Review

„Scream 2“ thematisiert die Diskussion, ob Fortsetzungen besser sein können als das Original. Und tatsächlich gelang dem wiedervereinigten Team aus Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor Kevin Williamson ein Film, der sich mit dem Original messen kann.
Die Geschehnisse des Erstlings wurden inzwischen unter dem Titel „Stab“ verfilmt – nach dem Tatsachenroman von Reporterin Gale Weathers (Courteney Cox). Doch für die Studenten Phil Stevens (Omar Epps) und Maureen Evans (Jada Pinkett) endet der Besuch der Preview des Films höchst unerfreulich: Beide werden erdolcht. Klar ist der Opener von „Scream“ fast unschlagbar, aber „Scream 2“ hat einen anderen, aber beinahe ebenso guten, weil humorvolleren Beginn. Dieser funktioniert auf mehreren Ebenen, Zum einen die Idee mit „Stab“: In dieser Verfilmung zeigen Craven und Williamson, wie schlecht man einen Slasherfilm hätte drehen können, vordergründige Nacktheit, gestelzte Dialoge und mieses Schauspiel inklusive. Zum anderen ist der Beginn insofern spannend, da der Mörder seine Tun hier vor aller Augen vollzieht, jedoch davonkommt, da hier die Leute reihenweise maskiert sind und mit Gummimessern aufeinander einstechen – jeder könnte der Täter sein. Und zuletzt thematisiert der Film Genreregeln des Slashers: Maureen beschwert sich über das Fehlen afroamerikanischer Elemente in Horrorfilmen – um bald selbst dieses Element zu sein, womit „Scream 2“ entsprechenden Regeln bricht und bestätigt, wie schon der Vorgänger. Nicht uninteressant: Mit „Vampire in Brooklyn“ hatte sich Wes Craven wenige Jahre noch zuvor an einem afroamerikanischen Horrorfilm versucht.
So gibt es für Sidney Prescott (sexy as hell: Neve Campbell), inzwischen Studentin am Windsor College, ein böses Erwachen: Nach dem Mord an ihren Kommilitonen glaubt sie, dass ihr Leben erneut in Gefahr ist. Im Gegensatz zu Randy Meeks (Jamie Kennedy), der noch im Filmtheorie-Seminar über Fortsetzungen fachsimpelt. Die Seminarszene ist sowieso eine klasse Reflexion über das Thema und das Wiedersehen mit Randy, dem heimlichen Helden von „Scream“, macht einfach Laune. „Terminator 2“, „Aliens – Die Rückkehr“ und „Der Pate II“ stehen als Filme im Raum, die ihr Original eventuell übertreffen, worüber man ähnlich trefflich streiten kann wie die Filmfiguren.

Doch leider erweist sich Sidneys Vermutung als richtig und ein Serienkiller macht wieder Jagd. Um den Jugendlichen zu helfen stellen Gale und Dewey Riley (David Arquette), die beiden inzwischen aus verschiedenen Motiven eingetroffen sind, eigene Ermittlungen an – wobei sie sich näherkommen...
Für den Plot des Sequels schrieb Williamson ein Script, das nicht (wie so häufig im Slasherfilm) einfach nur mehr vom Gleichen bietet, sondern die Geschichte konsequent weiterdenkt. Der Mörder/die Mörderin/mehrere Mörder ist/sind dieses Mal nicht zu erraten (oder nur mit Glück), während im ersten Teil das Feld etwas schneller ausgedünnt wurde und man vielleicht etwas eher darauf kam. Hier stehen noch mehr Verdächtige parat, von den Freunden am College über wichtige Nebenfiguren wie den im Vorgänger fälschlicherweise des Mordes verdächtigten Cotton Weary (Liev Schreiber) bis hin zum kleinen Randfiguren, etwa zwei Verbindungsschwestern, die oft am Ort der Morde sind. In Sachen Motiv kann man nicht ganz an den Erstling anschließen, hat aber wieder eine originelle Idee parat – nicht zuletzt ist das Wechselspiel von medialer und realer Gewalt dabei wieder ein Thema.
Bis es zur Auflösung kommt, lässt Ghostface allerdings ein paar Leute dran. Die Attacken des Killers sind wieder als Spannungshöhepunkte mit doppelten Böden, mal mehr, mal weniger erfolgreichen Fluchtversuchen und netten Schocks. Außerdem bedienen sie sich auch dieses Mal des patentierten Telefonterrors. Auch wenn die Ermordung Drew Barrymores in „Scream“ unerreicht bleibt, so sind die Szenen in denen u.a. Sarah Michelle Gellar als Cici Cooper über die Klinge springen muss, wieder sehr spannend und man wartet förmlich darauf, dass der Killer zuschlägt, um die Anspannung zu lösen. Nicht ganz so derbe wie der Vorgänger, durchaus heftig kommen die Effekte daher; gerade die Szene mit der Eisenstange ist schon reichlich hart. Aber es geht hier weniger um Gore, mehr um Spannung und um Witz.

Der Humor von „Scream 2“ ist zwar immer noch ironisch, wenn auch offen komödiantischer als der des ersten Teils. Doch launige Dialoge und kleine Gags lockern den Plot auf, so dass der Film einen etwas anderen Weg als Terrorschocker der Marke „Halloween“ einschlägt. Was auch gar nicht schlecht ist, da diese Angstklassiker schwer zu erreichen sind. So passt es dann auch zu dem etwas lockeren Ton des Films, dass nicht mehr so viele Szenen nachts spielen. Vor allem die Szenen um die Verfilmung „Stab“ sind herrlich gemeine Seitenhiebe darauf, was einige Produzenten aus dem Horrorgenre gemacht haben, während sich die Figuren pointierte Dialoge noch und nöcher um die Ohren hauen.
Der Humor von „Scream 2“ ist zwar immer noch ironisch, wenn auch offen komödiantischer als der des ersten Teils. Doch launige Dialoge und kleine Gags lockern den Plot auf, so dass der Film einen etwas anderen Weg als Terrorschocker der Marke „Halloween“ einschlägt. Was auch gar nicht schlecht ist, da diese Angstklassiker schwer zu erreichen sind. So passt es dann auch zu dem etwas lockeren Ton des Films, dass nicht mehr so viele Szenen nachts spielen. Vor allem die Szenen um die Verfilmung „Stab“ sind herrlich gemeine Seitenhiebe darauf, was einige Produzenten aus dem Horrorgenre gemacht haben, während sich die Figuren pointierte Dialoge noch und nöcher um die Ohren hauen. Für diverse In-Jokes ist natürlich auch Raum: Und hatte Sidney noch im ersten Teil angemerkt, dass sie im Falle einer Verfilmung vermutlich das Pech habe von Tori Spelling gespielt zu werden, so darf hier das Wahrwerden der Befürchtung begutachtet werden.

Mehr noch als der erste Teil steckt „Scream 2“ voller Anspielungen auf das Horrorgenre und Filme allgemein. Von einer auf „Top Gun“ anspielenden Gesangseinlage in der Mensa über Verweise auf Courtney Cox‘ „Friends“-Kollegen David Schwimmer und Jennifer Aniston bis hin zu Gastrollen von David Arquettes Vater Lewis, Wes Craven und Matthew Lillard reicht die Palette. Wenn die „Stab“-Szenen zu Beginn die Duschsszene aus „Psycho“ zitieren oder eine axtschwingende Sidney im Finale gewissermaßen „Shining“ umdreht, dann wird natürlich dem Horrorfilm Tribut gezollt. Hauptthema bleiben natürlich Fortsetzungen und ihre Beziehung zum Original, gerade die Frage nach dem Zusammenspiel von Variation und Wiederholung in einem Sequel sollen hier sogar bei der Killersuche helfen. Denn natürlich gehen die potentiellen Opfer, allen voran Randy, davon aus, dass auch hier wieder Horrorfilme als Inspiration für den Killer dienen. Ein weitere Konsequenz der Horrorkennerschaft der Hauptfiguren ist die, dass sie nicht naiv in die Fortsetzung gehen: Sidney etwa hat von Anfang an Caller-ID an ihrem Telefon. Mit Sidneys Engagement in einer Theatergruppe zeigen Craven und Williamson nicht nur Verbindungen der darstellenden Künste auf, sondern erlauben sich zudem ironisches Foreshadowing: Meine Sidneys Schauspieltrainer es noch bildlich, wenn er ihr erzählt, dass der Künstler seine Dämonen auf der Bühne bekämpfen müsse, so ist das später wörtlich zu nehmen.
Die Schauspieler sind allesamt gut, so dass ich es mir spare jede einzelne Leistung zu besprechen. Erste Sahne ist allerdings Neve Campbell; insgesamt stechen die Überlebenden des ersten Teils schauspielerisch am meisten raus. Etwas nervig ist Nutellabacke Jerry O’Connell, aber um so mehr Spaß macht es ihn „später“ im Film zu sehen (*ggg* jeder Kenner sollte die Szene wissen, die ich meine).

Sind Fortsetzungen grundsätzlich schlechter als das Original? „Scream 2“ kann nicht als eindeutige Antwort auf die Frage gelten, bewegt sich Cravens und Williamsons Sequel doch auf Augenhöhe mit dem famosen Original: Ebenso witzig wie spannend, selbstironisch wie selbstreflexiv und noch dazu großartig besetzt kommt die Fortsetzung daher.

Details
Ähnliche Filme