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Superheldenfilme setzen eigentlich ein stattliches Budget voraus. Es sei denn, man formiert ein Kammerspiel, bei dem ein Dutzend Figuren einen Gesprächskreis bilden. Da die Mockbusterschmiede von Asylum für seine preisgünstigen Plagiate bekannt ist, setzt Autor und Regisseur Jeremy M. Inman eher auf die indirekte Fortsetzung seines „Avengers Grimm“, anstatt sich dem ursprünglichen Vorbild „Suicide Squad“ anzunähern.

Alice, Piper und Goldie gelingt es, einige Bösewichte in ihrem Quartier gefangen zu halten. Jüngst erst Rumpelstilzchen, der einen magischen Spiegel zerbrach und damit einige Wesen der Unterwelt erzürnte. Jene Boten des Todes wollen das Quartier stürmen und so müssen sich die Bösen zwangsläufig zusammen rotten, um gegen das noch Bösere anzutreten…

Der geneigte Betrachter wird ohne jeden Kontext sogleich ins Geschehen befördert und es tauchen eine Reihe von Figuren auf, die weder Hintergrund noch Motivation erhalten, was sich im Verlauf kaum ändert. Die Heldentruppe bleibt komplett blass und austauschbar, wobei Alice wohl aus dem Wunderland stammen soll, da anbei noch eine Herzdame und ein Hutmacher mitmischen. Dem Piper hat man als Rattenfänger noch nicht einmal die Flötentöne beigebracht, während Goldie aufgrund der Locken allenfalls Staffage ist, auch wenn sie im Verlauf den bösen Wolf anleiten kann, der das peinlichste Gebiss aller Mitstreiter tragen muss.

Indes erinnert Rumpelstilzchen mit der markanten Kinnpartie eher an eine schlichte Ausgabe vom Joker, doch auch hier wurden die Zähne verändert und sehen aus, als wären sie zwei Tage lang mit Kurkuma eingerieben worden. Da überrascht es wenig, dass eine Kannibalenhexe ebenfalls ein auffallendes Gebiss mit sich herumträgt, was den Verdacht nahe legt, dass unter den Maskenbildnern ein Zahnfetischist gehaust haben muss.
Und ein Zeichentrickfan, denn Rumpelstilzchen werden in einigen Momenten cartoonartige Sounds unterlegt, die offenbar witzig sein sollen, - spätestens nach fünf Minuten am Stück sind sie es nicht mehr.

Schlimmer wiegt jedoch, dass hier herzlich wenig passiert und sich die Sets im Grunde auf zwei, drei karg eingerichtete Räumlichkeiten beschränken. Bis auf ein paar Minuten gegen Ende kann von Action rein gar keine Rede sein, so dass die Chose mitunter arg geschwätzig anmutet und allerorten ein Overacting auszumachen ist. Da geben sich einige Possenreißer ein Stelldichein und es werden Allianzen geschmiedet, die gegen Ende rein gar nicht mehr interessieren.

Viel Sinn ergibt das humorlose Treiben letztlich nicht, es herrscht ein dramaturgisches und erzählerisches Chaos, die Ausstattung wirkt durch und durch billig und bei allerlei Gesichtsakrobatik kristallisiert sich natürlich kaum darstellerisches Talent heraus.
Es gibt durchaus Streifen, bei denen Märchenfiguren sinnvolle Aufgaben zuteil werden, - dieser zählt gewiss nicht dazu.
2,5 von 10

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