Im Film „9. April“, der in Deutschland den zwar passenden, aber unnötigen Beititel „Angriff auf Dänemark“ bekommen hat, geht es um eine Gruppe von dänischen Soldaten unter der Leitung von Leutnant Sand. Diese hatte beim Einfall der deutschen Truppen am 9.April 1940 die unmögliche Mission, die deutsche Wehrmacht aufzuhalten.
Man kennt meine Meinung zum dänischen Kino. Das dänische Kino hat sich in den letzten Jahren zu einer meiner Lieblingssparten entwickelt. Nach meiner Sichtung von „A War“ und ein wenig erweiterter Recherche zu Pilou Asbaek und Tobias Lindholm kam ich auf diesen Film und habe mir diesen anschließend für das heimische Kino geholt, da die Grundsituation und der Trailer sehr interessant aussieht. Ich hab mir den Film danach angesehen und wurde bestätigt, dass der Kauf die richtige Entscheidung war.
Es gibt bei Kriegsfilmen bzw. Antikriegsfilmen mittlerweile genug filmische Aufbereitungen von historischen Tatsachen und die unterschiedlichsten Ansichten. Dieser Film präsentiert uns in 93 Minuten eines der wichtigsten Kapitel der dänischen Geschichte während des zweiten Weltkriegs. Dabei beleuchtet der Anfang des Films das tägliche Leben und das Training der dänischen Soldaten, die auch das Flicken von Fahrradschläuchen in Bestzeit erproben wie klassisches Schießtraining. Wir kriegen einen Einblick in die einzelnen Charaktere der Einheit, der wir im Laufe des Films folgen werden. Darüber hinaus lernen wir den Hauptprotagonisten Leutnant Sand kennen, der für den gerüchteweise auftretenden Einfall der Wehrmacht aus dem Urlaub zurück an die Front beordert wird. Gespielt wird er von Pilou Asbaek, der hier einen tollen Job macht. Sein Vorgesetzter Oberstleutnant Hintz, wird von Mads Mikkelsens älterem Bruder Lars gespielt, der in wenigen Szenen ausdrucksstark im Gedächtnis bleibt. Die Darstellungen der Soldaten bleibt dabei immer im nüchteren Ton von Befehlsempfängern, auch wenn man sehr dezent spürt, wie diese Befehle in Frage gestellt werden. Die historische Genauigkeit ist bis auf ein paar Details in der ansonsten großartigen Ausstattung auf den Punkt.
Wer hier einen Kriegsfilm sucht, der lange, actionreiche Schlachten bietet, für den ist dieser Film jedoch nichts. Der Actionanteil ist wohl dosiert und gut gefilmt. Der Fokus liegt hier eher auf den Charakteren und deren Umgang mit gefallenen Kameraden in diesem ungleichen Himmelfahrtskommando für Soldaten, die mit Fahrrädern gegen Panzer kämpfen und den ganzen Film über nur noch den Drang haben zu überleben und auf Verstärkung zu hoffen.
Insgesamt hat mir der Film extrem gut gefallen. Tobias Lindholm hat schon mit seinen Drehbüchern zu „A War“ und „Die Jagd“ für Filme gesorgt, die mir gut gefallen – da ist 9. April keine Ausnahme. Für den Regisseur Roni Ezra ist der Film sein Erstlingswerk und er hat auch gut, erstklassige Arbeit geleistet. Der Film kann mit seiner Kernaussage ein Plädoyer für die Sinnlosigkeit des Krieges sein und ist daher nicht nur für die dänische Geschichte, sondern auch aus gesellschaftlicher Sicht sehr wichtig. „9. April“ ist in diesem Jahr bis jetzt für mich der beste Film, der in Deutschland nur fürs Heimkino veröffentlicht wurde und somit mein Top-Favorit in der Heimkino-Topliste für 2016.
„9. April“ - bekommt von mir 9/10 Punkte