Sympathy for the Heroin Dealer.
Schleppend fängt der Film an. Zuerst gibt es einen wichtigen, aber unnötig in die Länge gezogenen Vorspann. Dann folgen quälend langweilige vier Minuten mit den Linernotes. Der eigentliche Film beginnt dann mit einem vollkommen unglaubwürdigen Heroinjunkie, der sich viel zu gewählt ausdrücken kann und von einem gutaussehenden Mann (Edward Norton) Stoff kaufen will.
Dann fängt sich der Film glücklicherweise. Er verlässt die Drogenszenerie und wir erfahren, dass der Hauptdarsteller Monty (Norton) - trotz 17-jähriger Karriere als Dealer ganz normale Freunde hat. Die beiden Besten sind: Jacob (ganz großartig Philip Seymour Hoffman), ein schüchterner Highshool-Lehrer und Slaughtery (Barry Pepper), ein erfolgreicher Broker. Mit ihnen möchte er seinen letzten Abend in Freiheit verbringen, bevor er für sieben Jahre ins Gefängnis muss. Zuvor hat die Polizei bei ihm ein Kilo Heroin gefunden und Drogengeld – das war sein Eigentum.
Der Hauptdarsteller ist also ein Heroindealer –ein Job wie jeder andere? – jetzt hat er Pech gehabt. Seine schöne Freundin, seine teure Eigentumswohnung und sein dickes Auto - All das wird er in Zukunft nicht mehr haben und er weiß noch nicht mal, wer ihn verraten hat.
So viel zum Hauptdarsteller, den Edvard Norton stets sympathisch und vielleicht eine Spur zu sauber spielt. Denn Monty ist nicht süchtig und stets beherrscht, hat zivilisierte Umgangsformen und ist intelligent – also nicht unbedingt der typische Dealertyp.
Besser getroffen sind seine beiden Kumpels. Herausragend spielt Hoffman, der natürlich hässlich wie immer ist und diesmal einen Lehrer spielt, der sich von einer Schülerin angezogen fühlt. Nicht so gut in der Darstellung dafür aber faszinierend in der angelegten Rolle ist der Broker Slaughtery. Er erfasst Situationen stets schneller als alle anderen – und weiß dementsprechend auch, dass sein Freund Monty nicht nur für sieben Jahre, sondern für immer weg sein wird.
Tatsächlich sind die Dialoge mit Slaughtery das Beste am Film. Ansonsten muss man sich doch etwas über das gesunde Umfeld von Dealer Monty wundern. Seine Mutter ist zwar früh verstorben, aber sein Vater liebt ihn, seine Freunde schätzen ihn, seine Freundin ist eine Naturschönheit. – Ja, dass der arme Junge jetzt in den Knast soll ist das eigentlich ungerecht?
Hm, hätte er an reiche Leute auf Party Koks verkauft und damit zumindest etwas sichergestellt, dass die Leute damit umgehen können (was natürlich auch quatsch ist) – tja, dann hätte man vielleicht Mitleid mit ihm haben können.
Aber so ist das nicht. Monty ist ein Heroin-Dealer und hat seinen Kunden jahrelang den Tod auf Raten verkauft. Dadurch hat er mitgeholfen die Kriminalitätsrate durch Beschaffungskriminalität hochzutreiben und mitgeholfen zahlreiche Existenzen, Beziehungen und Familien zu zerstören. Aber selbst nach seinem Auffliegen denkt er nicht darüber nach, sondern ausschließlich an sich und seinen schmerzhaften Abschied vom gewohnten Leben.
Er muss jetzt in den Knast. Schön wird es da sicher nicht sein – aber das Dealen verboten ist dürfte er gewusst haben.
Dass jetzt alle traurig über sein Auffliegen sind, ist eine etwas zu einsichtige Sichtweise. Vollständiger und besser wäre der Film gewesen, wenn Regisseur Spike Lee auch die Schattenseite des Heroindealens gezeigt hätte. Immerhin scheut davor auch der beste Film zum Thema „Trainspotting“ nicht zurück. Aber so wie es hier gezeigt wird, ist Heroin dealen ein Kavaliersdelikt.
So viel zur inhaltlichen Kritik. In der Umsetzung stören zudem die uneinheitlichen Atmosphären und der bemühte Schnitt. Sorgfalt hat Spike Lee beim Zusammenschneiden der Szenen nicht bewiesen. Der Film ist dadurch stellenweise unschlüssig und langweilig. Gut sind allerdings Darsteller und Dialoge.