Ursprünglich als eine Art Online-Videothek bekannt geworden, die mit anderen vergleichbaren Anbietern mit ein Grund dafür war, dass die stationären Stätten großteils vom Erdboden verschwunden sind, hat sich das amerikanische Netflix in den letzten Jahren mit der Eigenproduktion von mehr oder minder qualitativ hochwertigen Serien, eingeschränkt zugänglich für den abonnierenden Kundenstamm hervorgetan. Ein damaliges Experiment, dem anfangs keinerlei Wert und Erfolg beigemessen wurde, sowohl die dafür zahlende Zuschauerschaft als auch die Kritiker des Modells und des Produktes jeweils überzeugte. Dabei ging man seitens der Macher auch recht offensiv mit dem Anliegen und der Herangehensweise selber um, und wurde offen bekannt gegeben, dass man die Serien nicht etwa aus dem Bauchgefühl hinaus gestrickt und aus dem Ärmel geschüttelt hat, sondern diese speziell und mit Hilfe gewonnener Kundendaten, Vor- und Mißlieben und allgemein nach Statistik, Wahrscheinlichkeit und Prophezeiung kreiert hat.
Eines dieser Auswertungen, eine Art komplizierte Umfrage ergab, dass der typische Abonnent in Sachen Film die Komödien von Adam Sandler präferiert; was weniger erstaunlich angesichts dessen letztzeitigen Abschneidens an den Kinokassen – einer Misere eher – ist, als vielmehr ein 'unrühmliches' Licht auf den speziellen Zuschauer warf und prompte Empörung hervorrief. Der 'Makel' wurde nicht kleiner, als entsprechend dessen ganz folgerichtig die Verpflichtung des Produzenten, Autoren, Hauptdarsteller Sandler und dies gleich für 4 Filme bekannt gegeben war.
Für eine kolportierte Entlohnung von 60 Mio. USD wurden im erweiterten Geschäftsmodell ein Quartett an quasi narrensicheren Werken der Aufmerksamkeit und des Anreizes zum Abschluss weiterer Verträge und zum Festhalten eines Alleinstellungsmerkmales bestellt. Ein Verfahren, was sicherlich mehr Kommerz als Kunst, derart gehandhabt in der Traumfabrik Hollywood und anderswo aber auch nicht anders und hier eventuell gar ein Win-Win für alle Beteiligten, der Berechnungen eben Recht gebend ist:
Während eines erwartbar peinlichen Klassentreffens wird der zu bemitleidende 'Bank'manager Charlie McMillan [ David Spade ] von seinem einzigen früheren Freund Max Kessler [ Adam Sandler ], einem scheinbaren FBI - Agenten angesprochen, aufgelesen und zum Cruisen auf seine Yacht geschleppt. Nur wenig später ist das Boot absichtlich durch in einem hellen Feuerschein explodiert und bekommt Charlie den eigentlichen Plan aufgetischt. Er und sein neuer alter Kumpel lassen sich “frisch verstorben“ mit falschen Identitäten und gut gefüllten Brieftaschen in einem bereits vorhandenen Villendomizil in Puerto Rico nieder, und genießen endlich mal das Leben von Anderen, wenn ihr eigenes schon nichts taugt. Nach anfänglichen Zögern lässt sich Charlie darauf ein, vor allem, da es seine Frau ungeniert mit dem Ex Ted-O [ Sean Astin ] und die von ihm übernommenen Kinder auch zum Abgewöhnen sind. Bald jedoch tauchen schiessfreudige Killer, allen voran The Gymnast [ Thorsten Voges ] vor der eigentlich fremden Haustür auf, was nicht ganz nach Plan der beiden Aussteiger ist.
Sandler selber hat mit dem Salär und den Vorgaben gar etwas Erweiterndes in seiner Filmographie geschaffen, die diese aber nur dehnt, nicht gleich sprengt und trotzdem erkennbar eine Fortführung bisheriger Mittel ist. So erschien als Erstes die Western komödie/-persiflage The Ridiculous 6, die zu dem überaus günstigen Zeitpunkt nicht nur das Genre Western selber, sondern schon vom Titel her zwei gleichsam in die Öffentlichkeit drängende Vertreter mit Hopps nimmt. Als Zweites Produkt wurde The Do-Over und damit ein Abstecher in die saftige Actionkomödie bzw. auch die derbe mit Gewaltausbrüchen und Zoten und Folter und Toten aufgemotzte Thrillerkomödie gesetzt, was einzig den Verweis auf das (eher auf Video gelaufene) Mainstream - Frühwerk Bulletproof [ 1996 ] und damit recht Untypisches für den damals auch weitgehend unbekannten, die zweite Geige als Quasselstrippe gebenden Schauspieler bringt.
Als Ausflug in andere Gefilde selber funktioniert der Film auch nur wegen seinem Zugpferd, wegen der Prämisse des Komödianten in einer ernsteren Angelegenheit selber, dem Pfeifen auf Konventionalität, der dargereichten Exotik, der Aussicht auf Paula Patton, und sonst eher spärlich bis teilweise auch gar nicht. Die Ausgangslage dafür ist allerdings bombenfest, spielt mit Überraschungen (Wer ist der Typ wirklich und wo ist der Haken?), mit Überlegungen (Wie täte man sich selber verhalten?), und nimmt den Zuschauer recht schnell und ohne viel Rede und der Möglichkeit für Widerspruch auf eine Reise, bei der man ähnlich passiv wie der Mitstreiter (in der Rolle von Spade) ist und wahrscheinlich noch am Ehesten mit diesem Durchschnittsmenschen und seinem Leben mitfühlt. Weil man es kennt.
Dabei bietet der plötzlich wieder auftauchende Freund aus früheren Zeiten, der einzige Ansprechpartner wohl gar, analog zur Handlung eine Mischung aus Erniedrigung, aus Versprechen von Besserung und so eine Überredungskunst, die ganz gleich zu etwa einem absurden bis sich um keinerlei Regeln scherenden Bad Influence [ 1990 ] oder Criminal Law [ 1988 ] oder – wenn man mehr Humor und Familienfreundlichkeit benötigt – Real Men [ 1987 ] angelegt ist. Hier das bescheidene Dasein, dort die rettende Hand, das Buddy Picture, der große Bruder, der Freund in der Not, der alles kann und dem alles gelingt.
Wie Real Men und seine Mischung aus Abenteuerausflug auf den Kinderspielplatz, Kalter Krieg und Science fiction Mär wird es auch hier alsbald narrativ grotesk, mit ähnlich sporadischer und auch deswegen recht flinker Action + some heavy stuntwork im Nebenher, etwas mehr Gewaltspitzen und allerlei sexuellen Anzüglichkeiten und “fucks“ auf der Tonspur sicherlich; aber durchaus seiner Ähnlichkeiten, wenn da selbst die Mama daheim besucht wird, die hier die virile Demenzkranke, die “sexy bitch“ im Babydoll noch, und dort der Transgender mit Dekollete und Penis, der Papa also eher ist.