Review

William Friedkin ist kein Wunderkind mehr. Er schuf Meilensteine wie "French Connection" und "Der Exorzist", doch dann übernahm er sich Ende der 70er und fiel in ein tiefes Loch, kreativ gesehen oder zumindest aus der Perspektive des Erfolgs gesehen. "Die Stunde des Jägers" hat daran wohl nichts geändert, doch es bleibt die Gewißheit, wie sicher und gut Friedkin immer noch inszenieren kann, selbst wenn es sich um eine so verschwindet nichtige Geschichte wie "The Hunted" handelt.

Wobei man nicht sicher sein kann, wie "The Hunted" ausgesehen hätte oder hat, wäre Friedkins eigentliche Vision in die Kinos gekommen, denn der fertige Film wirkt ein wenig wie Stückwerk oder ein Notschnitt, der angefertigt wurde, um ein actiontaugliches Format zu erhalten.
Eingefaßt ist der Film in ein Bibelzitat (wenn auch rock'n roll-technisch aufbereitet) rund um Abrahams Sohnesopfer Isaak und das ist es, was wir zu sehen bekommen. Der Sohn/Schüler des großen Waffen- und Nahkampflehrmeisters dreht durch und killt nun im Heimatland aus Ehrfurcht vor der Natur, woraufhin die Obrigkeit (Gott) sich an den Lehrmeister/Daddy wendet, um ihn zur Strecke zu bringen.
Gut, die biblische Parallele hinkt ein wenig, denn weder besteht eine innige Beziehung, noch findet dieser Tenor im Film groß weitere Beachtung, außer in den erwähnten Briefen, die der Soldat (Benicio del Toro) an seinen Ausbilder schrieb (Tommy Lee Jones).

Wenn der Film nun aber postuliert, daß der Krieg Soldaten braucht, und Soldaten halt ausgebildete Killermaschinen sind, die mit den Folgen ihrer Taten und dem Grauen, das sie mit ansehen müssen, zurecht kommen müssen, dann haben wir hier den richtigen Film.

Del Toro spielt den ausgeklinkten Messerkiller, dem die Grauen des Kosovo-Konflikts auf den Puschen brennen, so daß er jetzt Freizeitjäger, die nur zum Spaß töten, selbst ermordet, ausweidet und zerteilt. Also setzt man den widerstrebenden Jones auf seine Fährte, der ihn sofort aufstöbert. Einmal gefangen, entkommt del Toro aber wieder und verlegt das Duell in die Großstadt, ehe ein Finale an den Toren zur Natur die Entscheidung bringt.

Es sind nur Ansätze, die der Film formuliert oder zuläßt, alles weitere, was wir sehen ist ein Klon aus "Rambo", "Auf der Flucht" und "Mörderischer Vorsprung", verbrämt mit anderen "Duell"-Filmen, in welchen es immer um einen Verfolger und einen Verfolgten geht.
Bisweilen wünscht man sich, es würde das Geschehen wenigstens pseudophilosophisch auf eine nachdenkliche Ebene gehoben werden, aber das tut es nicht. Weswegen der Film bei der Kritik auch ohne Wert dasteht.

Qualitäten bietet er aber trotzdem. In einer Zeit, in der ein Nichts an Handlung das Gros aller Filme ausmacht und Schemata immer wiederholt werden, ist die klassische Grundkonstellation durchaus akzeptabel. Zumal der Film auf Tempo und Intensität setzt. Gerade mal über 90 Minuten bietet "The Hunted" reichlich Aufregung, sofern man ihn nicht mit irgendwelchen brutalen Billigvarianten actionlastiger B-, C- und D-Filme von Seagal über Wilson bis van Damme vergleicht.
Obwohl: brutal ist Friedkins Streifen auch. Die Szenen im Kosovo, egal ob realistisch oder nicht, sind ziemlich eindringlich, wenn del Toro an Massakern vorbeigleitet, in die er nicht eingreifen darf, weil sein Auftrag an einen serbischen Militärführer gebunden ist. Dem jedoch schlitzt er dann in Großaufnahme mit drei Schnitten so farbenfroh die Kehle auf, daß man sich wundert, daß nicht sogar für "keine Jugendfreigabe" geschnitten wurde.

Später hat der Film seine besten Sequenzen in den zwei Messerfights zwischen Jones und del Toro, die man in dieser Form vermutlich wirklich noch nicht gesehen hat. Martialisch, verbissen und mörderisch grunzend ist das kein Ballettanz, der hier für Filmfreaks geboten wird, sondern ein Fight bis aufs Messer, eng an eng, brutal und garantiert nicht keimfrei. Die finale Auseinandersetzung, in deren Verlauf sich beide Kontrahenten mehrfach über den ganzen Körper verteilt verschiedentlich aufschlitzen, dürfte allerorten für schrilles Atemholen sorgen.

Dazwischen bekommt man eine Hommage Friedkins an seinen French Connection-Klassiker, denn es handelt sich um eine einzige Verfolgungsjagd, ohne Umschweife, ohne große Pausen. Nur: die meisten Actionfans, auf die der Film wegen seiner Rohheit zugeschnitten ist, kennen so etwas schon.
Aber, und das möchte ich honorieren: "Die Stunde des Jäger" bleibt sich treu. Es ist ein harter Film, er ist brutal und er tritt damit keinen Schritt beiseite. Keine überflüssigen Charaktere, keine blöden Witze, nicht ein Fünkchen Ironie in der Handlung, höchstens mal ein zahmer Oneliner.
Wenn da jetzt noch der psychologische Unterbau gestimmt hätte, wäre es ein Highlight im Actionkino geworden. So bleibt der Film nur ehrlich, unausgegoren und griffig nur für jene, die sich auf ihn eingestellt haben. (6/10)

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