Review

kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 26.05.2007

Ein meisterhaft erzählter und zugleich weit unter Wert verkaufter Science Fiction-Meilenstein der Achtziger Jahre.

Ein letzter Mensch findet sich auf einem leergefegten Planeten wieder. Er geht an eine Tankstelle und findet keinen Kassierer. Draußen wird ihm gewahr, dass sich kein Mensch auf der Straße befindet. Er ruft, macht auf sich aufmerksam. Er schreibt ein großes Plakat mit seiner Adresse. Er beginnt, eine zweite Persönlichkeit zu entwickeln, mit der er sich unterhalten kann. Er zieht sich ein Frauenkleid an und rennt durch ein leeres Stadion. Er bezieht eine Villa und hält am Abend als Gott eine Rede. Beifall, den er selbst mit einer Fernbedienung steuert, ertönt aus montierten Lautsprechern und gibt ein Feedback auf seine Ankündigungen. Dann frühstückt er - und plötzlich steht hinter ihm eine Frau. Die beiden Fremden fallen sich augenblicklich erleichtert in die Arme.

Geoff Murphy zeichnet den Menschen als soziales Wesen, das andere Menschen benötigt, um zu überleben. Mit der Menschheit verschwanden zwar jegliche Regeln und Beschränkungen, doch die neu gewonnene Freiheit kann nicht genossen werden. Es fehlt der Beobachter, jemand, mit dem man das Erlebte teilen kann.

Doch schon mit der Dreierkonstellation - zwei männliche, zwei weibliche Exemplare derselben Spezies - entwickelt sich wieder das alte Schema des Konkurrenzdenkens.

Wenn die Hinterbliebenen der Apokalypse durch vereinsamte Straßen irren, strömt die Endzeitatmosphäre dem Werk aus jeder Pore, wenngleich der Verfall der Welt ohne Menschen, die sie lenken, noch realistischer hätte dargestellt werden müssen. Dennoch, "The Quiet Earth" ist bei aller Faszination über die Leere der Welt eher ein Film im Diskurs. Durchgehend ist man mit existenziellen Fragen beschäftigt, während man den Darstellern auf Schritt und Tritt folgt: Was, wenn der Partner stirbt und man wieder der einzige Mensch auf der Erde ist? Was, wenn sich die beiden anderen gegen mich verschwören und mich im Stich lassen? Was, wenn wir noch mehr Menschen finden, vielleicht eine Menschengruppe - wie wird sie auf uns reagieren?
Fragen über Fragen, die auch Monate danach noch im Widerhall weiterexistieren und diesen in Sachen Handlungskontinuität vielleicht nicht ganz perfekten Film zu einem kleinen Meisterstück erheben.

*weitere Informationen: siehe Profil

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