kurz angerissen*
Tief unter der Fettkruste ist „The Greasy Strangler“ ein bitteres Melodram über Abweisung und das Einzelgängerdasein, doch es ist eben gerade die Kruste, die ihn so unorthodox macht. Man könnte den Versuch wagen, zu Vergleichszwecken die Travestie eines Helge-Schneider-Films mit dem Nonsens-Surrealismus Quentin Dupieux und Jon Heders Moonboots aus „Napoleon Dynamite“ in einer Petrischale mit zwei Esslöffeln „Oily Maniac“ zu vermischen, akute Explosionsgefahr wäre jedoch in die Rechnung mit einzubeziehen. Jim Hosking zeigt gerade das, was man unter keinen Umständen sehen will. Hässliche Menschen im Adamskostüm, keine schönen; ausgestorbene Discoschuppen, keine am Puls der Zeit. Eine Mode in Farben und Formen, die wie ein Dorn ins Auge stechen.Und jede Menge Bratfett. Der absolute Antifilm selbst für Leute mit halbwegs normalen Essgewohnheiten; was Gesundheitsfanatiker beim Anblick triefender, öliger Hot-Dog-Würstchen empfinden mögen, möchte man lieber nicht wissen.
Gewöhnliche Charaktere spart das Skript komplett aus; auch die Opfer des nackt in Schmiere getunkten Würgers sind in aller Regel Idioten, die nach eigenen autonomen Gesetzen funktionieren und gelegentlich kollidieren wie Spielzeugautos mit Aufziehschlüssel auf einer Spielmatte.
Doch geboten wird nicht einfach nur ein sich selbst genügendes Kuriositätenkabinett, sondern ein mit Bedacht aufgezogenes Lehrstück des absonderlichen Nischenfilms für ein sehr fein ausgewähltes Publikum. „The Greasy Strangler“ endet nicht wie viele seiner Artgenossen mit reinem Selbstzweck, sondern besteigt in den letzten Minuten, nachdem er lange über Routinen und Ellipsen gearbeitet hat, abrupt auf eine neue Meta-Ebene. Das abstoßende Vater-Sohn-Duo löst sich auf und hinterlässt eine dem Blob nicht unähnliche neutrale Eminenz, die nichts mehr zu behaupten scheint. Mit dem Fettlöser kommt die Erkenntnis: Dieser Film geht weit über die Trash-Anlage aus, über die er sich verkauft.
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