Regisseur Richard Bates Jr. offenbart mit seinem mittlerweile dritten Spielfilm einige Fetische:
Er aalt sich in den Bereichen dysfunktionale Familien und religiöser Fanatismus und er scheint Freude daran zu haben, AnnaLynne McCord hässlich zu gestalten.
Owen (Adrian Grenier) und seine Freundin Isabel (Angela Trimbur) führen seit drei Jahren eine problematische Beziehung, die mit der Schwangerschaft Isabels an einen Wendepunkt gelangt: Owen soll sich den Geistern der Vergangenheit stellen. Zu diesem Zweck besuchen sie gemeinsam Oma (Fionnula Flanagan) und Owens Schwester Pearl (AnnaLynne McCord), welche seit einem Brand, bei dem Owens Eltern starben, schrecklich entstellt ist.
Das junge Paar wird alles andere als herzlich empfangen, doch das ist erst der Anfang…
Etwa die erste halbe Stunde widmet sich die Erzählung komplett der Problembeziehung, bei der man sich fragt, wie masochistisch Isabel sein muss, sich mit einem misanthropen Zyniker, Egoisten und Bulimiker wie Owen zu umgeben, der zudem noch regelmäßig epileptische Anfälle erleidet und dennoch stets undankbar und teils arrogant reagiert. Immerhin fördern einige Wortgefechte mit spitzen Zungen ein paar schwarzhumorige Momente zutage, doch etwas zu lange dümpelt das Beziehungsportrait zu ziellos vor sich hin.
Im ollen Haus der noch olleren Großmutter angekommen, macht sich schließlich ein Gefühl von Unbehagen breit, welches sich aus einer Mischung aus der fiesen und religiös umnebelten Oma und dem unberechenbaren Verhalten von Pearl ergibt, welche sich meistens in ihrem Zimmer einschließt und ihr Gesicht zwischen den Haaren versteckt hält. Die Beziehung zwischen Owen und Isabel scheint plötzlich intakt, es gibt keine Reibereien mehr und es stellt sich die Frage, warum das Paar nach einer Stippvisite, bei der nach einigen Wortgefechten sämtliche Fronten geklärt sind, nicht einfach wieder abreist.
Zumindest werden Hintergründe des Brandes aufgeklärt, jedoch bleiben Nebenfiguren wie ein Priester nahezu völlig auf der Strecke und auch Pearl erscheint viel zu ambivalent, um sie derart zu vernachlässigen und erst für den Showdown ein wenig präsenter in Szene zu setzen.
Das Finale wird indes etwas zu überhastet angegangen. Zwar hinterlässt die Szenerie den anvisierten emotionalen Scherbenhaufen, doch so richtig zufrieden stimmt der Ausgang nicht.
Auf darstellerischer Ebene kann man sich keinesfalls beklagen, denn jeder spielt absolut überzeugend, speziell McCord ist in ihrer geheimnisvollen Rolle sehr stark. Grenier ist aufgrund einiger spitzer Äußerungen in der ersten Hälfte topp, im Verlauf rückt seine Figur jedoch arg in den Hintergrund, während man Flanagan die diabolischen Züge jederzeit abnimmt.
Letztlich ergeben viele gute Ansätze kein überzeugendes Ganzes, da zu kaum einer Zeit Spannung entsteht, der Humor eher beiläufig und in der zweiten Hälfte kaum mehr eingestreut wird und sich der Eindruck ergibt, dass das Drehbuch durchaus noch den einen oder anderen Kniff vertragen hätte. Passabel, aber bei weitem nicht so entschlossen wie Bates Erstling „Excision“.
5,5 von 10