Review

Staffel 4.2 - 9/10

Staffel 4.2


Jäger der verlorenen Liebe

Es gibt für Netflix scheinbar viele Gründe, eine Serienstaffel zu teilen. Das machen und versuchen sie ja öfters. Dehnung des Hypes, Streckung des Publikumsinteresses, Finalisierung des Produkts (z.B. Effekte), Schaffung neuer Cliffhanger. Dennoch habe ich persönlich diese Methode nicht allzu gerne und finde sie oft auch antiklimaktisch. Nach einem Monat Wartezeit kommen nun also die beiden letzten (überlangen) Episoden der vierten (wahrscheinlich vorletzten) Staffel „Stranger Things“. Nun ist klar wer Vecna wirklich ist, wie seine Verbindung zu Eleven ist und Hawkins macht sich bereit für den Anfang vom Ende, den finalen Showdown gegen eine dunkle Macht, die nach nicht weniger als der Weltherrschaft und Auslöschung der Menschheit wie wir sie kennen strebt…

Bei satten vier Stunden Laufzeit hat es dieser Showdown schon verdient einzeln besprochen und bewertet zu werden. Dennoch fällt meine Bilanz zu ihm nicht wirklich anders aus, als für die vorangegangenen sieben Folgen dieses Jahrgangs. Deswegen verstehe und mag ich die Splittung noch weniger. Es ist einfach die Kulmination und Zusammenführung der bisherigen Ereignisse, nichts Abtrennbares oder Eigenständiges. Aber gut, wie dem auch sei. Highlights der Folgen „Papa“ und „The Piggyback“ sind ganz klar Elfies krachende Machtdemonstration an einem Militärhelikopter, die Red Dawn'ige Militärisierung unserer Clique als Vorbereitung auf die finale Konfrontation mit „One“, der Soundtrack (wie immer; hier: CCR, „Seperate Ways“), vor allem Eddies episches Gitarrensolo („Master of Puppets“), und Hoppers scharfe Nutzung eines He-Man-Gedächtnisschwertes. Außerdem hat man das erste Mal seit Langem endlich wieder das Gefühl, dass es auch eine unserer Hauptfiguren nun heftiger und endgültiger treffen könnte als zuvor. Immer gut die Fallhöhe und Stakes zu spüren. Ganz wird man den Gedanken aber nicht los, die finalen Bilder schon öfters von „Stranger Things“ gesehen zu haben und das es mit der fünften Staffel aber nun mal wirklich zu einem würdigen Endpunkt kommen muss. Dann hätte „Stranger Things“ für mich auch noch nicht seinen Zenit überschritten und wäre zu lange geblieben. Hoffen wir auf's Beste und keinen weiteren Stretch auf Monate, Jahre, Staffeln und Parts… Noch haben es „Stranger Things“ und die Duffer-Brüder für mich selbst in der Hand als runde Sache und Netflixlegende abzutreten. Und dann wäre die Serie sicher auch einer meiner heißesten Kandidaten, mir irgendwann eine (4K-)Blu-Ray-Komplettbox zu holen/importieren.

Fazit: das fast vierstündige Staffelfinale ist spektakulär, kraftvoll und auf höchstem Kinoniveau (der 80er). „Red Dawn“ trifft „Carrie“ trifft He-Man trifft Krueger. Aber insgesamt, durch seine besonderen Figuren, die man in vielerlei Hinsicht wachsen hat sehen, entscheidend mehr als nur Hommage und Retroknaller. Demnächst aber bitte am Stück! (9/10)

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