Es gibt Filme, über die viele Menschen eine schlechte Meinung haben, ohne ihn je gesehen zu haben. Ghostbusters 2016 ist einer davon.
Werfen wir kurz einen Blick zurück. Der erste Ghostbusters schlug 1984 wie eine Bombe ein und gehört bis heute zu einer der beliebtesten Filme aller Zeiten. Da war eine Fortsetzung unvermeidlich, die dann auch 1989 in die Kinos gelangte, jedoch nicht mehr dieselbe Euphorie bewirken konnte. Immerhin war auch die Fortsetzung erfolgreich genug, dass ein dritter Film immer wieder im Gespräch war.
2016 war es dann soweit. Ein Grund zur Freude? Für viele eher nicht. Denn anstatt einer Fortsetzung mit den alten Darstellern, entschloss man sich in der Produktionsetage zu einem Reboot unter der Regie von Paul Feig.
Fans weltweit warteten auf ein Wiedersehen mit den alten Helden. Stattdessen bekamen sie ein Reboot mit einem weiblichen Ghostbusters-Team, das zudem die alten Filme ignorieren sollte.
Das ist eine derart ungünstige und wenig durchdachte Herangehensweise, dass man sich unwillkürlich fragen muss, ob überhaupt irgendjemand der Verantwortlichen über die möglichen Reaktionen der Fans nachgedacht hat. War es nicht abzusehen, dass dieses Konzept bereits im Vorfeld für Enttäuschtung und eine ablehnende Haltung sorgen musste? Sollte eine Ankündigung nicht eher das Gegenteil bewirken?
Enttäuscht, wütend, feindselig, aggressiv, frauenfeindlich waren viele Reaktionen der Fans. Es ist immer wieder gruselig und traurig zu sehen, mit wie viel Hass und Boshaftigkeit manche Menschen auf derartige Ankündigungen reagieren. Herrje, es ist nur ein Film!
Ich schrieb es ja bereits am Anfang: Viele Menschen haben eine schlechte Meinung von dem Film, ohne ihn je gesehen zu haben. "Alle sagen doch, dass der schlecht ist."
Warum Ghostbusters trotz allem ein gelungener Film ist, erkläre in den folgenden Zeilen:
Ähnlich dem Original tauchen in New York geisterhafte Phänomene auf, die einige Experten auf den Plan rufen.
Eigentlich waren Abby Yates (Melissa McCarthy) und Erin Gilbert (Kristen Wiig) beste Freundinnen, die gemeinsam am Geisterphänomen geforscht haben bis es zum Bruch kam, als Erin eine seriöse Karriere als Physikerin anstrebte und ihr altes Forschungsfeld aufgab.
Nachdem Abby ihre gemeinsame Publikation über das Paranormale veröffentlicht, verliert Erin ihre akademische Glaubwürdigkeit und ihre Arbeit.
Dennoch bringt sie ein neuer Vorfall einer Geistersichtung wieder zusammen. Dazu gesellen sich die exzentrische Ingenieurin Jillian Holtzman (Kate McKinnon) und die schlagfertige U-Bahnangestellte Patty Tolan (Leslie Jones). Nach der ersten wissenschaftlich gesicherten Geisterbegegnung formiert sich schnell ein Team, dass weitere auftretende Phänomene untersucht. Denn die Vorfälle treten nicht zufällig auf und deuten auf eine größere Katastrophe hin.
Es wird schnell deutlich, dass die vier Darstellerinnen bereits viel Erfahrung im Comedy-Bereich, besonders SNL vorzuweisen haben. Die Chemie zwischen den vier Frauen funktioniert schon nach kurzer Zeit wunderbar. Angenehm ist auch, dass Melissa McCarthy eine vergleichsweise zurückhaltende Figur gespielt. Sonst spielt sie ja (zu) oft eher lautstarke und prollige Figuren. In dem Frauen-Quartett steckt auch die eindeutige Stärke des Films. Ein weibliches Team muss eben nicht grundsätzlich eine schlechte Idee sein. Ergänzt wird das Team durch den gutaussehenden, aber dämlichen Sekretär Kevin Beckman (Chris Hemsworth).
Gerade an der Kevin-Figur werden sowohl Stärken als auch Schwächen des Films deutlich. Während attraktive weibliche Charaktere schon oft als dümmliche und hilflose Figuren verheizt wurden, macht Ghostbusters 2016 genau das mit einer männlichen Figur und dreht dabei ein bekanntes Klischee auf unterhaltsame Weise um. Dass das so gut funktioniert, liegt auch an Darsteller Chris Hemsworth, der mit sichtlichem Spaß gegen sein gewohnt smartes Helden-Image anspielt.
Aber auch genau hier wird ein weiteres Problem deutlich: In Ghostbusters (2016) sind fast alle Männer Idioten.
Als ob man nicht schon allein mit dem rein weiblichen Team schon für viel Unmut gesorgt hat, verprellt das Drehbuch zusätzlich alle männlichen Zuschauer. Unklug.
Dabei ist Ghostbuster (2016) für sich genommen ein durchaus unterhaltsamer Film geworden. Das Produktionsniveau ist hoch, die Darstellerinnen und Darsteller sind gut aufgelegt und die meisten Gags sitzen. Immerhin treten einige Darsteller der Originalfilme in kleinen und größeren Cameos auf, was aber eher ein halbherziger und hilfloser Versuch ist, die wütenden Fans zu beruhigen.
Die Story selbst ist weniger bemerkenswert, tut aber was sie soll und versorgt den Film mit genügend Action, Humor und Tempo.
Glücklicherweise arbeitet das Drehbuch nicht auf einen großen Cliffhanger hin, sondern erzählt eine in sich geschlossene Geschichte. Allerdings wird in der Post-Credit-Scene tatsächlich auf eine größere Geschichte hingedeutet. Die kann man aber ohne Probleme ignorieren.
Angesichts des wenig durchdachten Gesamtkonzepts war Ghostbusters leider ein Flop, so dass weitere Fortsetzungen zumindest in Filmform ausbleiben mussten. Das ist bedauerlich aber auch verständlich. Immerhin durfte das weibliche Team im Rahmen der Comic-Reihe um Erik Burnham weiter aktiv bleiben. An dieser Stelle eine klare Leseempfehlung.
Insgesamt sollten diejenigen, die offen für Neues sind und sich nicht darauf beschränken wollen, andere Meinungen nachzuplappern, Ghostbusters (2016) eine faire Chance geben. Zwar erreicht der Film nie die Klasse des Originals, erweist sich aber mit kleineren Einschränkungen als unterhaltsamer Beitrag zum Ghostbusters-Franchise.