20 Jahre nachdem die Menschheit die außerirdischen Invasoren am 4. Juli besiegen und vertreiben konnte, droht neues Ungemach. Zwar haben die Menschen die Alien-Technologie übernommen und die Streitigkeiten untereinander beigelegt, doch dem neuerlichen Versuch der Außerirdischen, die Menschheit ihres überlebenswichtigen Erdkerns zu berauben, sind sie dennoch quasi schutzlos ausgeliefert. Ein Raumschiff in der Größe des Atlantiks bedeckt große Teile der Erde, ist mit einem unüberwindbaren Schutzschild ausgerüstet und vernichtet binnen Sekunden ganze Großstädte. Nichtsdestotrotz stellen sich die Menschen dem übermächtigen Gegner.
Nach eigenem Bekunden wollte Roland Emmerich keine Fortsetzungen zu seinen Filmen drehen und bisher hat er sich auch eisern daran gehalten, wenngleich gerade der gigantische finanzielle Erfolg von „Independence Day“ schon in den 90ern quasi zwangsläufig zu einer Fortsetzung hätte führen müssen. Und nun, 20 Jahre später, sollte es dann doch so kommen, wie es kommen musste und das selbstverständlich am 4. Juli. In Anbetracht der Boxoffice-Rekorde die „Jurassic World“, auch die Fortsetzung einer der großen 90er-Jahre-Blockbuster, zuletzt verzeichnen konnte, dürften die Verantwortlichen bei Fox in Hinblick auf mögliche Gewinne im neun- oder gar zehnstelligen Bereich ohnehin beim Gedanken an eine Fortsetzung des Sci-fi-Krachers hyperventiliert haben. Doch es sollte anders kommen als erwartet: Nach verhaltenen Kritiken waren die Einspielergebnisse eher mittelprächtig, ein echter Hype konnte nicht entfacht werden und Roland Emmerich verliert immer mehr von seinem Renommee. Dass der Shakespeare-Film „Anonymus“ oder das Historien-Abenteuer „10.000 B.C.“ nicht überzeugen konnten, war noch zu verschmerzen, aber „Independence Day 2“ war letztlich das perfekte Heimspiel für den Master of Desaster aus Schwaben. Und er scheitert krachend daran.
Das führt zur Frage, was den Vorgängerfilm, einen modernen Klassiker, eigentlich ausgezeichnet hat. Das dürften in erster Linie die Action-Gewitter und die Spezial-Effekte gewesen sein, über die in dieser Qualität damals bei weitem noch nicht jeder Film verfügte. Heute, da es nichts mehr gibt, was nicht problemlos am Computer täuschend echt animiert werden könnte, hätte es jedoch mehr als den auf Dauer fast schon ermüdenden Weltuntergangs-Bombast bedurft. Dynamische Verfolgungsjagden wie im Vorgängerfilm hätten jedenfalls mehr Spaß gemacht als die austauschbaren Luftgefechte, auf die Emmerich hier im Wesentlichen setzt, zudem hätten die Action-Szenen ruhig etwas kreativer sein können. Eine ikonische, stylische Szene, wie die Zerstörung des Empire State Buildings im ersten Teil sucht man so leider vergebens. Auch beim Design hätte man sich mehr einfallen lassen können, als ein schwarzes, klobiges Raumschiff, das einfach nur viel größer (und damit zu groß) ist als im Vorgänger. Die Aliens sehen derweil immer noch aus wie Ridley-Scott-Plagiate. Ein Eindruck, der sich beim Auftritt der Alien-Königin nur noch verstärkt. Das alles ist vielleicht nicht ganz so schlecht, wie es jetzt hier klingt, doch Emmerichs Anspruch sollte höher sein, als mittelprächtigen, einfallslosen, wenngleich gut gemachten Bombast abzuliefern. Immerhin geschieht das mit einer mitunter erfrischenden Eigenironie.
Nun war die Geschichte im 90er-Jahre-Blockbuster auch eher minimalistisch und etwas haarsträubend, was bei anderen Sci-fi-Klassikern wie „Armageddon“ jedoch nicht grundlegend anders war, doch dramaturgisch hatte Emmerich seinen Film perfekt zugeschnitten. Er ließ sich Zeit, um die Figuren einzuführen, während nun durch die Exposition hetzt, er verdichtete die Anzeichen einer Alien-Invasion allmählich, während er hier mit der Tür ins Haus fällt und zeigte auch mal längere Diskussionen um das richtige Krisenmanagement wie beim Atomschlag auf die gegnerischen Raumschiffe. Auch dafür lässt er sich hier keine Zeit, so wird nach der Auslöschung der US-Regierung binnen Sekunden irgendjemand am Rande als Präsident der USA vereidigt. Zwar bietet der hektisch erzählte Film durchweg ein gewisses Minimum an Unterhaltung, aber zu keinem Zeitpunkt mehr, weil der Verlauf des ersten Teils in groben Zügen kopiert wird. Und auch wer den Vorgängerfilm nicht kennt, der wird wohl damit rechnen, dass die Weltenrettung warten muss, bis die Aliens nur Sekunden davor stehen, den Erdkern zu plündern. Die Vorhersehbarkeit und das gehetzte Tempo sind also die Hauptprobleme, dass die Gesetze von Logik und Physik gewaltig überstrapaziert werden, dass viele Wendungen hanebüchen sind, wäre dagegen noch zu verschmerzen gewesen. Unnötig ist dennoch, dass eine weitere extraterrestrische Partei, die mit den Invasoren verfeindet ist, zusätzlich mit ins Spiel kommt.
Außerdem zeichneten den Vorgängerfilm seine sympathischen, mitunter kantigen, aber durchweg interessanten Figuren und Darsteller aus, wovon hier leider ebenfalls wenig übrig bleibt. Der charismatische Will Smith, der nie um einen Spruch verlegen war, wird durch seinen, von einem blassen Jessie Usher verkörperten Filmsohn und den neuen Helden Liam Hemsworth ersetzt, dessen Leinwandpräsenz gen null geht, was aber auch dem Umstand geschuldet sein könnte, dass seine Figur nicht mal ansatzweise an Profil gewinnt. In den 90ern waren es noch echte Männer mit Charisma wie Bruce Willis oder Will Smith, denen die Weltenrettung vorbehalten blieb, heute wird stattdessen mit Hemsworth ein nett aussehender Teenie-Schwarm besetzt, den man eins zu eins durch Zac Efron ersetzen könnte. Auch auf die übrigen neuen Gesichter hätte Emmerich getrost verzichten können, wobei zumindest der Macheten schwingende Warlord und die von Charlotte Gainsbourg verkörperte Psychologin etwas interessant sind. Womit wir bei den alten Gesichtern wären: Jeff Goldblum, im Original, wie auch in „Jurassic Park“, eine der Kultfiguren der 90er, wird weitgehend verheizt, hat vielleicht ein oder zwei witzige Sprüche und auch sein Filmvater Judd Hirsch hat nur wenige wirklich gute Szenen. Bill Pullman darf erneut eine hurra-patriotische Rede halten, nur dass die diesmal irgendwie verpufft, weil der Zeitpunkt nicht stimmt und sie deplatziert wirkt. Außerdem vermisst man schmerzlich einen wirklich witzigen Spaßvogel wie Randy Quaid.
Fazit:
Emmerich kopiert den Verlauf des Vorgängers, ohne sich auf dessen dramaturgische Stärken, wie das lange Luftholen am Anfang, die Einführung der Figuren und das Verdichten bedrohlicher Anzeichen, zu besinnen. Er kann mit seinem dilettantisch zusammengestellten Cast die Lücken nicht schließen, die Will Smith oder Randy Quaid hinterlassen haben und spielt die alten Gesichter, auf die er zurückgreifen kann, kaum aus. Statt seine Zuschauer mit innovativem, futuristischem Design, dynamischen Verfolgungsjagden oder einfallsreichen Action-Sequenzen zu begeistern, setzt er auf selbst für seine Verhältnisse übertriebenen Bombast und das ohne jeden Elan. Er sollte sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen, was seine großen Filme früher auszeichnete.
38 %