Review

kurz angerissen*

Auch wenn das Richten über den Piloten von „Sully“ verglichen mit dem alkoholisierten Kunstflieger von „Flight“ etwas subtiler vonstatten geht, bezogen auf den mehr als nur ähnlichen Plot kann Clint Eastwood nur noch das „True Story“-Label zücken, um die Realisierung dieses Films zu rechtfertigen. Und selbst wenn die Ausgangslage nicht ganz so handfest ist wie in Zemeckis' Pilotenfilm, so zielt sie doch darauf ab, die Theoretisierung durch fachfremde Entscheidungsträger zu hinterfragen und zögert dabei auch nicht, dem Sympathieträger (Tom Hanks) und seinem Sidekick (Aaron Ackhart) einen Haufen gesichtsloser Unsympathen in den Weg zu stellen, die vermeintlich aus reinem bürokratischen Stursinn ihre Entscheidung treffen.

Der Ansatz hat einen lobenswerten Kern, entbehrt aber leider einer umfassenden Gesamtbetrachtung und bemüht so ein vereinfachtes Bild von Gut und Böse. In Rückblenden wird das Ereignis zurückgespult und analysiert, um keine Zweifel daran zu lassen, dass der Kapitän des Flugzeugs in einer Notsituation richtig gehandelt hat. Ungerechte Befragungen führen zeitgleich zu Alpträumen, die aus Schuldgefühlen entstehen, die der Justizapparat einem Mann aufdrängt, der lediglich nach bestem Gewissen gehandelt hat. So weit, so gut; dass letztlich aber einer Computersimulation der Status des Gerichtsbeweises mit der höchsten Relevanz zugesprochen wird, ist Ironie, die schmerzt; selbst wenn der „Faktor Mensch“ nachträglich noch nach Gutdünken beigemischt wird.

Mit den Parametern eines Gerichtsfilms erzeugt Eastwood dabei zwar routiniert Spannung, setzt diese aber mit kurzsichtiger Perspektive ein. Wo die Perversion der Ermittlungen gegen einen nachweislichen Menschenretter tatsächlich ihren Ursprung hat, weiß „Sully“ nicht zu thematisieren.

*weitere Informationen: siehe Profil

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