Spike Lee bleibt seinem Credo treu und liefert mit „25 Stunden“ (the 25th Hour) mal wieder einen Film ab, der den Puls der Zeit beschreibt und die jeweiligen Stimmungslagen und Gefühle über seine Hauptfiguren offenbart, wie er es schon in Filmen wie „Jungle Fever“ oder „Summer of Sam“ eindrucksvoll vorgeführt hat.
Es geht um den Drogendealer Monty (Edward Norton), welcher verraten, verhaftet und zu sieben Jahren verurteilt worden ist, und nun seine letzten 25 Stunden vor Antritt der Strafe durchzustehen hat. In dieser Zeit muß er Frieden mit sich selbst, seinem Vater und seinen Freunden schließen, sein bisheriges Leben reflektieren, herausfinden wer ihn verpfiffen hat und sich über die unsichere Zukunft im Gefängnis Gedanken machen, denn einer wie er würde vermutlich in einer solchen Umgebung zerbrechen...
Hat ihn seine Freundin verraten? Glaubt die Mafia, er würde sie eher verraten als in den Knast zu gehen? Was bedeuten ihm seine besten Freunde (Phillip S.Hoffmann und Barry Pepper) wirklich, und inwieweit kann er sich auf sie verlassen? Diesen Fragen muß er nun nachgehen – und die Zeit läuft ihm davon...
Neben den absolut großartigen Schauspielern (von Norton, über P.S.Hoffmann, Pepper, Rosario Dawson und Anna Paquin, bis hin zum immer großartigen Brian Cox) ist es vor allem die Grundstimmung, die „25 Stunden“ zu einem herausragenden Film macht, denn Spike Lee hat den Film (nach einem Roman von David Benioff) im New York nach den Anschlägen vom 11.September spielen lassen – wie bei seiner Hauptfigur dominiert insgesamt die Atmosphäre der Unsicherheit, Angst und Veränderung das Geschehen in der Metropole.
Die traurige und harte Erkenntnis, wie abrupt sich das Leben von einer Minute zur anderen verändern kann, spiegelt sich in allen Handlungsfacetten wieder – alles ist irgendwie von eigenen Entscheidungen abhängig, und das zeigt Lee in einer imposanten Traum-Sequenz gegen Ende des Films, in welcher Montys Leben aufgezeigt wird, sollte er nicht seine Strafe antreten, einfach flüchten und irgendwo unerkannt ein neues Leben beginnen.
Diese Szenen, wie auch die des Ground Zero, bleiben einem noch lange in Erinnerung...
Man fühlt mit den Figuren, versucht sich in ihre Lage zu versetzen – so muß Kino sein, also nachhaltig und bewegend, so wie der Springsteen-Song im Abspann.
Ohne viel Tempo und Spannung werden hier echte Menschen mit Fehlern und Aengsten aufgezeigt, wobei der Film aber trotzdem stilvoll inszeniert ist und mit einigen wohl dosierten Kamera-Spielchen aufwartet.
Einziges Manko in meinen Augen: Ohne den Stimmungs-Kontext des 11.Septembers wäre der Film schwächer, die Geschichte an sich ärmer – trotzdem wurde sie diesen (tragischen) Gegebenheiten angepasst und kann in diesem Kontext auch bestehen.
Fazit:
Ein stimmungsvoller, großartig inszenierter und gespielter Film. Absolut empfehlenswert, nicht nur für reine Cineasten oder Spike-Lee-Fans. 9 von 10