Kirsten Wiig spielt eine Physikerin, die kurz vor einer Festeinstellung an ihrer Universität steht. Doch dann holen sie ihre Jugendsünden ein: Zusammen mit ihrer ehemals besten Freundin, gespielt von Melissa McCarthy, hat sie einst ein Buch über paranormale Phänomene verfasst, das nun in neuer Auflage im Internet gehandelt wird. Daraufhin sucht sie die Mitautorin auf, um eine weitere Verbreitung des peinlichen Werks zu verhindern, woraufhin es zum Streit zwischen den beiden kommt. Doch die beiden raufen sich zusammen, da in New York tatsächlich paranormale Phänomene auftauchen. Während eine von Kate McKinnon gespielte Ingenieurin sofort Teil des Teams ist, stößt eine U-Bahn-Mitarbeiterin, gespielt von Leslie Jones, später zur Truppe, die als Ghostbusters dem unheimlichen Treiben im Big Apple ein Ende zu bereiten versucht.
Wenn Neuauflagen oder Fortsetzungen großer Klassiker angekündigt werden, ist eine gewisse Skepsis meist angebracht und oftmals auch begründet, wie beispielsweise „Independence Day Resurgence“ oder „Jurassic World“, die nicht einmal ansatzweise an die Originale herankamen, zuletzt unter Beweis stellten. Doch bei der Ankündigung eines neuen „Ghostbusters“ mit vier Frauen in den Hauptrollen brach sich neben berechtigten Zweifeln, etwa an der Besetzung des für seinen eher deftigen Humor bekannten Regisseurs Paul Feig, auch kaum verhohlener Chauvinismus Bahn. Sony kam, als sich im Internet der Shitstorm entfesselte, kaum mit dem Löschen diverser Hasskommentare hinterher bis die Neuauflage des 80er-Jahre-Kultfilms endlich seinen Weg in die Lichtspielhäuser fand. Die Bilanz: Mittelmäßige Kritiken, verhaltene Reaktionen des Publikums und ein ausbaufähiges Einspielergebnis, aber eben auch viel Lärm um nichts. Denn ein Grund auf die Barrikaden zu gehen, ist „Ghostbusters (2016)“ eben doch nicht.
„Ghostbusters“ verneigt sich stellenweise vor dem Original, bringt einige wohlbekannte Geistererscheinungen auf die Leinwand zurück, greift das gängige Symbol der Geisterjäger in einer der besten Szenen wieder auf, spielt den fetzigen 80er-Jahre-Soundtrack in verschiedenen Variationen ein. Außerdem haben Bill Murray, Sigourney Weaver und Dan Aykroyd jeweils augenzwinkernde Gastauftritte, mit denen Feige zudem demonstrieren kann, dass er für seinen Film den Segen der Altbesetzung hat. Dafür spricht auch, dass mit Ivan Reitman der Macher der beiden Vorgängerfilme an der Produktion beteiligt war. Dass die Geisterjäger munter mit aus dem Zusammenhang gerissenen, hochwissenschaftlichen Begriffen um sich werfen und mit innovativ designtem, witzig aussehendem Equipment auf die Jagd gehen, erinnert ebenso an das Original.
Nun leben wir aber nicht mehr in den 80ern, in denen der Humor noch eher unschuldig, die Zielgruppe eine andere und die technischen Möglichkeiten ausgesprochen begrenzt waren. Und dies sind dann auch die signifikantesten Unterschiede zu den Vorgängerfilmen: Der Humor ist etwas gröber und nicht immer ganz stilsicher, aber verglichen mit dem Buddy-Movie „Taffe Mädels“ oder „Brautalarm“ ist dieser Film von Paul Feig deutlich gemäßigt und durchaus noch familientauglich. Was die Klasse der Gags hier und da etwas zu wünschen übrig lässt, macht Feig mit Masse und dem großartigen Darstellerensemble wieder wett, sodass „Ghostbusters“ durchweg solide Unterhaltung bietet, zumal Feig eine gut austarierte Mischung aus witzigen Dialogen, Anspielungen auf andere Filme, netten Albernheiten und etwas derberem Humor vorlegt.
Die Geister und auch die 3D-Effekte können sich sehen lassen und das nicht nur, weil man der 144-Millionen-Dollar-Produktion ihr Budget bei der brillanten Animation ansieht, sondern auch, weil die übernatürlichen Erscheinungen äußerlich einiges her machen. Stellenweise lässt Feig auch mal etwas Grusel aufkommen, vor allem bei der viel versprechenden Haunted-House-Sequenz am Anfang seines Films, aber freilich ohne sein Werk ins Horror-Genre abdriften zu lassen. Jedenfalls sorgen die Geistererscheinungen im Mittelteil für beste Unterhaltung, besonders beim Heavy-Metal-Konzert. Beim Finale übernimmt sich Feig dann vielleicht ein wenig und stellt unter Beweis, dass heutzutage offenbar keine Großproduktion mehr ohne den großen Bombast, ohne in sich zusammenstürzende Wolkenkratzer auskommt, aber unterhaltsam ist sein Film dennoch bis zum Schluss und die Schauwerte entschädigen für so manches.
Den Sprung zumindest ins obere Mittelmaß nimmt der Film, der nicht immer ganz die Balance zwischen Humor und Grusel hält, dank seiner Darsteller. Melissa McCarthy sprüht mal wieder vor Energie und Temperament und reißt den Zuschauer damit regelrecht mit, sie agiert aber nicht ganz so brachial wie sonst und lässt den drei Saturday-Night-Live-Damen an ihrer Seite ausreichend Raum, sich zu entfalten. Hier überzeugt die etwas neurotische, vor allem anfangs unsicher auftretende Kirsten Wiig als gelungener Gegenpart zur hitzigen McCarthy, während sich auch Leslie Jones gelungen in das Team einfügt. Doch Kate McKinnon, die mit ihren Parodien und Imitationen im US-Fernsehen bereits bewiesen hat, was sie mit ihrem Gesicht alles anstellen kann, sticht besonders heraus. Sie spielt die abgedrehte Ingenieurin der Ghostbusters herrlich schräg und ist nie um eine witzige Einlage verlegen. Man könnte ihr stundenlang beim Grimassenschneiden zusehen. Daneben beweist zudem auch Chris Hemsworth als begriffsstutzige Empfangshilfe sein komödiantisches Talent, während Andy Garcia in einer weiteren Nebenrolle endlich noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen ist.
Fazit:
Nicht jeder Gag sitzt, nicht immer ist die Mischung aus Humor und Grusel perfekt austariert, vor allem nicht beim effekt-überladenen Showdown, und doch ist Kevin Feig auch dank der großartigen Besetzung ein launiges Spektakel gelungen, das mit Witz und etwas Action durchgehend gelungen unterhält. Nicht so gut wie das Original, aber besser als Teil 2.
66 %