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Aufgrund des Erfolgs von „Scream“ (1996) kam ein Jahr später die Fortsetzung in die Kinos. Wieder inszeniert von Wes Craven nach einem Skript von Kevin Williamson versammelte man die überlebenden Figuren und führte die Geschichte weiter. Dabei dreht es sich wieder um Sidney (Neve Campbell), die inzwischen auf's College geht und die wieder im Zentrum einer Mordserie steht. Denn Ghostface geht wieder um.

„Scream 2“ beginnt stark und besinnt sich auf die Mechanismen, die den Erstling so unterhaltsam machten. Ein Kinobesuch, bei dem die Verfilmung der Ereignisse aus „Scream“ gezeigt wird und so zu einem Metafest wird. Denn in Kenntnis des Vorgängers erkennt man die Abweichungen zwischen dem Film im Film und der quasi-Vorlage, während sich über Genreklischees ausgelassen wird und die Fortsetzung diese teilweise gleich widerlegt. Eine herrliche Sequenz. Und auch wenn über die weitere Spielzeit die Mechanismen insbesondere von Fortsetzungen und Filmgewalt zentrale Rollen einnehmen – so komprimiert bekommt man das nicht wieder zu sehen.

Der/die/das Killer geht auf dem Campus um und so werden natürlich wieder diverse Verdächtigungen gestreut und ein Misstrauen im Hinblick auf viele Figuren etabliert. Das kennt man aus dem Vorgänger und ist ein probates Mittel, um den Whodunit-Faktor zu erhöhen. Doch erreicht die Fortsetzung nie die Verve des Vorgängers, trotz vieler bekannter Gesichter und den Kommentaren von Randy (Jamie Kennedy) zum Thema Genrekonventionen.
Neben Campbell recherchiert auch wieder Gale Weathers (Courtney Cox) durch die Gegend. Hier den Spieß mal umzudrehen und sie ebenso in den Mittelpunkt der sensationsgeilen Presse zu stellen, ist ein netter Dreh. Da rückt ihr Laurie Metcalf als Lokalreporterin Debbie Salt immer wieder auf die Pelle. Auch Dewey Riley (David Arquette) schaut wieder vorbei, sympathisch wie gewohnt, nur ist die wieder aufgewärmte Anbahnung mit Gale nicht gerade innovativ. Jerry O'Connell als Sidneys neuer Freund Derek ist von Anfang an unsympathisch und dient in bekannter Art als Spielball des Skripts. Und dieses schafft es hier nicht, die neuen Figuren so interessant wie die im ersten Teil zu gestalten, sodass man letztlich auf die schon bekannten Figuren fokussiert bleibt und sich das Gefühl der Erweiterung in Grenzen hält.

Insgesamt ist Nummer zwei trotz manch trockenem Witz gefühlt ernster geraten, lässt sich dies aber nicht mit einer erhöhten Spannungskurve auszahlen. In kurzen Schüben ist das okay, denn auch liebgewonnene Figuren sind nicht vor dem Messer sicher, trotzdem ist Suspense nicht die Stärke des Films. Dazu ist auch die Auflösung am Ende etwas zu (gewollt?) drüber.
Die Kills sorgen da schon eher für Aufsehen, in gewisser Regelmäßigkeit muss jemand dran glauben und die Anzahl ist, wie selbst angekündigt, etwas höher als im Erstling. Und wenn man genau hinsieht, umarmt ein Killer aus Teil eins hier mal einen aus Teil zwei. Auch dass sich Sidneys Vorhersage aus dem Vorgänger bewahrheitet, wer sie in einer Verfilmung spielen würde, ist durchaus amüsant.

Trotz aller Kritik ist auch „Scream 2“ ein unterhaltsamer, selbstironischer Slasher mitsamt dezenter Genreparodie in einem. Geht ihm durch den famosen Vorgänger auch das Neue in seiner Inszenierung ab, so führt er die Geschichte mit diversen Verweisen auf Medien und Filmmechanismen weiter. In der Aufzählung der Filmklasse zum Thema Fortsetzungen würde er allerdings nicht genannt werden.

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