Zwei Dinge sind laut Albert Einstein unendlich: 1.) Das Universum, 2.) das Misstrauen gegenüber den neuen DC-Verfilmungen. Aber beim Universum war sich der Gute nicht sicher...
DC Comics erweitert sein Universum um ein paar Bösewichte. In SUICIDE SQUAD sind die Bösen die Guten. Irgendwie zumindest. Die gefährlichsten Verbrechern von Gotham und Metropolis werden zwangsrekrutiert. Ihre Miliz soll als Gegenpol dienen, für den Fall, dass ein allmächtiges Wesen wie Superman erneut die Metropole heimsucht und seine Macht missbraucht. Bald winkt die Feuertaufe gegen eine überlegene, übernatürliche Bedrohung...
Die Super-Bösewicht-Gang besteht aus:
– Deadshot (Will Smith, MEN IN BLACK, INDEPENDENCE DAY), der tödlichste Auftragskiller und beste Scharfschütze der Welt. Will Smith überzeugt mit taffen Onelinern und echter Coolness. Schön mal wieder was von ihm zu sehen.
– Harley Quinn (Margot Robbie, WOLF OF WALL STREET, LEGEND OF TARZAN), die durchgeknallte Braut des Jokers. Hotpants, Netzstrümpfe, Baseballschläger. Und immer einen doofen Spruch auf den Lippen. Halb "Sexy Hexi", halb Komödientrottel. Ohne Zweifel: Ohne die hübsche Dame mit dem säurezersetzten Hirn wäre der Film nur halb so sehenswert.
– Enchantress (Cara Delevingne, MARGOS SPUREN, PAN), so etwas wie der Geist einer antiken Hexe oder das Mädchen aus THE RING. Wer glaubt, das Skandal-Model mit den markanten Augenbrauen gäbe sich mit einer mickrigen Nebenrolle zufrieden, der irrt. Enchantress (zu deutsch: Zauberin, bezaubernde Frau) mausert sich zum Oberschurken. Das Model absolviert ihren Ausflug auf die Leinwand mit Bravour.
ferner:
– ein Krokomann,
– ein Feuerteufel und lebende Fackel,
– ein australischer Prolo und Meisterdieb (Jai Courtney, STIRB LANGSAM 5, TERMINATOR 5).
Nicht zum "Squad" gehörend, aber mit Hochspannung erwartet:
– der Joker, verkörpert von Jared Leto (REQUIEM FOR A DREAM, DALLAS BUYERS CLUB, AMERICAN PSYCHO). Als die ersten Bilder der Neuinterpretation des Säure-Jockels im Internet auftauchten, waren die Reaktionen gemischt. Begeisterung vermengte sich mit Hohn und Enttäuschung. Nach der Sichtung fühlt man sich immer noch unentschieden: Jared Leto spielt den Joker zufriedenstellend und das trotz Marilyn-Manson-Look und "Grillz". Im Vergleich zu Jack Nicholson und Heath Ledger kackt er aber ab. Bleibt abzuwarten, wie sich die Figur des Jokers in weiteren DC-Filmen entwickelt.
Man kann SUICIDE SQUAD ähnliche Macken vorwerfen wie BATMAN V SUPERMAN. So bringen alle Superschurken ihre eigene Story, ihr eigenes Drama mit, was gut und gern Stoff für vier oder mehr Filme geliefert hätte. Der Plot wirkt somit komplett überfrachtet. Auch dass sich Regisseur und Studio nicht einig wurden, diverse Nachdrehs stattfanden und an der endgültigen Version viel herumgeschnibbelt wurde, merkt man dem Endergebnis an. Die Story wirkt nicht straight, holpert, auch ein paar Ungereimtheiten hier und da.
Die typischen Macken eines Blockbusters, so könnte man meinen. Doch bereits kurz nach seinem Kinostart sammelte der Film Negativkritiken und wurde förmlich zerrissen. Ist SUICIDE SQUAD wirklich so schlecht? Oder hat sich gegenüber DC bereits so viel Hass angestaut, dass man geneigt ist etwas überkritisch zu urteilen?
Dass die Marvel-Jünger den Film "schlechtreden", ist verständlich. Im Vergleich zu "Captain America & Co." ist diese Negativ-Version der AVENGERS tatsächlich sehr anders. Viel düsterer, pessimistischer, unkonventioneller, weniger auf Spaß und heile Welt getrimmt. Das beißt sich freilich mit den Sehgewohnheiten des Durchschnittskinogängers. Aber wie die hübsche Harley Quinn ganz richtig bemerkt:
"'Normal' ist leider nur eine Einstellung am Trockner."
Mit SUICIDE SQUAD kommt DC erstmals ganz nahe an Marvel ran. War BATMAN V SUPERMAN noch bierernst und nicht zum Spaßen aufgelegt, kommt SUICIDE SQUAD um einiges peppiger, poppiger, kurzweiliger und spaßiger daher. Der düstere Look jedoch bleibt.
Ähnlich wie beim GHOSTBUSTERS-Reboot wirkt der Shitstorm übertrieben und ungerechtfertigt. SUICIDE SQUAD bietet alles, was Popcorn-Kino zu bieten haben muss: satte Action, fette FX, coole Helden, das 3D kommt ach ganz gut. Und wer den Streifen wegen Hirnlosigkeit, mangelndem Tiefgang und "Eyecandy"-Effekthascherei verteufelt, darf in Zukunft wohl leider nur noch in Programmkinos Arthaus-Filme glotzen.
Vom Regisseur von END OF WATCH und HERZ AUS STAHL. Mit Songs von Eminem ("Without me"), Lil Wayne & Wiz Khalifa ("Sucker for Pain"), Skrillex und Panic! at the Disco ("Bohemian Rhapsody").
Fazit:
It's good to be bad!