Der amerikanische Science-Fiction Flick „Skyline" spaltete vor inzwischen auch schon wieder acht Jahren die Gemüter der Gemeinde. Für die knappe Mehrheit der Genrefreunde war er eher zu kurz (und nicht weiter) denkender Murks, der nicht so recht wusste, was er eigentlich wollte - die andere Hälfte fand Gefallen an den teilnahmslosen Fremden mit ihren blauen Lampen, die Menschen wie Staubsauger in ihr Raumschiff sogen, um sie dann zu irgendwas Bösem zu kneten. Na, offenbar fanden sich insgesamt wohl doch genug Anhänger des Fantastischen, denn jetzt, viele Jahre später, wird der zweite Teil jenseits der Skyline nachgereicht. Und der Film lässt sich auch zu Beginn an wie ein zwar preiswertes, aber veritables Sequel. Jedoch nur kurz. Denn nach etwa zwanzig Minuten Spielzeit beißt der tollwütige Affe zu.
Die blauen Lichter leuchten ohne weitere Verzögerung gleich eingangs über der Stadt der Engel, und Menschen fliegen zu Tausenden gen Himmel. Auch die hier vorgestellten völlig neuen Protagonisten haben ihre liebe Müh‘, sich der magnetischen Anziehungskraft der schwebenden Dinger zu erwehren. Mehr schlecht als recht gelingt ihnen das auch eine Zeitlang, nur jedoch, um dann doch im Schlund des überdimensionierten Vorwerks zu landen. Allerdings bei vollem Bewusstsein und mit einer Stinkwut im Bauch. Ein paar Kraxel- und Sparringeinlagen später ist das Schiff dann um den halben Globus verrutscht, denn als man ausgespuckt wird, landet man etwas unsanft im Dschungel Südostasiens. Direkt vor den Füßen zweier Kampfsport-Asse (die bekannten Iko Uwais [„The Raid"] und Yayan Ruhian [„The Raid"]), mit denen man fortan gemeinsam den sich plötzlich dumm stellenden Aliens auf die Rübe gibt. Die wiederum haben inzwischen ihre Waffen dankenswerterweise ausgetauscht und nehmen die handgreifliche Herausforderung der internationalen Truppe in Sachen Karate-Turnier an. Binnen Kurzem fliegt vor dem mit offenem Mund staunenden Zuschauer hier ein Alien-Arm durchs Bild und wird dort ein Menschen-Bein kaputt geknickt, und überhaupt gewinnt der Schlagschatten Bruce Lees bald so Kontur, dass von blauem Licht keine Rede mehr ist.
„Beyond Skyline" - da trifft Marvel den Pacific Rim und Chuck Norris schaut bei „V - Die Außerirdischen" vorbei. Überall werden Ideen stibitzt und zu einer wilden Mischung an Filmischem vermengt. Man macht gernegroß auf Hollywood und schafft es tatsächlich, sich qualitativ zu den „Transformers" zu gesellen. Ob der Stuss sein muss, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Doch während man als Zuschauer so darüber nachgrübelt, was der ganze Käse soll, der hier wie halb vergammelt stinkt, ertappt man sich ganz schleichend dabei, sogar ein kleinwenig Respekt zu zollen. Denn welcher Filmfritze mit Zukunftsambitionen traut sich schon, ein Budget von 15 Millionen Dollar so amphetaminfreudig auf den eigenen Kopf zu hauen?! Für eine solch beknackte Story!! Chapeau wer's tut.
Also bitte Vorsicht! Denn eines ist „Beyond Skyline" nicht: eine stimmige Fortsetzung zum Genre-Film „Skyline". Der vom Prinzip an „From Dusk Till Dawn" erinnernde Science-Fiction-Asia-Kampfsport-Mix ist, hart rangenommen, allenfalls ziemlich teurer Trash. Dabei ist er, ganz nach Bierlaune, jedoch erstaunlich unterhaltsam - sofern man nicht etwa daran Anstoß nimmt, dass die Geschichte irgendwo zwischen naiv, wachkomatös und hirntot mäandert. Von Taekwondo-Aliens bis zum zufällig vor Ort greifbaren visionären Wissenschaftler im Dschungel, der einsiedlerisch in seinem Hobby-Mini-Bio-Labor Viren studiert und Gene mutiert, entspringt hier alles kindlichem Gemüt. Spätestens also wenn die blauen Lichter ausgehen, leuchtet hier gar nichts mehr. Muss aber auch nicht. Denn auch Grindhouse-Kino und Billigfilm finden ihre lieben Abnehmer. Und das ist überhaupt nicht abfällig, sondern in der Tat als anerkennendes Schulterklopfen gemeint.
Also alles soweit ungeniert, was hier passiert. Und wenn - ohne zu viel zu verraten - ganz am Schluss der „Horror"-Film endlich endgültig zur Beinahe-Komödie gekippt ist (merklich auch dann an den im Abspann nervenden bloopers), setzt man, Asien im Rücken, die Sternlein vor sich, Buddha die Krone auf. Und ob Blaulicht oder nicht, da kommt jede Hilfe zu spät.