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Produzent Jason Blum musste nach dem Erfolg von „Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel“ nicht erst das Hexenbrett befragen, ob nicht vielleicht mit einer Fortsetzung oder einem Prequel ein wenig Kohle zu machen wäre. Kurzerhand wurde Regisseur Stiles White durch Mike Flanagan ersetzt, der auch am Drehbuch mitwirkte. Der Wechsel hat sich durchaus gelohnt.

1967 in Los Angeles: Alice arbeitet als Medium und gaukelt mithilfe ihrer zwei Töchter Lina und Doris arglosen Klienten vor, mit toten Angehörigen zu kommunizieren. Als sich Alice ein Hexenbrett anschafft, probiert Doris es heimlich aus und öffnet damit ruhelosen Seelen die Pforte…

Flanagan lässt sich auffallend viel Zeit mit der Figureneinführung, was im vorliegenden Fall positiv zu werten ist. Es wird eine Nähe zu den Protagonisten aufgebaut, man erhält einen Einblick in die Tricks der Gaukler und des Traumas durch den Verlust des Familienvaters.
Zudem wird das Zeitgefühl der End-Sechziger mit wenigen Mitteln hervorragend transportiert: Eine Handvoll passender Songs, entsprechende Frisuren und Klamotten und nicht zuletzt ein paar treffend gewählte Requisiten wie ein antiker Plattenspieler.

Der Spuk lässt hingegen ein wenig auf sich warten, denn bis das Hexenbrett seine volle Wirkung entfaltet, ist beinahe die Hälfte der Spielzeit erreicht. Dabei wird weniger auf Schockmomente gesetzt, als auf eine dichte Atmosphäre, welche sich primär durch unheimliche Situationen im Haus ergeben, etwa nach einem Alptraum oder beim Vorfinden eines verlassenen Bettes.

Im letzten Drittel dreht Flanagan deutlich auf, liefert entsprechend mehr Spezialeffekte und ein merklich angezogenes Tempo, wobei auf explizite Gewalteinlagen verzichtet wird. Der Ausgang vermag einigermaßen versöhnlich stimmen, wobei eine Szene nach dem Abspann den Kreis zum Original schließt.

Letztlich werden recht gute darstellerische Leistungen erbracht und auch handwerklich ist im Grunde nichts anzukreiden. Inhaltlich bewegt sich der Streifen irgendwo zwischen Familiendrama, Besessenheitsmystery und Exorzismusgrusel, was in seiner Mischung zwar kaum Innovationen liefert, jedoch eine taugliche Atmosphäre und Empathie für die Figuren erzeugt.
6,5 von 10

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