Die Geisterjäger sind also zurück, wenn auch nicht in der Form, die man sich all die Jahre ausgemalt hatte. Man möchte jetzt sagen, all die hitzig geführten Kontroversen im Vorfeld habe die Mädels-Variante nicht verdient. Hat sie aber. Und das ist genau genommen das einzige große Kompliment, das man den „Ghostbusters“ anno 2016 machen kann.
Denn wenn diese Neuauflage eines nicht ist, dann stromlinienförmige Multimillionen-Dollar-Dutzendware, die so schnell konsumiert wie vergessen ist. Da bleibt schon was hängen. New York mag zwar schon wieder der Spielplatz sein, Plasma-Strudel mögen sich am Himmel bilden und Hochhäuser vor überdimensionalen Trampeltieren mit viel Trara in die Knie gehen (soviel immerhin zur Werkstreue, die sich auch noch mit dem heutigen Blockbuster-Gestus deckt), der höchst streitbare Grundton, den Paul Feig anschlägt, lässt das nicht ohne Risiko auf Kurs gebrachte Reboot aber immerhin aus der grauen Peripherie treten.
Es gibt da nur einen Haken: Der Mut rentiert sich künstlerisch nicht, denn fast nichts von dem, was man innerhalb der großzügigen 135 Minuten ausprobiert, gelingt. Erst recht nicht die ironische Umkehrung der Markenzeichen der Serie. Es wird eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass man diese, wenn überhaupt, nur oberflächlich verstanden hat. Die hintersinnige Schmutzigkeit, mit der die Original-Drehbücher von Ramis, Aykroyd und Moranis unterwandert waren, stülpt sich hier mit platten Frontalgags wenig elegant nach außen. Und wo ist der Platz für den langsamen Aufbau, die verführerische Annäherung der Geister an ihre Opfer und deren unbemerkte Isolation von der Restwelt? Verzweifelt sucht man auch nach wirklich markanten, originellen Geistererscheinungen und besonderen Szenen, in denen der Plot kurz innehält und sich völlig auf die Intimität zwischen Geist und Jäger konzentriert. Nur wenige Verweise auf die ersten beiden Teile gelingen (der Verzicht auf die ikonische Feuerwehrbehausung ist ein großes Opfer, das aber durch eine geschickte Überleitung auf eine nicht minder charakterstarke Basis über einem China-Restaurant neue Früchte trägt), viele andere verfehlen völlig den eigentlichen Punkt (Restaurant-Szene).
Dazu ein beinahe schon unverschämt blasser Bösewicht (wie eine fahle Kopie der von Peter MacNicol im zweiten Teil verkörperten Renfield-Variation, die nur diesmal als Hauptgegner herhalten muss), eine Verschlimmbesserung des Titelsongs, Spezialeffekte von sehr wechselhafter Qualität (gut sieht beispielsweise die stoffähnliche Textur des Endgegner-Buhmanns aus, die Geister-Beule am Rücken einer alten Frau allerdings könnte aber aus einem Rechner der 90er Jahre stammen) und unmotiviert aneinandergereihte Cameos, die Rick Moranis' Verzicht zur klugen Entscheidung werden lassen.
Für eine Produktion, die in jeder Kritik an ihr einen misogynen Hintergrund zu sehen glaubt, entpuppt sich ausgerechnet der Umgang mit Gender-Themen derweil als überraschend kleingeistig. Original-Sekretärin Janine wirkte nur scheinbar einfältig, übte tatsächlich aber eher Bürokraten-Ignoranz aus und zeigte damit durchaus Persönlichkeit (zumal sie sich letztlich der Geisterjäger-Chose gegenüber ja auch angemessen verhielt). Ersetzt wird sie nun mit einem Mann, der offen debil ist und zu alldem auch noch von den weiblichen Geisterjägern zum Pin-Up-Nerd reduziert wird. Annie Potts' kurzes Cameo als Empfangsdame (der einzig gelungene) zeigt sogar noch einmal im Direktvergleich auf, um wie viel fortschrittlicher die 80er in diesem Punkt anmuten, zumal man damals mit Sigourney Weaver noch eine weitere starke Frau in der Hinterhand hatte. Ein solches Äquivalent fehlt in der Neuverfilmung ebenso. Stattdessen bekommt Geisterkartoffel Slimer eine Gattin mit 50er-Frisur und Lippenstift zur Seite gestellt...
Über den Humor der Hauptbesetzung kann man natürlich herzhaft streiten und gerade der entscheidet am Ende wohl über Gefallen oder Nichtgefallen des gesamten Films. Mir erschien lediglich das unberechenbare Auftreten Kate McKinnons als Gewinn, die manchmal im Drogendelirium zu verweilen scheint, dann wieder psychotische Verhaltensweisen an den Tag legt und gelegentlich mit sexuellen Avancen gegenüber ihren Kolleginnen das Publikum verwirrt (wäre Margot Robbie in „Suicide Squad“ doch mal so unberechenbar gewesen). Kristen Wiig, Melissa McCarthy und Leslie Jones (die das Rassismus-Argument um Ernie Hudsons Originalrolle mit ihrer Bahnschalter-Rolle keinen Deut ausbügelt, sondern sogar noch auf die Spitze treibt) hingegen hängen durchweg in einer Dauerschleife zwischen Sitcom- und Standup-Comedy der infantilsten Art. Das Resultat sind einfältige Kindergartenwitze, die möglicherweise auch ein Produkt des Umstands sind, dass „Ghostbusters“ ein entscheidungsschwacher Film ist, der sich alle Möglichkeiten (u.a. über Test-Screenings) offen hielt und deswegen letztlich in einem spürbar zerfaserten Story Arc aufgeht, in dem die Darsteller ohne starke Führung schlichtweg unkontrolliert steil gehen. Kein Wunder, dass die Heimkino-Datenträger vor lauter unveröffentlichter Szenen regelrecht überquellen.
Man kann das Unorthodoxe an diesem Film natürlich trotzdem schätzen; dazu gehört auch die Spielerei mit dem Bildformat, wenn bei Geistererscheinungen und Protonenstrahlern Elemente über den Bildrand ragen (das passt zum knautschig-bunten Ton der Reihe und hat trotz des anbiedernden Pop-Up-Effekts durchaus seinen Reiz, so lange man es nicht überstrapaziert). Gleichwohl kommt man nicht umhin festzustellen, dass das sehnlichst erwartete und dadurch mit Nostalgiegefühlen vorbelastete Franchise-Update nicht nur daran scheitert, dass es im wahrsten Sinne des Wortes den Geist der Originale nicht fängt. Erst recht scheitert es nicht am Gender Switch (wenn überhaupt, an der Darstellerwahl oder an der Darstellerführung). Sondern vor allem am gewöhnungsbedürftigen Humor, vielen Einfällen, die nicht zünden und einer bigotten Haltung zu schwierigen Themen wie Rassismus und Sexismus.