Viele schätzen es, andere hassen es: Weihnachten im Kreis von Familie und Verwandten.
Diese allseits bekannte Situation bot bereits Zündstoff für die eine oder andere Komödie, in Sachen Horror trauten sich bislang noch nicht allzu viele Regisseure. Autor und Regisseur Craig Anderson geht sogar noch einen Schritt weiter, da er anbei das Thema Schwangerschaftsabbruch thematisiert.
Diane (Dee Wallace) lädt ihre Kinder nebst Partner noch einmal zur weihnachtlichen Familienfeier, bevor das Anwesen verkauft wird und Diane nach Europa reist. Während des Beisammenseins kreuzt der komplett verschleierte und vermummte Cletus auf, der einen Brief an seine Mutter vorliest. Dies bringt Diane in Rage, woraufhin sie den Unbekannten vor die Tür setzt. Doch Cletus lässt sich nicht so einfach abwimmeln und ergreift notfalls tödliche Maßnahmen…
Leider fällt Andersons Slasher nicht übermäßig weihnachtlich aus. Nach der Exposition in einer Abtreibungsklinik ist zwar ein wenig festlicher Glanz auszumachen und während das Familienoberhaupt auf traditionelle Bräuche beharrt und sich erste Zankereien innerhalb der achtköpfigen Sippe ergeben, schwankt die Stimmung zwischen feierlich kitschig und garstigem Zynismus. Doch im Verlauf wird die Umgebung zur Nebensache, die Handlung hätte zu jedem Zeitpunkt im Jahr stattfinden können, zudem sind typisch weihnachtliche Requisiten rar gesät.
Die Figurenzeichnungen fallen weitgehend oberflächlich aus, langen jedoch, um die Hälfte der Familienmitglieder nicht zu mögen, wie das spießige Pfarrerpaar oder die Hochschwangere mit Hang zu Gras und Schnaps. Der jüngste Spross Jerry hat ein Down Syndrom, was indes recht authentisch und nie übertrieben wiedergegeben wird.
Ohnehin: Das Motiv um Behinderungen und Abtreibung verleit dem Treiben phasenweise eine ungewöhnlich sozialkritische Note, obgleich das eigentliche Morden im Mittelteil natürlich nicht zu kurz kommt.
Leider schlachtet Anderson das Szenario nie so recht aus, ab und an wird im Off gestorben, eine Axt in der Stirn, eine Bärenfalle um den Kopf herum, das Hereindrücken in einen Mixer und ein Regenschirm im Schädel sind immerhin handgemacht, jedoch nicht allzu kreativ in Szene gesetzt. Hinzu gesellt sich eine oftmals viel zu hektische Kamera, die phasenweise rein gar keinen Fokus findet, sobald Bewegung ins Spiel kommt. Auch die Farbfilter in Grün und Rot werden zuweilen überstrapaziert und nerven eher, anstatt Atmosphäre zu schüren.
Darstellerisch wird allenfalls Mittelmaß geliefert, auch Dee Wallace performt nicht besser als routiniert. Der Killer schaut zumindest einigermaßen unheimlich aus und auch der Stimme schwingt eine unberechenbare Note mit. Als Cletus allerdings für einen Moment ohne Gesichtsbedeckung zu sehen ist, erscheint die Deformation massiv übertreiben, was dem Schrecken ein wenig die Wirkung entzieht.
Für Weihnachtsmuffel bietet „Red Christmas“ nur bedingt Anlass zum Feiern. Der Slasher ist zwar an Weihnachten angesiedelt, doch von dem anfänglichen Flair bleibt im Verlauf nicht viel übrig. Demgegenüber verhält sich das Kollektiv oftmals selten dämlich, während der Kuttenträger knallhart den Regeln des Genres folgt und mindestens einmal von den Totgeglaubten aufersteht. Bei einer ungeschnittenen Laufzeit von 82 Minuten entsteht zwar kein Leerlauf, Innovationen oder Überraschungen kommen allerdings auch nicht zustande.
5,5 von 10