Das Spielfilmdebüt von Ed Ehrenberg, der sich bislang für einige Episoden gängiger TV-Serien auszeichnete, sollte ursprünglich das Abschlussprojekt von 20 Schauspielern der MFA (München Film Akademie) markieren. Herausgekommen ist eine kraftvolle Parabel auf die Kriegsgräuel im Zweiten Weltkrieg.
Im Oktober 1941 rettet sich eine kleine Gruppe Wehrmachtssoldaten in ein ukrainisches Dorf, in dem russlanddeutsche Frauen und Kinder leben. Zunächst geht man ein Bündnis ein und hilft sich gegenseitig, doch dann führt eine Kettenreaktion zur Eskalation…
Die Erzählung benötigt ein wenig, um Fahrt aufzunehmen, da der entsprechende Hebel erst nach rund 40 Minuten betätigt wird. Bis dahin überzeugt vor allem das glaubhafte Setting und die grundsolide Ausstattung, denn gedreht wurde sechs Wochen in einem polnischen Freilichtmuseum, während die verschneite Landschaft und der ausgezeichnet abgestimmte Score ebenfalls zur Atmosphäre beitragen.
Leider wird versäumt, die Figuren ein wenig intensiver zu durchleuchten. Erst innerhalb der Ausnahmesituation offenbaren die Soldaten ihr wahres Ich, während unter den Frauen im Dorf nur jene heraus sticht, die den Deutschen von vornherein misstraut.
Allerdings zeigt sich früh die allgemeine Unerfahrenheit der überwiegend jungen Soldaten, was spätestens bei einer Feier am Vorabend ihrer Abreise sichtbar wird, als sich schließlich zwei folgenschwere Ereignisse kurz hintereinander ereignen.
Was folgt, ist ein klassisches Beispiel für Gruppendynamik innerhalb einer Extremsituation.
Wie wird eine Gewaltspirale in Gang gesetzt, wer ist Freund, wer Feind und wo ist eine Grenze, wenn überhaupt? Speziell im Mittelteil fällt die Abfolge von Aktion und Reaktion recht glaubhaft aus, gegen Ende kommt der Gewaltrausch allerdings etwas zu geballt und ein wenig überkonstruiert daher. Der Bodycount ist nicht unerheblich, wobei die Gewalteinlagen oftmals nur angedeutet werden und sich der überwiegende Teil im Kopf des Betrachters abspielt.
Ein deutliches Plus sind die treffend besetzten Mimen, die im Kollektiv grundsolide performen. Erwartete Unsicherheiten bleiben komplett aus, es sind glaubhafte Nuancen auszumachen, lediglich einige Dialoge kommen etwas verschluckt rüber, was teilweise einer nicht immer optimalen Tonabmischung geschuldet ist, die hinsichtlich des Titels ein wenig überambitioniert arbeitet.
Ansonsten punktet der Streifen mit einer authentischen Atmosphäre, einem guten Gespür fürs Timing und zahlreichen spannenden Einlagen, die Teil der Eskalation sind.
Nachdenklich stimmt bei alledem, dass sich so eine Situation an nahezu jedem Kriegsschauplatz der Welt ereignen könnte, was der Geschichte zusätzliche Intensität verleit.
7 von 10