Review

Eine amerikanische Kleinstadt Ende der Sechziger Jahre - die verwitwete Wahrsagerin Alice Zander (Elizabeth Reaser) muß ihre beiden Kinder durchbringen, was sie mehr schlecht als recht schafft. Dass ihre Séancen ein ausgemachter Schwindel sind, wissen auch die beiden Mädchen, die ihre Mama beim heimlichen Kerzenausblasen und Geräuscheerzeugen tatkräftig unterstützen. Um ihr Portfolio zu erweitern, akzeptiert Alice eines Tages auch ein Ouija-Brett, wie ihre ältere Tochter, die pubertierende Lina (Annalise Basso) ihr vorschlägt. Zunächst erfüllt dieses Ouija-Brett auch seinen Zweck, bis die jüngere Tochter, die 9jährige Doris (Lulu Wilson), sich zunehmend mehr dafür interessiert und damit alleine zu spielen beginnt. Bald stellen sich finstere Kräfte ein, die von der Kleinen Besitz ergreifen...

Der Mystery-thriller Ouija - Ursprung des Bösen beginnt mit einer fein-nuancierten Figurenzeichnung der drei Damen, die sich in einer spießbürgerlich-sauberen Kleinstadt-Umgebung durchs Leben schlagen müssen. Mit viel Liebe sind die Kulissen gestaltet, sei es der akkurate Holzzaun um das kleine Haus, in dessen Garten sich die fortune teller-Tafel befindet, seien es die typischen Frisuren oder auch die zeitgenössischen amerikanischen Autos. Behutsam wird der Alltag der alleinerziehenden Mutter geschildert, die sich einerseits um ihre kleine Tochter kümmern muß, damit diese nicht zuviel Zeit vor dem Fernseher verbringt, andererseits den amourösen Avancen eines Mitschülers ihrer älteren Tochter einen Riegel vorschieben muß (was sie recht rigoros durchsetzt). Dazwischen gibt sie hilfesuchenden Fremden mittels ihrer (geschwindelten) Séancen Hoffnung. Das alles ändert sich, als Doris immer mehr in den Einfluß des Ouija-Bretts gerät, auf welchem sie nachts alleine spielt. Bald vermag sie in der Schule Aufgaben spielend lösen, findet im Keller des Hauses verstecktes Geld, das Mama Alice dringend benötigt um einer Zwangsräumung zu entgehen und schreibt letzten Endes seitenweise Texte in einer fremden Sprache, die sie gar nicht sprechen kann. Als sich der verständnisvolle Schuldirektor Pater Tom (Henry Thomas) schließlich einschaltet, den fremden Text übersetzen läßt und der Familie daraufhin und deswegen einen Besuch abstattet, kommen die Dinge ins Rollen...

Bis dahin ist etwa eine Stunde Spielzeit vergangen, man kann dem Plot folgen, auch eine gewisse Spannung wird aufgebaut, was es denn nun mit den geheimnisvollen Mächten auf sich hat, die die kleine Doris so sehr beeinflussen, ob es tatsächlich der Geist des verstorbenen Vaters ist, der sie lenkt und ob aus der zarten Liaison von Lina und Mikey doch noch etwas wird. Dann jedoch fangen die zuvor sorgsam gezeichneten Figuren an, sich komplett unlogisch zu verhalten und der Plot kippt in eine Ansammlung von übersinnlichen Phänomenen ab, die mittels tricktechnischen Spielereien in beschleunigtem Tempo ablaufen und den Zuseher verwirren und am Ende nur noch ratlos zurücklassen. Der Bezug der fremden Sprache (hier: polnisch) zu einem KZ-Arzt und dessen mörderischem Treiben in einem amerikanischen Keller nach dem 2. Weltkrieg ist vollkommen willkürlich und wird auch nicht weiter ausgeführt (gezeigt werden ein paar OP-Instrumente, das wars). Es ist schade bis ärgerlich, wenn eine sauber aufgebaute Storyline plötzlich in diffusen Actionszenen verschwimmt, die keinem klaren Muster folgen: Lina, die sich im Lauf des Films in den Mitschüler Mikey verliebt zu haben scheint, da er sie - dank Mamas strenger Worte - sehr zuvorkommend behandelt und sie zum Ball eingeladen hat, zeigt null Reaktion, als dieser Mikey plötzlich erhängt im Treppenhaus herunterbaumelt. Pater Tom hört Radiomusik aus dem Keller, weiß sofort daß diese aus einem Lüftungsschacht kommt, öffnet diesen und kriecht hindurch - auf die Idee, die Polizei (oder wenigstens die Nachbarn) zu holen, kommt keiner. Die zuvor wohldosiert eingesetzten CGI-Effekte (ein zugenähter Mund, weiss-blinde Augäpfel, verzerrte Gesichter), die gerade durch ihren spärlichen Einsatz für eine bis dahin gruselige Atmosphäre gesorgt hatten, kommen in dieser letzten halben Stunde fast schon im 2-Minuten-Takt und machen den ohnehin wirren Plot noch undurchsichtiger. Selbst als langsam klar wird, daß die zur Killerin mutierte kleine Doris das Leben aller Anwesenden bedroht, wird kein Versuch unternommen, eventuell zu fliehen oder Hilfe zu holen...

Der Umstand, dass der Film eigentlich ein Prequel zu einem schon 2 Jahre vorher abgedrehtem, noch deutlich schlechter bewertetem Streifen mit derselben Ouija-Brett-Thematik ist und einfach einen erneuten Versuch darstellt, mit dem Thema Kasse zu machen, kann als Ausrede nicht gelten: nach dem guten Beginn ist dieses Ende einfach nur ärgerlich. Nicht, daß die grundsätzliche Story nicht schon zur Genüge aus Das Omen, Der Exorzist oder Poltergeist und seinen Derivaten bekannt wäre - wenn sie wenigstens gut gemacht ist, tut dies dem Filmvergnügen ja keinen Abbruch - aber Ouija - Ursprung des Bösen ersauft im letzten Drittel des Films in selbstzweckhaften Schockeffekten und grenzenlosen Logiklöchern - diesen unausgegorenen Schwachsinn kann man sich sparen. 3 Punkte.

Details
Ähnliche Filme