„25 Stunden“ ist einer jener Filme, welche einen von der ersten Minute an in den Bann ziehen und einen hinterher in Gedanken versunken wieder entlassen. Selten habe ich bisher einen Film sehen dürfen, welcher mit einer derartigen Intensität und Realitätsnähe ein Thema behandelt, welches auf den ersten Blick alltäglich erscheint. Doch mit welchen Problemen ein letzter Tag vor Antritt einer Haft oder allgemein des „Auf Wiedersehen“ – Sagens behaftet ist, konnte wohl erst durch diesen, von Spike Lee mehr als Eindrucksvoll inszenierten, Film den meisten nahegebracht werden.
In erster Linie lebt „25 Stunden“ von seiner intensiven Erzählweise, welche durch nahezu perfekte Dialoge ergänzt werden. Man ist vom ersten Moment an wie gefangen und kann voll und ganz in die einzelnen Schicksale der dargestellten Charaktere eintauchen. Die Atmosphärische Dichte New Yorks und der darin spielenden Handlung wirkt schon fast bedrückend echt. Auf die Einzelschicksale der Hauptcharaktere wird genau im richtigen Umfang eingegangen und das wichtigste optimal ausgeleuchtet – nicht zuviel und nicht zu wenig. Gekonnt vermittelt „25 Stunden“ die damit verbundenen Probleme aus der Sicht der einzelnen betroffenen Personen und lässt zum Ende hin der Phantasie des Zuschauers freien Lauf – es bleibt jedem Betrachter selbst überlassen welches Ende er dem Film geben mag.
Spätestens nach dieser Meisterleistung steht es für mich außer Frage dass Edward Norton eines Tages ein ganz großer Hollywoods werden wird. Nur wenigen bleibt es vorbehalten, einem Film mit ihrer wirklich überzeugenden Art und Weise derart den Stempel aufzudrücken. Spätestens seit „American History X“ und „Fight Club“ dürfte man ihn ohnehin zu größten Darstellern der etwas jüngeren Generation gezählt haben. Ich würde sogar soweit gehen, dass er eines Tages den Status einen Robert deNiro oder Al Pacino einnehmen könnte. Mit dieser Meisterleistung ist er jedenfalls auf dem besten Wege. Keineswegs schmälern soll dies jedoch die Darstellung der weitere Charaktere, wie z.B. durch Philipp Seymour Hoffmann („Der talentierte Mr. Ripley“, „The Big Lebowski“), welcher unmittelbar nach „25 Stunden“ ja erneut neben Edward Norton in „Roter Drache“ zu sehen war. Auch Barry Pepper („“Wir waren Helden“, „Der Soldat James Ryan“) und natürlich die hübsche Rosaria Dawson („Men in Black II“) machen ihre Sache sehr gut.
Der Film hat weder Höhe noch Tiefen, sondern bewegt sich stets auf einem sehr hohen Niveau und einem außergewöhnlichem Unterhaltungslevel. Alleine schon die Szene als Ed Norton sich in der Toilette dem eigenen Spiegelbild gegenüber steht und in diesem Fall mit allem und jedem und das Spiegelbild mit ihm abrechnet ist aller Bewunderung Wert und verdient allergrößten Respekt vor Spike Lee („Inside Man“) und Ed Norton. Die Rückblicke innerhalb des Filmes geben dem Betrachter die nötigen Informationen um sich ein Bild darüber verschaffen zu können wie es in dem kurz der Haft stehendem Monty Gefühlsmäßig arbeitet. Manch einem Zuschauer mag es teilweise schwer fallen, einige seiner Handlungsweisen nachvollziehen zu können, dürften aber wohl mehr als nur aus dem Leben gegriffen sein. Unterstrichen wird das ganze natürlich noch von einem gutem, zum Teil auch dramatischen Soundtrack und den natürlich hervorragenden Bildern New Yorks bzw. Manhattan. Des weiteren muss man „25 Stunden“ zu gute halten, dass er sich zu keinem Zeitpunkt irgendwelcher Klischees bedient, das Rad aber auch nicht neu erfindet. Besser inszenieren hätte man es wohl nicht können, als es Spike Lee hier Eindrucksvoll getan hat.
Alles in allem ist "25 Stunden" ein Film der sehr nachdenklich stimmt und mit Nachdruck sehr gekonnt vermittelt wie das Schicksal eines einzelnen sich auf verschieden Personen auswirken kann. Spike Lee ist mit einem brillant agierendem Edward Norton hierbei ein wahres Meisterwerk gelungen, das durch eine großartige Atmosphäre, gute Bilder und nahezu perfekt agierende Darsteller in jeder Weise überzeugen kann.