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Jackie Chans erzwungene Kooperation mit Regisseur Lo Wei gehört unter Kennern zum Tiefpunkt in seiner zugegebener Maßen noch recht jungen Karriere als Leinwandstar. Dies lag vor allem anderen an der Tatsache, das Wei ohne Rücksicht auf die Fähigkeiten des ungeschliffenen Darstellers, versuchte aus Chan einen neuen Bruce Lee zu formen. Jackies wahres Talent wurde erst einige Zeit später deutlich, als er als Leihgabe für die Produktionsfirma Seasonal Films mit der Karriere als treibende Kraft hinter der Kung Fu Comedy Welle sein komödiantisches Können unter Beweis stellen konnte.

Lo Wei vermochte es nicht die Fähigkeiten zu fördern, was in zahlreichen Filmen resultierte die im krassen Gegensatz zu Chans späteren Werken steht. Die Rollen in die Jackie schlüpft sind alles ernste Charaktere ohne Sinn für Humor, die Handlung basiert meist auf dem gängigen Racheschema. Auch wenn Wei in den frühen 70’er zwei der populärsten Eastern aller Zeiten mit Bruce Lee drehte, war davon in den meisten Filmen mit Chan nur wenig zu sehen, man verweise nur auf Zelluloidschrott wie Half a loaf of Kung Fu!. Umso überraschender also, das die ziemlich zeitnah entstandene Produktion „To Kill with Intrigue“ ein recht vernünftiges Martial Arts Abenteuer geworden ist:

Nach der Geburtstagsfeier zu Ehren seines Vaters, wird auf die Familie ein Attentat durch den Killerbienen-Clan verübt. Nur der Sohn der Familie, Siao Lei (Jackie Chan), überlebt schwerverletzt und wird von der Anführerin des Clans verschont. Grund für die Barmherzigkeit: Der Killerbienen-Clan wurde einst vom Vater Siao Lei's massakriert und die Kinder verstümmelt, diese haben sich Rache geschworen. Seine Verlobte konnte Lei zuvor in Sicherheit bringen und macht sich nun auf die Suche nach ihr…

Zwar steht auch bei diesem Film Rache als Leitmotiv deutlich im Vordergrund, allerdings muss die Umsetzung insgesamt als recht gelungen bezeichnet werden. Vorausgesetzt man verzichtet auf die arg beschnittene deutsche Version, bekommt man auch eine abwechslungsreiche Rahmenhandlung geboten. Das für diese Ära typische Motiv des Protagonisten, Rache für den Tod seines Vaters zu üben, rückt relativ schnell in den Hintergrund. Jackie wird entgegen seiner Überzeugung gezwungen, dem „Feind“ zu vertrauen um seine Geliebte wiederzufinden. Die Liebe zwischen Siao Lei und Chin Chin spielt dabei die zentrale Rolle und hebt den Film vom Genredurchschnitt ab. Lo Weis Qualitäten als Regisseur sind sehr wechselhaft, hier beweist er aber zur Abwechslung einmal Geschmack für gute Bilder. Die Liebesszenen sind stilvoll in großformatige Aufnahmen gepackt und mit passender Musik unterlegt. Insgesamt orientiert sich „To Kill with Intrigue“ was die Gestaltung der Sets oder auch die Kostüme betrifft mehr am aufwendigeren Swordsplayfilm, als an billiger Eastern-Massenware. Als Störfaktor erweist sich allerdings der etwas an den Haaren herbeigezogene Mystery-Einschlag, was insbesondere beim ersten Auftauchen der Killerbienen deutlich wird.

Humor ist wie in fast allen Lo Wei Filmen auch hier ein Fremdwort, weshalb die Besetzung von Jackie Chan eigentlich immer unpassend oder aufgesetzt wirkte. Nur selten konnte er ernsten Rollen wirklich Format verleihen, entweder fehlte es an der notwendigen Motivation oder schauspielerischen Können um glaubhaft zu wirken. In „To Kill with Intrigue“ spielt Chan wiedermal einen sehr ernsten Part, ohne auch nur einmal mit Gags und Situationskomik in Berührung zu kommen. Seine Perfomance ist solide, aber einseitig. Wildes Gestikulieren und Mimische Verrenkungen sucht man jedenfalls vergebens.

Auch für den Actionfan wird einiges geboten, jedenfalls wenn man klassisches Kung Fu mag. Jackie empfiehlt sich hier schon für spätere Rollen, auch wenn man einen eigenen Stil hier noch vergebens sucht. Die Kampfszenen sind trotzdem als überdurchschnittlich zu bezeichnen und abwechslungsreich gestaltet. Dennoch hält sich Lo Wei strikt an die Konventionen klassischer Kung Fu Action, ohne dabei auch eigene Ideen oder die seines Hauptdarstellers einzubeziehen. Seine Vorstellung von Action mit halsbrecherische Stunts und verrückte Kung Fu Stil-Kreationen konnte Jackie dann ein Jahr später verwirklichen, als er auch in die gestalterischen Verwirklichung seiner Filme einbezogen wurde.

Fazit:
 „To Kill with Intrigue“ kann man als passablen Kung Fu Film und als weiteres Lehrstück für Jackie Chan verbuchen, sein wahres Talent offenbart sich hier allerdings noch nicht. Die darstellerische Leistung und die filmische Gestaltung ist durchaus angenehm, dennoch fehlt die persönliche Note und der besondere Charme den man für gewöhnlich mit Jackie Chan verbindet. Für Fans, die sich gern auch der frühen Laufbahn des Action-Superstars widmen, ist dieser Film aber durchaus zu empfehlen, da er neben Dragon Hero zu seinem besten Werk aus der gemeinsamen Zeit mit Lo Wei gehört.

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