20 Jahre ist es her, dass Regisseur Roland Emmerich (STARGATE, DAY AFTER TOMORROW, WHITE HOUSE DOWN) die bösen Aliens auf die Menschheit losließ. Was mit einer Beinahe-Zerstörung der Erde abgewendet werden konnte, geht nun in die zweite Runde. Emmerich bricht hier sein Gelübde, niemals ein Sequel zu drehen. Und man wünscht, er hätte an seinem Schwur festgehalten…
INDEPENDENCE DAY 2 bietet noch fettere Riesenraumschiffe als in Teil 1. Eines davon ist so gewaltig, dass es eine eigene Gravitation hat und beim Anflug auf die Erde Autos und Wolkenkratzer fliegen und explodieren lässt. Das Ausmaß der Zerstörung ist mal wieder exorbitant hoch. Aber das ist heutzutage leider alles andere als neu. Wo man in den 90ern noch gestaunt hat, fühlt man sich heute eher übersättigt. Zu viele TRANSFORMERS, AVENGERS und Tom-Cruise-Filme in Zwischenzeit? Vielleicht. Die Synapsen ausgeleiert und der Anspruch an Popcornkino gestiegen? Auch. Hinzu kommt aber, dass ID2 so verehrende Fehler begeht, dass von Filmgenuss nur schwerlich die Rede sein kann.
1.) Kein Will Smith!
Ok, die Tatsache, dass „der Prinz von Bel-Air“ hier nicht auftritt, wäre vielleicht noch zu verschmerzen gewesen. Dem Film fehlt es jedoch allgemein an einem Helden, an einer zentralen Figur, an der man sich orientieren kann. Es gibt ein Wiedersehen mit „Mad Scientist“ Jeff Goldblum (JURASSIC PARK, DIE FLIEGE) und Ex-Präsident Bill Pullman (LOST HIGHWAY, WÄHREND DU SCHLIEFST) in Nebenrollen. Die Hauptrollen sind schwach besetzt mit Liam Hemsworth (TRIBUTE VON PANEM), dem „Bruder von Thor“, und Jesse T. Usher (LEVEL UP) als Will Smiths Filmsohn.
Den Plot zu tragen schafft keiner. Da wünscht man sich einen „Fresh Prince“, einen „Yippie Ya Yay“-Superhelden oder die stumpfsinnige 90er-Jahre-Actionfilm-Heroik sehnlichst herbei.
2.) Scheißstory!
In Teil 1 war alles ganz einfach: Aliens zerbomben die Welt, die Menschheit wehrt sich – Peng! Pow! Kaboom! – und Ende. In der Fortsetzung bohren die Aliens den Erdkern an. Dann gerät eine Mondbasis unter Beschuss. Eine fliegende Roboterkugel im Stile von BB-8 (STAR WARS 7) und Gort (DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND) sorgt für zusätzliche Verwirrung. Ebenso die Vielzahl an Charakteren und Nebenhandlungsschauplätzen. Man merkt, dass fünf Leute am Drehbuch herum gewurstelt haben.
3.) Voll langweilig!
Natürlich gibt es ein paar Neuerungen. Die Menschheit hat mittlerweile mit Alientechnologie aufgerüstet. Wir haben Laser und eine Basis auf dem Mond. Die Außerirdischen haben ein kollektives Bewusstsein. Eine fette Alien Mom, ähnlich dem Brainbug in STARSHIP TROOPERS (1997), steuert sie. Alles nicht so wirklich erwähnenswert.
Auch die Action haut nicht sonderlich vom Hocker. Wo 1996 Modelle zum Einsatz kamen, ist heute alles CGI und animiert. Darüber kann man diverse Grundsatzdiskussionen vom Zaun reißen. Deutlich wird jedoch, dass das Sequel das hohe Maß an Zerstörungsästhetik des Originals vermissen lässt. Einzig der Showdown mit dem „Brainbug“ fällt visuell ein wenig einladender aus.
Ich möchte mal behaupten, dass die Anspruchshaltung an INDEPENDENCE DAY 2 nicht sonderlich hoch war. Teil 1 war Trash. 75 Millionen Dollar teurer Trash. Nichtsdestotrotz aber mit bahnbrechenden Effekten, pfiffigen Sprüchen und hohem Unterhaltungsfaktor. Leider verkackt Teil 2, indem er die Dinge unnötig kompliziert macht. Eine Rückbesinnung auf alte Werte bzw. die 90er-Jahre-Stumpfsinnigkeit hätte dem Film gut getan.
Was bleibt, ist ein ziemliches Debakel. Eine langweilige, wirr erzählte Alienapokalypse. Dann vielleicht doch lieber STAR TREK: BEYOND als den diesjährigen Sci-Fi-Sommerloch-Stopfer?
Fazit:
Fast so schlimm wie TERMINATOR 5.