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Erst seit wenigen Jahren auch in Deutschland, dafür seit 2013 in regelmäßigen Abständen unter angemessener Übersetzung von Sabine Schilasky im Bastei Lübbe Verlag erschienen, erfreuen sich in der Heimat Großbritannien die Bücher um Agatha Raisin seit 1993 anhaltender Belietbheit. Sogenannte "Cotswolds-Krimi", die getreu dessen Herkunft schon automatisch gerne mit den Romanen von Agatha Christie und deren Miss Marple verglichen und allein dadurch schon eine Form des Gütesiegels, ob nun die Relevanz zutreffend ist oder nicht, kriegen. Geschrieben wurden die Bände von Marion Chesney, unter dem Pseudonym M.C. Beaton, wobei Chesney parallel dazu bereits eine andere Figur über Jahre hinweg entwickelt und diesen Police Constabel Hamish Macbeth (1995–1997, mit Robert Carlyle) ebenfalls zu filmischen Ruhm befördert hat. Das gleiche Ziel steht hier zu besichtigen, wenn auch die Ergebnisse genauso gemischter Natur und die Aufnahme dessen bei dem Leser natürlich ebenso diffizil sind:

Die erfolgreiche PR-Managerin Agatha Raisin [ Ashley Jensen ] hatte schon früh in ihrer Jugend beschlossen, nach entsprechender Karriere in London und dem Anhäufen entsprechender Rücklagen frühzeitig, bereits mit Anfang 50 in den Ruhestand zu gehen und sich im ländlichen Carsley, in den Cotswolds zurückzuziehen. Gesagt, getan. Im Dorf angekommen muss sich allerdings feststellen, dass die Bewohner ihr gegenüber, besonders ihrem nassforschen, überfallähnlichen Auftreten erst einmal skeptisch überstehen und auch nicht alle nach ihrer Pfeife tanzen, wie sie gewohnt ist. Um gleichzeitig besser anzukommen und zu imponieren, nimmt sie beim jährlichen Quiche-Wettbewerb auf, der vom Lebemann und Richter Andy Cummings-Browne [  Robert Bathurst ] beurteilt und bisher stets und damit auffallend oft von Ella Cartwright [ Carli Norris ], einer (nicht ganz so) heimlichen Gespielin vom Richter gewonnen wird; sehr zum Unbill seiner Frau Jo Cummings-Browne [ Hermione Norris ] übrigens. Um da mitzuhalten und da sie selber eh nicht kochen kann, kauft Agatha die Teigspeise bei einem Feinkosthändler in London. Nach der Verkostung ist der Richter tot. Zwar kann Agatha ihre Unschuld beweisen, fühlt sich aber trotzdem genötigt, den Mörder herauszufinden, schon allein um ihren beschädigten Ruf wiederherzustellen. Die ermittelnden Polizisten DC Bill Wong [ Matt McCooey ] und DI Wilkes [ Jason Barnett ] zeigen sich wenig begeistert, ihr aus London zu Besuch anwesender Ex-Angestellter Roy Silver [ Mathew Horne ] und dessen anwesende momentane Flamme Steve [ John Mason ] umso mehr. Abgelenkt auf ihrer Mordsuche wird Agatha dabei schnell von dem nebenan zu Besuch befindlichen James Lacey [ Jamie Glover ], einem stattlichen Mann und ehemals hochdekorierten Soldaten ihrer Majestät.  

Angefangen hat man hier tatsächlich bei Band 1, was auch die logische Reihenfolge für die weiter geplante TV-Serie, da theoretisch in den Umständen und Figurenentwicklungen und auch den Cliffhangern, wenn man sie so nennen möchte, ist. Ob man sich in der derzeit in Vorbereitung für Sky One befindlichen Serie hält, oder ganz andere Wege, wie bspw. die mittlerweile völlig anders als die literarischen Originale aufgestellte Father Brown geht, wird in naher Zukunft und hoffentlich nicht zur Abschreckung des Publikums, darunter zuerst die der treuen Leserschaft geklärt. [Nachtrag: Die Serie wurde in der Reihenfolge geringfügig geändert, weitet eine Kurzgeschichte zur normalen Länge aus, hält sich ansonsten aber an die Vorlagen.] Die Texte selber hätte man nämlich problemlos so, wie sie sind, übernehmen können, wobei eine sklavische Adaption bestimmt nicht die höchste aller Künste, aber eine Orientierung an dem Geschriebenen manchmal schon zweckdienlich ist.

Bei Father Brown gelingt dies mittlerweile ganz gut, die Form zwischen Anpassung an die Vergangenheit und Übertragung in die Moderne mit Eigenentwicklung zu finden; hier wirkt es noch recht angestrengt, was gerade an den Veränderungen, nicht an den Übernahmen liegt. So sind die Figuren natürlich durch die Bank weg zu jung, was bei der Hauptdarstellerin schon etwas merkwürdig auffällt, und auch insgesamt nicht so die richtige Wahl, nicht vollkommen daneben, aber halt dennoch nicht direkt in Schwarze getroffen ist. Schon bei der Raisin im Buch war anfangs nicht so klar, warum die Prämisse überhaupt, der Umzug in die Cotswold und der vorzeitige Ruhestand mit dem Kauf eines Cottage die anderen überzeugen sollte. Passt sie doch eigentlich überhaupt nicht dahin, und war der Grund, eine Kindheitserinnerung, eben das, was es ist. Eine blasse und ferne Erscheinung, die mit dem Jetzt nicht zu tun hat und deswegen wenig glaubhaft wirkt. Hier wirkt der Kontrast zwischen der Neu Hinzugezogenen und dem, wohin sie geht, noch bei weitem extremer und so überhaupt nicht plausibel, was auch durch die (neu geschaltete Hilfe mehrerer) Gespräche mit ihrem Therapeuten, dem sie sich auch erklärt, nicht begreiflicher wird. Eher ist der Zwang zur lauten Komik hier noch auffälliger, als er in den Büchern ist; die auch nicht per se Komödien, sondern leichte Krimis sind.

Teilweise wird dabei dick aufgetragen, hat die Raisin unmögliche Klamotten an und auch oft ein unmögliches Gebaren und Gesicht, ist quasi der Elefant im Porzellanladen, wo sie ansonsten zwar auch die Unangepasste, aber dies teils unabsichtlich und aus dem Leben heraus nachvollziehbar ist. Der gesamte Ton der Produktion ist ein wenig zu sehr auf schräg, auf fast parodistisch gewollt getrimmt, was gleichsam zuviel Lärm als wie auch das gesamte Dorfleben, das Wichtige der Umgebung, die Stimmung der Umsetzung auf ein zu viel und zu grell und zu voll angelegt ist. Das ganze Dorf ist zu eng und zu dicht besiedelt, ein Haus reiht sich an Haus, wo sonst Ruhe und Abgeschiedenheit einkehrt. Ständig Trubel und ständig Gewusel, was jetzt weniger beschaulich und auch nicht friedlich, nicht wie der Alterssitz, die gesuchte Erholung, der Abstand vom Stress wirkt.

Ansonsten ist das Dorf schon schick, ihr Cottage samt Garten auch, das Innere jetzt nicht, aber immerhin. Die Nebenpersonen, darunter ständige Begleiter wie DC Bill Wong oder James Lacey oder Roy Silver oder auch die Boggles, und den Plot sowieso hat man übernommen und sind gut besetzt, was zumindest das Grundgerüst für sowohl ein Wiederfinden der Sätze, auch der Bezüge als auch ein Heranholen neuer Interessenten ist. Der harmlose Krimispaß für daheim, indem man den Mord nicht für so ernst und auch die Ermittlungen eher als Gaudi, als ein Vertreiben der Langeweile, als die legere Unterhaltung halt nimmt. So richtig amüsant und auch wichtig ist es damit eher nicht, auch noch nicht den jahrelangen Aufenthalt dort, aber vielleicht den Ausflug zum Wochenende hin wert.

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