"Wokes Actionspektakel ohne Tiefgang oder Wiederschauwert" - so oder ähnliche könnte ein Filmlexikon über den Streifen zu Recht urteilen.
Ich bin bekennender Fan sowohl der Vorlage von Kurosawa (die sieben Samurai) als auch von der ursprünglichen Western-Version.
Diesem Streifen hier geht alles ab, was die beiden anderen Filme auszeichnet. Zuallererst sei einmal erwähnt, dass Kurosawas Film neben allen abenteuerlichen Szenen und allen Schlachtszenen eben kein Actionfilm sein will und auch kein heroisches Epos. Kurosawa zieht am Ende seines Films das zynische Fazit, dass der Krieger immer der Verlierer gegenüber dem sesshaften Bauern ist und die Kriegerkaste dem Untergang geweiht ist, da das Kriegshandwerk selbst nichts essentielles aus sich hervorbringt. Schwerter ernten keinen Boden und bringen nichts zum Wachsen.
Bei Kurosawa und der Westernnachbildung finden wir bei den Helden auch nicht das Rachemotiv ganz oben wie das im vorliegenden Film der Fall ist. Wir haben es mit abgehalfterten Helden aus der zweiten Reihe zu tun, die recht weit unten angekommen sind, aber durch Werte bewegt werden: sei es vom Wunsch anerkannt zu werden innerhalb der Gruppe, sei es beim weisen Anführer der Wunsch zu helfen und Gutes zu tun.
Wo Kurosawa ein zynisches Antiheldenepos zaubert pervertiert "die Glorreichen Sieben" (2016) diesen Ansatz und dreht ihn in sein Gegenteil.
Die Glorreichen Sieben (2016) bietet ein wokes Ensemble einschließlich einer Heldin und das ist das Einzige, was er bietet (wenn man so etwas braucht und möchte). Die Actionszenen sind comicartig, eine ernsthafte Botschaft und tiefgreifende Werte (Weisheit, Gerechtigkeit, Wert des Friedens, Wert der Familie, Wert des Schaffens gegenüber dem des Zerstörens) sind praktisch nicht vorhanden. War Kurosawas Werk durchaus buddhistisch inspiriert geht diesem Streifen hier jeder religiöse Wert ab bis hin zu einem Possenspiel in der Kirche zu Gunsten der weiblichen Heldin, die den zögerlichen Helden, der nicht weiß ob und wie er seinen Gegner in der Kirche umbringen soll, retten muss.
Aber auch die sieben Helden werden kaum ordentlich charakterisiert. Auch hier war Kurosawa seiner Zeit meilenweit voraus. Die Westernnachtbildung schaffte es neben dem kultigen Soundtrack hier ebenfalls starke Akzente zu setzen und Sympathiegestalten zu schaffen, mit denen man mitfiebert.
Bei der Neuverfilmung gibt es wenig zu fiebern. Hier wird per Häkchen Szene für Szene abgehakt. Immerhin gibt es für die Glorreichen nette, heroische Sterbeszenen - etwas was Kurosawa sich ebenfalls bewusst geschenkt hat. Im Tod liegt wenig heroisches, seine Verklärung führt mit zu Krieg und Elend auf der Welt und gewaltsam Sterben ist auch nicht schön oder erstrebenswert.
Will ich den Film nun komplett verreißen? Nein! Der Film ist ohne Anspruch zum Unterhalten geeignet und funktioniert als flacher Actionfilm ohne Niveau. Nur in der Tradition der beiden anderen großen Werke ist er eine Schande. Eine Schande in Hinsicht auf sein Wertebild, aber auch im Hinblick auf Drehbuch und Regie.
Uns wird hier nichts positiv neues geboten, auch kameratechnisch oder beim Score wurden keine Akzente gesetzt.
Vielleicht kann man ihm zugutehalten, dass durch ihn das Westerngenre wieder etwas Wind bekommen hat und aus der Vergessenheit wieder ins Kino gespült worden ist.
Das Drehbuch begeht aber auch einen weiteren kapitalen Fehler. Es war unklug den Antagonisten so stark in den Fokus zu rücken. Dieser entfaltet weder starke Kampfszenen, noch nimmt man ihn für ein intellektuellen Kampf von Systemen oder nutzt ihn sonst sinnvoll. Mit dem Fokus auf ihn und das Rachemotiv demontiert der FIlm sich selbst und rutsch in den unteren Durchschnitt. Denn was hier abgespult wird hat der Filmkenner tausende Male gesehen und oft genug besser.
Kurosawa hat Antihelden geschaffen, letztendlich eine Art Anti-Kriegsfilm - die Glorreichen Sieben (2016) nimmt beides zurück und ergeht sich in der Beliebigkeit ausgetretener Pfade.
Und wem es rein um die Action geht, dem sei ganz dringend der Neowestern "Schneller als der Tod" ans Herz gelegt. Dort hat man endlose spannende Duelle, die weibliche Heldin ist wirklich eine "coole Sau" (und wirkt nicht wie für die Quote in den Streifen gezimmert) und wir haben einen Antagonisten, der es auch mit den Helden aufnehmen kann und als glaubhafte Bedrohung wirkt (dies erzeugt im Gegensatz zu diesem Streifen Spannung).
Ich kann auch als Westernfan und mit viel gutem Willen nur vier Punkte für das Popkornkino vergeben; eine Empfehlung für Cineasten kann ich nicht aussprechen aus den vormals genannten Gründen.