Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned, heilige Scheiße, was für ein verflucht geiler Titel! Gibt es da draußen Menschen, die diesen Titel lesen (Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned, zur Erinnerung) und den sich dahinter verbergenden Film nicht sehen wollen, noch dazu, wenn die erhältliche DVD solch ein nettes Cover ziert? Hmmm, vermutlich gibt es die. Es gibt ja auch Leute, die Geld dafür bezahlen, sich einen Michael Bay-Film im Kino ansehen zu dürfen, also gibt es bestimmt auch Leute, die Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned nicht sehen möchten. Ich gehöre jedenfalls nicht zu dieser Gruppe, ich will Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned sehen, am besten jetzt, gleich, sofort. Und wenn sich der Streifen als größte Gurke ever entpuppen sollte, so what? Die paar Euro sind mir der Spaß wert. [...] Ein knapper Monat später. Endlich wurde mein Briefkasten mit der US-DVD des in Philadelphia gedrehten Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned gefüttert. Damit steht einer Sichtung nichts mehr im Wege. Mal sehen, was der Film kann.
Daisy Derkins (Susanna D'Arcy) ist eine College-Studentin und somit knapp bei Kasse. Um ein paar Kröten in das Portemonnaie zu spülen, nimmt sie einen Job als Hundesitterin an. Leicht verdiente Kohle, sollte der Job doch einfach und streßfrei zu erledigen sein. Silas Killington (Mark Mackner), der in eine schwarze Kutte gekleidete Hausherr des alten, geschichtsträchtigen Anwesens (keine gute Geschichte, sondern Hexenhinrichtungen und dergleichen), in welchem sie dessen Hund Mookie die Vollmondnacht über beaufsichtigen soll, benimmt sich zwar äußerst exzentrisch, läßt ihr aber freie Hand und hat auch nichts dagegen, daß sie ein paar Freunde einlädt, um die langweiligen Stunden etwas zu verkürzen. Da Mookie weit und breit nicht zu sehen ist und sich noch dazu verdächtig ruhig verhält, kann die Party gleich beginnen, und wenig später trudeln ihre Freundinnen Misty (Tanya Erin Paoli) und Kristy (Christine Fisler) auch schon ein. Der Alkohol beginnt zu fließen, der Pot zu rauchen, man hat Spaß. Bis seltsames Gelächter die Frauen beunruhigt.
Flugs holt man sich Verstärkung in Form von Delia Anguish (Annamarie Ruggiero), die Hostess einer TV-Mystery-Show und nicht nur Expertin für unerklärliche Phänomene, sondern gleichzeitig auch ein populäres Model, die auch prompt mit ihren beiden Mitarbeitern Jason (J.D. Korejko) und Freddy (Mark Mackner) antanzt. Wie es das Drehbuch so will, ist vor kurzem der geistesgestörte Serienkiller Lance Nervosa (James Christopher Black) aus der Irrenanstalt entkommen und crasht die Party, nachdem er mal eben eine Vierer-Frauen-WG mit bloßen Händen ausgelöscht hat. Damit nicht genug beginnt auch noch Daisys Bekanntschaft Eddie (Doug Layne) zu nerven. Der Typ hat sich in Daisy verknallt und will nicht wahrhaben, daß das erste Date auch das letzte gewesen sein soll. Langsam aber sicher beginnt es in dem Haus richtig rundzugehen. Spätestens als auch noch der rachsüchtige Geist einer Hexe, ein liebestoller Wendigo und natürlich Mookie (aka Zerberus) auftauchen, ist die Kacke endgültig am Dampfen.
Puh! Ich muß zugeben, daß mir selten ein Film untergekommen ist, der so schwierig einzuordnen ist wie Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned. Das hängt wohl auch damit zusammen, daß ich einige Zeit brauchte, um mich mit dem angeblich fünfhundert Dollar billigen Streifen anzufreunden. Die unbeholfene Einführung der Charaktere bereitete mir zum Beispiel Probleme, da ich in dieser beliebigen Aneinanderreihung von Szenen keinen rechten roten Faden finden konnte. Es dauert, bis sich so etwas wie eine "Handlung" herauskristallisiert und man erkennen kann, wie die Figuren zusammenhängen. Vielleicht ist es aber auch dem gleichermaßen coolen wie kühlen Stil zuzuschreiben (der gesamte Film ist, von einer kleinen Ausnahme abgesehen, in kontraststarkem Schwarzweiß), daß ich mit diesem Flick nicht gleich warm wurde. Aber so nach etwa fünfundzwanzig Minuten, nach dem Kurzauftritt des mexikanischen Wrestlers El Gaucho (Doug Layne), kommt Schwung in die Sache, der bis zum Ende der vierundsiebzig Minuten anhält. An originellen Ideen herrscht hier jedenfalls kein Mangel.
Wenn man sich die Danksagungen am Ende des Abspanns zu Gemüte führt, sollte klar sein, woher hier der Wind weht bzw. was der am 30. September 1977 geborene Mark Mackner mit seinem Film beabsichtigt hat. Dort finden nämlich, unter anderem, so illustre Namen wie John Waters, Ishirô Honda, Ray Harryhausen, Andy Warhol, Tex Avery, Lloyd Kaufman, Russ Meyer und Edward D. Wood Jr. Erwähnung. Besonders den letzten zwei Herrschaften wird Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned mehr als gerecht. Der Look sowie die selbstbewußt gezeichneten, gut gebauten Frauen erinnern stark an die frühen Russ Meyer-Werke, ganz besonders Faster, Pussycat! Kill! Kill!, und die Umsetzung erfolgte ganz im enthusiastisch-liebenswerten Ed Wood-Spirit (siehe z. B. Bride of the Monster oder Plan 9 from Outer Space). Mit dem Unterschied natürlich, daß Mackner seinen Film bewußt so gestaltete, während Meister Wood seine Sachen eher so passiert sind, obwohl dem Träumer etwas gänzlich anderes vorschwebte.
Aber das spielt keine große Rolle, da diese leckere Mischung aus Schlock, Camp, Exploitation, Monster-Movie, Arthouse, Komödie und Trash sehr sympathisch und charmant daherkommt, und je länger der überaus dialoglastige Streifen dauert, desto charmanter und vergnüglicher wird er. Von mir aus hätte das bunte Treiben gut und gerne noch eine halbe Stunde so weitergehen können. Die Schauspieler, allen voran Susanna D'Arcy als Daisy Derkins, scheinen mit Spaß bei der Sache gewesen zu sein und legen sich ordentlich ins Zeug, wobei in den Dialogen das F-Wort ausgiebig zum Zug kommt. Der coole Schwarzweiß-Look gefällt, die surreal-schräge Atmosphäre ist ganz, ganz, ganz seltsam, die Musik ist dufte (auf der Tonspur erklingen einige Punk/Rock-Songs, beginnend mit dem Titellied Daisy Kicks Ass von Cedric Crouch) und die Effekte sind extra-trashig. Der Stop-Motion-Zerberus, nur wenige Sekunden zu sehen, ist ein Heuler, der Wendigo wird vom Regisseur im Kostüm "gespielt", und die blutigen Momente sind kaum der Rede wert. Und trotzdem, mir hat Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned, die anfänglichen Probleme mal außen vor gelassen, sehr gut gefallen.
Bereits lange vor Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned, nämlich 2008, tauchte die coole Hundesitterin in einem zehnminütigen, von Mark Mackner inszenierten Kurzfilm mit gleichem Namen erstmals auf, welcher 2009 noch mal überarbeitet und erweitert wurde. Der Short ist zwar recht nett, taugt aber nur als Aperitif für die Verfilmung von 2013. Mit Daisy Derkins vs. The Bloodthirsty Beast of Barren Pines! (2013) entstand im Anschluß ein Sequel, welches aber meines Wissens bislang noch nicht veröffentlicht wurde. Wie immer man zu Daisy Derkins, Dogsitter of the Damned stehen mag, ob man ihn gut oder schlecht, langweilig oder unterhaltsam, behindert oder originell findet, dreierlei kann man dem schrägen Streifen kaum absprechen. Trotz der Verbeugungen vor diversen Kultregisseuren ist der Film eigenständig, die Leidenschaft der Macher ist deutlich spürbar, und das Ergebnis ist amüsant-verrückter Unfug der ganz groben aber sehr sympathischen Sorte. Für wagemutige Freunde des amerikanischen Underground-Kinos kann ich somit eine klare Empfehlung aussprechen.