Monty hatte eigentlich nie ein schlechtes Leben. Er war Sohn eines mittelständischen New Yorkers, musste in keinem Ghetto leben und bekam sogar ein Stipendium für eine gute Schule. Doch trotzdem begann er, Drogen zu verkaufen und wuchs zu einem bekannten Dealer heran. Nicht durch Härte und Skrupellosigkeit arbeitete er sich hoch, sondern mit geistigem Geschick, Cleverness.
Doch eines Tages, als er sich mit seiner Geliebten, einer Puerto-Ricanerin, einen schönen Tag machte, kam die DEA und fand sein Drogenversteck. Jemand hatte ihn verraten, aber nun war es gelaufen und es stand fest, dass er sehr lange ins Gefängnis muss.
Dem letzten Tag seines Lebens in Freiheit widmet sich der Film "25 Stunden". Dabei erfährt Monty etwas über den Verräter (War es seine Freundin, oder jemand von der Mafia, mit der er zusammenarbeitete?) und gerät in seelischen Konflikt mit sich selbst und seinen alten, wahren Freunden aus der Schule.
Viele Dinge will Monty noch erledigen: Er besucht seinen Vater, trifft seine beiden alten Freunde, der eine ein verklemmter Lehrer, der andere ein draufgängerischer Börsianer und feiert mit ihnen eine große Abschiedsparty, organisiert von der Mafia.
Doch es wird keineswegs nur ein lustiges Besäufnis, denn Vorwürfe und Angst machen sich breit. Monty weiß, dass er als "braves Bürschchen" im Knast schlechte Karten hat. Außerdem fragt er sich, woran es lag, dass es so weit kommen musste. Er kommt zu dem Schluss, dass es nicht an irgendwelchen schlechten Verhältnissen, Missständen gelegen hatte, sondern ganz allein an ihm, und er somit seine Strafe verdient hat. Auch seine Freunde machen sich Vorwürfe, die ganze Zeit tatenlos mitangesehen zu haben, wie Monty immer krimineller wurde. Hinzu kommt, dass Montys Liebe zu seiner Freundin an dem letzten Abend in Gefahr gerät, da er sich nicht sicher ist, ob sie ihn nicht vielleicht verraten hatte.
Im Großen und ganzen passiert viel an jenem bedeutsamen Abend, der von Vorwürfen und Furcht geplagte Monty scheint geläutert. Mit melancholischer Stimmung kommt schließlich der nächste Morgen, wo er dann von seinem Freund, dem Börsianer einen Gefallen verlangt: Er soll ihn auf den Knast vorbereiten und ihn blutig schlagen. Wie eine vorzeitige Buße, Strafe und Bereinigung alter Rechnungen passiert dann genau das und man beginnt sich zu fragen, warum so ein Mensch eigentlich noch so lange (7 Jahre!) ins Gefängis muss, wenn er sich doch eigentlich bereits seiner Schuld bewusst ist und Buße getan hat. Sicherlich ist dahingehend das amerikanische Rechtssystem der starr ausgleichenden Gerechtigkeit etwas fehl.
Nachdenklich und traurig schließt der Film dann, als Monty mit seinem Vater die Fahrt zum Gefängnis antritt. Seine Schwellungen und Wunden im Gesicht spiegeln sein Inneres wider. In dem wirklich genialen Schluss wird dann auch mit allen "Land of the free"-Klischees aufgeräumt und ein adäquates Bild vom Amerika der Gegenwart komplettiert, das sich zwar durch ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl und eine Versöhnung auszeichnet (z.B. mit den öfter auftretenden Flaggen und den pathetischen Ansätzen im Soundtrack), allerdings nicht die falschen Western- und "American Dream"-Mythen voll übertriebenem Individualismus wiederkäut. Solche Filme braucht das Land, dass durch seine nach außen gezeigte Ideologie und Politik und deren Folgen (11. September) mehr und mehr in eine innere Krise geraten ist.
Alles in Allem ist "25 Stunden" ein schöner Film über Schuld und Läuterung, und auch ein ehrliches Porträt vom "land of the free". Realistisch, nicht kitschig verzerrt, von Anfang bis Ende bewegend, wenn auch gelegentlich ein klein wenig zu langwierig inszeniert. 9/10.