Review

Zum zuhause nachkochen... ?!


Mehr Geheimtipp als „The Alchemist Cookbook“ geht heutzutage kaum - man denkt, im Horrorzirkus in Zeiten des World Wide Webs kann einem eigentlich nichts entgegen, dann kommt da solch ein Indieprojekt daher und schleicht sich nahezu unter jeden Radar. Doch ist diese einsiedlerische Mischung aus „Evil Dead“, „A Dark Song“, „They Look Like People“ und „The Battery“ überhaupt ein Tipp? Kann ich ihn ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen und wäre er mehr Aufmerksamkeit und Zuschauer wert? Ja und nein. Denn obwohl ich kein absoluter Fan auf Anhieb von ihm bin, blieb er definitiv im Kopf und irgendwo auch unter der Haut, überzeugte er mit ganz speziellem Flair und einer der dichtesten Atmosphären seit langer Zeit. Doch durch seine skurrile, super langsame und intime, persönliche Art, bin ich irgendwie froh darüber, dass ihn nicht jedermann kennt, guckt und auf dem Zettel hat. Denn zu ihm muss man sich ganz schön durchbeißen und Bock drauf haben... Um es mal neutral bis positiv auszudrücken. 

Erzählt wird von einem einsam im Wald lebenden Chemiker (?) mit psychischen Problemen und satanistischem Glauben bzw. zumindest Neugier auf die Schattenwelt. Doch als sich dann endlich wirklich ein Dämon nähert bzw. von ihm Besitz ergreifen soll, ist es für eine Umkehr vielleicht schon viel zu spät... „The Alchemist Cookbook“ hat sicher eine Budget, das gegen null ging, besticht durch eine sehr menschliche und psychologische Herangehensweise, das schockierende Ende lädt zu vielen Theorien ein und mindestens die Szene am Lagerfeuer und das Make-Up im letzten Drittel machen ihn sehenswert. In Ansätzen. Oder sagen wir so: ich kann verstehen, warum manche Leute einen Narren an ihm gefressenen haben. Kriechend-gruseliges Sounddesign und die düster-magischen Attribute, die dunkelhäutige Besetzung und dass sich fast alles im Kopf abspielt, kann man als Pluspunkte sehen. Doch im Endeffekt war das für mich ein sehr zähes Brett zu sägen, eher zu wenig. Da muss man schon definitiv sehr konzentriert und in der richtigen Stimmung sein. Dann kann das klappen. Muss es aber selbst dann nicht. Denn dieses waldig-weirde Rezept ist nicht für jeden, eher nur für einen kultig-kleinen Kreis, der seine minimalistische Herangehensweise lieben gelernt hat. Bei mir ist's aber auf Grund massiver Längen, kaum gezeichneter Charaktere und wenig Empathie + Eindringungsfläche definitiv nicht Love @ first sight. 

Fazit: ein Rezept für geduldige Profis beim Thema Slowburn. Ein resoluter Lowest-Budget-Grusler, der nahezu ausschliesslich durch Atmosphäre, Kopfkino und Soundkulisse lebt. Aber selbst wenn man den Versuch respektieren muss, die beschränkten Mittel beachten muss, das letzte Drittel durchaus unter die Haut kriechen kann - insgesamt bleibt „The Alchemist Cookbook“ hinter meinen hohen Erwartungen zurück, ist im besten Fall ein sehr spezieller Geheimtipp und wäre für mein Empfinden eher Stoff für einen Kurzfilm gewesen. Denn für 80 Minuten zieht sich dieser Indie-Darling oft wie eine Tortur... Love or Hate. 

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