Noemie Schmidt spielt die junge Constance, die nicht den Rest ihres Lebens auf dem Marktstand ihres Vaters Lebensmittel verkaufen will und deshalb in Paris studieren möchte. Da der Wohnungsmarkt nicht viel hergibt, erst recht nichts Bezahlbares, zieht sie beim grimmigen Monsieur Henri als Untermieterin ein. Dessen Sohn, gespielt von Guillaume de Tonquedec, möchte, dass der greise Vater nicht allein lebt. Der Alte wiederum ist mit seiner Schwiegertochter unzufrieden und bittet die neue, attraktive Untermieterin, die Treue seines Sohnes auszutesten und die Beziehung damit zum Scheitern zu bringen. Da sie sonst auf der Straße landen würde, stimmt Constance zu.
Wie „Ziemlich beste Freunde“, „Willkommen bei den Sch`tis“ oder „Monsieur Claude und seine Töchter“ in den letzten Jahren gezeigt haben, sind französische Komödien nicht nur im eigenen Land, das ohnehin kaum stolzer auf die heimische Filmindustrie sein könnte, sondern auch international sehr gefragt. Diesem Trend dürfte es zu verdanken sein, dass nun auch „Frühstück bei Monsieur Henri“ in deutschen Kinos zu sehen ist. Der Film basiert auf dem gleichnamigen, überaus erfolgreichen Theaterstück, das Ivan Calberac verfasst und nun für die Leinwand adaptiert hat. Damit ist ihm, trotz der einen oder anderen Unwucht, eine durchaus sehenswerte Komödie gelungen.
„Frühstück bei Monsieur Henri“ erfindet das Rad zwar nicht neu, erzählt vom Aufeinandertreffen eines alten Grantlers mit einer jungen, schlagfertigen Studentin und von der Annäherung der beiden, doch die Geschichte zündet dennoch. Das ist zum einen den vor allem am Anfang sehr witzigen Dialogen geschuldet, dem trockenen Humor von Claude Brasseur, der auch den zynischsten Kommentar in sympathischer Manier und ohne bittere Ironie serviert, aber auch dem zügigen Tempo. Dass der Film im weiteren Verlauf nicht an Fahrt verliert, ist den zahlreichen witzigen Peinlichkeiten, die sich aus den Verführungsversuchen der Studentin gegenüber dem Sohn ihres Vermieters ergeben, zu verdanken, aber auch der überzeugenden Darbietung der bezaubernden Noemie Schmidt, die ein gelungenes Spielfilmdebüt abliefert. Vor allem in der zweiten Filmhälfte, in der sich der Fokus auf ihr Scheitern in der Uni, ihre Gewissensbisse wegen des schmutzigen Deals mit dem alten Mann und ihre ungewisse Zukunft verschiebt und der Film an Witz verliert, ist ihre Figur der emotionale Motor.
Trotz des anfänglichen Kurzweils und der sympathischen Figuren ist Calberac mit der Verfilmung seines Theaterstücks aber auch nicht der ganz große Wurf gelungen. Sein schwerwiegendster Fehler besteht darin, dass sich „Frühstück bei Monsieur Henri“ in der zweiten Filmhälfte ein wenig in seinen einzelnen Handlungsfäden verliert und sich nicht mehr klar auf eine zentrale Geschichte fokussiert. Gern hätte man mehr über das Studium von Constance erfahren, über die Gründe für ihr Scheitern, aber der Film widmet sich immer mehr dem Sohn des Vermieters und dessen Frau, bei denen es sich eigentlich um Nebenfiguren gehandelt hatte. Warum dann auch noch Constance` Arbeitskollege und dessen Trip nach Übersee thematisiert werden, obwohl das überhaupt nichts mit dem eigentlichen Geschehen zu tun hat, ist ebenso fraglich. Dafür wird am Ende Vieles gelungen aufgelöst, wenn auch auf etwas sentimentale Weise.
Fazit:
„Frühstück bei Monsieur Henri“ ist eine insgesamt gelungene Komödie, die trotz aller Klischeehaftigkeit ausgesprochen amüsant startet, mit Witz und Charme besten Kurzweil bietet. Zum Ende hin ist die Handlung dann etwas verfahren, aber die sympathischen Figuren und das gute Darstellerensemble retten den Film über die Ziellinie.
71 %