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1941 befindet sich eine kleine Gruppe deutscher Soldaten in der Ukaine hinter den feindlichen Linien. Sie sind auf der Flucht und gelangen bei ihrem beschwerlichen Weg durch den kalten Winter in ein Dorf, in dem sie nur Frauen, Kinder und Alte antreffen, Russlanddeutsche. Sie werden zunächst freundlich aufgenommen, doch Hass lässt die Situation eskalieren.


Seinerzeit war die Situation für Russlanddeutsche höchst unangenehm. Auf der einen Seite die Unterdrückung und Verfolgung Stalins, auf der anderen Seite Nazideutschland. Neutralität war inakzeptabel. Letztlich konnten sie nur hoffen, die Seite zu wählen, mit der sie überleben konnten. So zumindest stellt es der Film dar, ein Thema mit dem ich mich nicht auskenne, deshalb kann ich da nicht näher drauf eingehen.


Das Script teilt den Film grob in zwei Teile. In der ersten Hälfte nähert man sich an, ist weitgehend freundlich. Auch werden die deutschen Soldaten keineswegs als Monster gezeichnet, sondern als normale Menschen, die lieber auf dem Bolzplatz als auf dem Schlachtfeld wären oder einfach froh sind, für die Nacht der Kälte zu entkommen.

Die Frauen hingegen sind froh, dass es die Deutschen und nicht russische Soldaten sind, erwarten sie von letzteren doch nur übles und hoffen nun auf Rettung. Entsprechend werden auch bald einige Avancen gemacht, Freundschaften deuten sich an.

Aber natürlich gibt es auf beiden Seiten Fanatiker, die mit dem Waffenstillstand oder gar Frieden im Dorf nicht ganz einverstanden sind. Und so zieht ein Blowjob einen Mord nach sich und einen weiteren und die Situation gleitet allen aus den Händen. Miteinander reden ist nicht mehr möglich, die Eskalation nicht aufzuhalten.


Die Schrecken des Krieges, wie der deutsche Untertitel lautet, bekommen wir hier gar nicht so sehr mit. Vielmehr erfahren wir hier von der Sinnlosigkeit des Krieges, von der Hilflosigkeit guter Menschen, wenn Hass um sich greift. Was da in der zweiten Hälfte an Toten zusammenkommt, wollten eigentlich beide Seiten nicht, zumindest die meisten auf beiden Seiten. Doch es gibt Befehle und Regeln auf der einen und Wut und Verzweiflung auf der anderen Seite.

Ist die erste Hälfte noch von Optimismus und sogar Humor geprägt, zeichnet sich die zweite Hälfte durch ein gerüttelt Maß an Pessimismus aus. Das Geschehen stimmt traurig und sorgt für Verständnislosigkeit ob der sinnlosen Gewalt.


Die Darsteller:innen liefern durch die Bank saubere Performances ab und der Score ist stimmig, fördert die winterliche Kriegsatmosphäre. Inszenierung, Schnitt und Kamera bewegen sich imho auf hohem Niveau.

Das größte Manko des Films sind sozusagen die Sympathien, die sich bei mir recht gleichmäßig auf Dörfler und Deutsche verteilt hat. Mitfiebern war möglich, aber ich innerlich hin und her gerissen.


Ein vergleichsweise stiller und unangenehmer, aber hervorragender Kriegsfilm, den mehr Leute sehen sollten.

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