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Ghostbusters (2016)
Der originale Ghostbusters war einer der bestimmenden Filme der 80er, Harold Raimis, Dan Akroyd und Bill Murray haben unter der Regie von Ivan Reitmann eine komplett wahnsinnige Geschichte geschaffen, mit für die Zeit phantastischen Effekten und zahllosen Gags, von denen viele treffen. Die Fortetzung und mehrere Zeichentrickserien quetschten das letzte bisschen Relevanz aus dem Stoff, bis man auf die Idee kam, die Reihe zu rebooten (nachdem Ghostbusters 3 als verdammt gutes Spiel erschienen war) – um einen neuen Angle zu finden, mit Frauen. Das Internet drehte durch und der Film wurde nach dem ersten Trailer in Grund und Boden verdammt, als wären die Filmemacher in alle Häuser eingebrochen und hätte die Videos gelöscht. Das Ganze wurde so toxisch, dass man entweder als Sexist*in gebranntmarkt wurde, wenn maan den Film kritisierte, oder als „woke“ beschimpft, wenn man ihn mochte. Egal, wie man das sieht, diese Aufregung ist der Film sicher nicht wert.
Wie im Original fängt es in New York an zu spuken und drei Wissenschaftlerinnen entwickeln Methoden, um dem Spuk auf die Spur zu kommen. Mit Melissa McCarthy (damals auf dem Höhepunkt ihrer Karriere) und Kirsten Wiig hat man versucht, Topcomedians zu engagieren, denen allerdings die Chemie, die das Original schon während Saturday Night Live entwickelt hatte, deutlich fehlt, auch, weil man die Figuren nicht nur unterschiedlich angelegt sondern auch restlos überzogen. Erin hat als Kind einen Geist gesehen, ist übertrieben rational geworden und macht sich ständig lächerlich. Abby ist einfach nur schrill und Holtzman hat keinerlei Bezug zur Realität. Im Original (und das Ding heißt nunmal genauso) waren Ray ein wenig naiv und Peter recht machohaft, aber beide waren nachvollziehbar, nur Egon war total überdreht, passte aber in das Trio. Hier sind alle drei Figuren zu sehr überzeichnet, das trifft auch auf Chris Helmworths Figur zu. Janice war biestig und überdreht, Kevin ist grenzdebil.
Die alte Feuerwehrstation ist zu teuer, der erste Einsatz geht schief und sie haben eine neue Partnerin am Hals (die tatsächlich mehr Profil hat als Winston, der nur in der Serie sowas wie Charakter bekam), während sich das Böse zusammenbraut.
Auf der reinen Handlungsebene ist das soweit okay als Reboot, der Einstieg ist sogar sehr stimmungsvoll. Viele Elemente aus dem Original werden aufgegriffen und variiert, allerdings alles recht überdreht und schrill. Hatte man in den 80ern noch ein Nobelhotel zerlegt, um den John Belushi nachempfundenen Slimer zu erwischen, wird hier ein grüner Drache auf einem peinlichen Hardrockkonzert gejagt (immerhin mit Ozzy Cameo). Anders als bei den Vorgängern haben wir es hier übrigens mit einem menschlichen Bösewicht zu tun anstatt mit einer übersinnlichen Bedrohung, zumindest den Großteil der Handlung. Und ab dann wird es auch erst albern und auf negative Art überzogen (Rowan hat als Figur recht gut funktioniert) und der Film fällt, pünktlich zum Finale, total auseinander. Hatte man sich an das Zusammenspiel der Frauen gewöhnt, wurde es ganz unterhaltsam, leider wirft man dann jede Zurückhaltung über Bord und unsere Heldinnen werden komplett lächerlich.
Gerade im Finale zitiert man da wie bescheuert das Original, plus grottig schlechte Tanznummer und natürlich CGI Implosion. Aus dem Marshmellow Man wird eine übergoße Variante des Logogeistes, die aussieht, als hätte sich ein Dreijähriger ins Bettlaken gewickelt, bevor man eben mitten in New York eine Nuklearexplosion auslöst und einem (geschlechtslosen?) Geist in die Kronjuwelen schießt. Aua. Und nachdem die Gefahr gebannt ist, macht man viel zu lange antiklimaktisch weiter.
Der Film hat durchaus lustige Momente, pendelt aber viel zu unmotiviert zwischen Remake und Zitat. Die drei überlebenden Originalghosstbussters sowie Janice und Sigourney Weaaver schauen vorbei, Slimer taucht am Ende mit Frau auf und auch sonst wird immer wieder das Original referenziert (funfact: die drei überlebenden Ghostbustersdarsteller haben Cameos. Nur einer hat dabei eine Beziehung zu einer der neuen Ghostbuster, und das ist natürlich die in beiden Filmen einzige POC.). Das ist phassenweise ganz unterhaltsam, dauert aber alles zu lange und wirkt stellenweise wie eine Selbstparodie. Der Film schafft es nicht, dem Stoff neue Seiten abzugewinnen, was schade ist, da ich den Bösewicht wie gesagt interessant finde und der Gender Swap hätte funktionieren können, wenn er mehr als Selbstzweck gewesen wäre. Vielleicht ist das Thema einfach durch, so gewinnt man ihm auf jeden Fall keine neuen Seiten ab. Schade.

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