Review

Nur mal schnell die Welt retten…
…das steht ganz oben im Oeuvre Roland Emmerichs, der natürlich wie üblich ganz gut darin ist, sie vorab erst einmal in Schutt und Asche zu zerlegen. Nachdem er schon Eiszeiten ausgelöst und Kontinente hat aufbrechen lassen, sind mit „Resurgence“ die Aliens mal wieder dran, mit denen er vor genau 20 Jahren seinen Superdurchbruch schaffte: es ist wieder „Independence Day“!

Zuletzt hatte sich der wackere Schwabe auch an gehaltvollerer Filmkost versucht, war aber trotz akzeptabler Ergebnisse an der Kasse zweimal krachend gescheitert – also lag der Rückgriff auf vergangene Erfolgsrezepte nahe, denn mit Ende Fünfzig kann so eine fx-orientierte Karriere auch ganz schnell in Hollywood zu Ende sein, wenn man es nicht mehr bringt.

Das Problem beim Wiederaufkochen des Rezepts: einerseits will man sich schunkelnd ja zurückerinnern, andererseits darf man nicht den zweiten Aufguß mit den gleichen Teeblättern, das muss ja schaler werden. Und so fühlt sich der Film dann auch an: als hätten mehrere Skriptteams gleichzeitig gearbeitet, um dann aus den Ergebnissen ein rasant geschnittenes Konglomerat zu destillieren.
Das knarrt und knackt dann aber an allen Ecken und Enden: „Resurgence“ ist natürlich eine Nummer größer; die Alientechnologie hat die Erde befriedet und technologisch voran gebracht, aber auch die Bedrohung ist größer, als die Aliens zum Abernten auf die Erde zurück kehren: 5000km Durchmesser hat das Mutterschiff, dass sich gemütlich gleich auf anderthalb Kontinenten nieder lässt (natürlich nicht auf den USA)! Das strapaziert die Logik unmäßig, sieht aber mordsmäßig aus.

Dumm ist, das s der Angriff und der Widerstand wieder ganz genauso ausfallen wie vor 20 Jahren: erst wird die Verteidigung pulverisiert, dann senkt sich das Mutterschiff, alles verbrennt oder explodiert und dann sitzen die Buben und Mädeln schon in ihren aufgemotzten Kampfjets und die Schlacht um den Todesstern kann beginnen.
Zwischendrin befragt man gefangene Aliens, indem man sich von ihnen fast erwürgen lässt, verpflichtet unwahrscheinliche Helfer, dringt in das Großraumschiff ein, reißt ein paar riskante Witze und kommt dann wie üblich immer recht zum finalen Rettungsschuss. Und einer darf sich für die Erde opfern.

Damit das nicht ganz so schal rüberkommt, hat die Wiederholungssache jedoch immer noch einen Haken: was damals funktionierte, geht diesmal beinahe, aber nicht ganz gut; hinterher ist immer noch eine Bedrohung übrig und notgedrungen müssen neue Pläne her.
Da man die Bedrohung monströs aufgeblasen hat, sozusagen „beyond belief“, muss der gute alte „deus ex machina“ aus der Kiste, bzw. aus der Kugel – eine außerirdische Sondenintelligenz, die gegen die Aliens kämpft und die Menschheit für den Widerstand schulen will, sofern sie das Auslutschen des Erdkerns zu Treibstoffzwecken verhindern kann.

Same Same – but a little bit different (but not too much) stand vermutlich auf dem Auftrags-Pitch und damit auch die nötige Portion Nostalgie möglich ist, sind die alten Haudegen wieder dabei, die man sich noch leisten konnten , allen voran Bill Pullman, Jeff Goldblum, Judd Hirsch und Brent Spiner. Alle spinnen ihr Garn erfolgreich weiter, wobei Hirsch perverserweise in zwanzig Jahren keinen Tag gealtert zu sein scheint, während sein Filmsohn Goldblum sichtlich faltig geworden ist.

Da Will Smith keine Lust mehr hatte, hat man stattdessen ein Quintett an jungen, frischen Gesichtern gecastet, die für die Action zuständig sind: Hemsworth-Bruder Liam, frisch aus Panem zurück, als rebellischen Bartträger; Smiths Filmsöhnchen, gespielt von Jessie Usher, Maika Monroe als Pullmans Film-Tochter; eine Jungmimin namens „Angelababy“(aua!) als Konzession an die einspielfreudigen Chinesen (hat nüscht zu tun) und dazu noch ein zögerliches Nichtgesicht für den Little-Brother-Konflikt!
Das fabulöse Ergebnis: keiner von denen hat irgendeinen Hauch von Ausstrahlung und deswegen ist man wegen ihnen auch überhaupt nicht besorgt – wie überhaupt nur reihenweise unwichtige Nebenfiguren sterben (so wie die 2-3 Milliarden ungenannten Feuersturmopfer). Emotionalität ist dieses Mal nicht die Sache der Stunde und Emmerich entledigt sich der lästigen Pflicht der Weltenzerstörung dann auch sehr routiniert, schnell und oberflächlich, dabei so gigantomanisch, dass man es wie einen lästigen Plotpoint abhaken kann.

Dass der Film dennoch halbwegs funktioniert, muss mit dem Willen zum „Leave your brain at home, it’s summer!“ erklärt werden – manche Oneliner funktionieren, die meisten Althelden sind zumindest sympathisch. Manche Ideen sind aber nur doof (der Steuerberater, der zum Widerständler wird), während andere unterentwickelt bleiben (der afrikanische Warlord mit der effektiven Anti-Alien-Schneide).
Da entsteht der Spaß an dem Leid meistens den gigantischen Logiklöchern der Handlung und der widerständlerischen Flickschusterei, die schlussendlich mit einem guten, alten trojanischen Pferd ans Ziel kommen (nachdem sonst jegliche physikalische Gesetzmäßigkeit schon ad absurdum geführt wurde) – aber gottseidank ist es diesmal kein Virusdownload via Smartphone oder so.

Fazit: ID4-2 ist verdammt nah am Trash, wie ihn die „Asylum“-Schmiede mit Vorsatz produziert, allerdings jeweils nur für ein Zwanzigstel des apokalyptischen Budgets von 165 Mio. USD. Für so viel Skriptcollage ist der Spaß ziemlich teuer und setzt zu sehr auf ein Publikum, dass Spektakel ohne Substanz genießen kann, solange die Filmemacher vorgeben, ironische Distanz zu bewahren.
Kreativ ist das hier vermutlich – und sollte es auch bleiben – das letzte Kapitel der Saga sein, da dass Einspiel den Wow-Effekt des Original nie replizieren konnte. Aber wer weiß, in 5 Jahren kriegt vielleicht ein Jungfilmer mit einem überraschenden Debütfilm die Alleinherrschaft über eine Viertelmilliarde Dollar und darf sich seinen Jugendtraum erfüllen – einen „Krieg der Sterne“-Reboot nebenan in der Heimatgalaxis…. (5/10 Goodwillpunkte aus Nostalgie…)

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