit und Geduld sind allerdings Grundvoraussetzungen für das deutlich zu lang geratene Verwirrspiel.
6,5 von 10

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