Hollywood kopiert Western von gestern und scheint sich verstärkt Klassikern zu widmen.
Dabei ist die Version von 1960 auch nur eine Variante von „Die Sieben Samurai“, welcher bereits 1954 erschien. Regisseur Antoine Fuqua präsentiert rauchende Colts am laufenden Band, während die Charakterzeichnungen deutlich in den Hintergrund treten.
Anno 1879 erpresst der Geschäftsmann Bogue (Peter Sarsgaard) die Einwohner der Stadt Rose Creek, die in der Nähe einer Goldmine leben. Emma (Haley Bennett) wendet sich an den Kopfgeldjäger Chisolm (Denzel Washington), welcher wiederum sechs weitere Typen aufgabelt, die sich Bogue und seiner Armee stellen…
Yul Brynner, Steve McQueen, James Coburn, Charles Bronson oder auch Horst Buchholz, - John Sturges verhalf ihnen ebenso zu Ruhm wie Elmar Bernstein mit der Titelmelodie einen Ohrwurm kreierte. Für die Musik zur Neuauflage konnte indes James Horner verpflichtet werden, der leider während der Produktion verstarb. Teile der unvollendeten Kompositionen wurden von Simon Franglen fertig gestellt, was dennoch nach Horner klingt und dem Treiben einen gelungenen akustischen Anstrich verpasst.
Auf inhaltlicher Ebene durchbricht Fuqua zu keiner Zeit die Konventionen des klassischen Westerns, einschließlich einiger Nahaufnahmen verkniffener Gesichter in entscheidenden Momenten. Nach einem garstigen Einstieg ist der Fiesling etabliert und der lässt sich auch erst wieder zum Showdown blicken, während Chisolms Gefährtenauswahl reichlich konstruiert daherkommt. Trunkenbold und Zocker Faraday (Chris Pratt) hatte ohnehin nichts anderes vor, doch in der Einöde und quasi in letzter Sekunde einem ausgestoßenen Comanchen (Martin Sensmeier) zu begegnen, der offenbar kein Problem mit einem berühmten Fährtenleser und Skalp-Sammler (Vincent D'Onofrio) hat, ist fast so unwahrscheinlich wie die Messerwerferspielchen von Billy (Lee Byung-hun).
Immerhin kommt dadurch eine multikulturelle Truppe zusammen, die mit einigen derben Zoten Laune macht. Die Hintergründe einzelner bleiben jedoch außen vor, Motivationen sind teilweise nicht nachvollziehbar, was in Anbetracht des finalen Himmelfahrtskommandos kaum glaubhaft wirkt. Dieses erstreckt sich über rund 30 Minuten und entschädigt locker für minimale Durchhänger im Mittelteil.
Denn primär die Action verleiht dem Treiben eine teils mitreißende Dynamik. Keine plumpen Computereffekte oder umfallende Opfer ohne Wunde, - es gibt einige Explosionen, einen enorm hohen Bodycount und einen nicht gerade zimperlichen Umgang zwischen Gut und Böse, so dass eine FSK16 angemessen erscheint. Hinzu gesellen sich eine grundsolide Kamera mit gelungenen Landschaftsaufnahmen, eine erstklassige Ausstattung und nicht zuletzt überzeugende und charismatische Mimen, allen voran Denzel Washington und Peter Sarsgaard.
Ein Vergleich zum Original kann man sich schenken, denn statt leiser Zwischentöne dominiert die Action, statt ambivalenter Figuren gibt es eine klare Einteilung und Frauen waren im Western ohnehin selten wichtig. Typisches Popcornkino zum Entspannen und Berieseln, wobei mehr als eine Sichtung mangels Innovationen und spezieller Kniffe nicht sein muss.
Knapp
7 von 10